Seltene Einblicke in Storchennester in Petershagen

00:36 Min. Verfügbar bis 27.05.2027

Storchen-TV aus Petershagen: Dietmar Meiers Blick in die Horste

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Vom Boden aus bleibt das Innere eines Storchennests meist ein Geheimnis - bestenfalls erspäht man einen Kopf oder ein Hinterteil. Dietmar Meier hingegen kommt mit dem Objektiv seiner Drohne ganz nah dran. So hält er seltene und eindrucksvolle Momente im Leben der Störche fest, die später auch im Netz veröffentlicht werden.

Von Nicolai Heger

Dietmar Meier schaut konzentriert auf das Display seiner Fernsteuerung. Seine Drohne schwebt irgendwo, ein paar hundert Meter von ihm entfernt, in der Luft. Er selbst steht neben seinem Auto auf einem Parkplatz in Petershagen im Kreis Minden-Lübbecke. Mit der Drohne beobachtet Meier ein Storchenpaar und seine Jungen. Vor einer Woche sind sie geschlüpft. Jetzt sitzen drei graue, flauschige Küken im Nest.

Meier hofft heute auf seltene Einblicke in das Leben der geschützten Zugvögel. Er hat Glück: Auf seinem Bildschirm sieht er, wie ein Elternstorch die drei Jungen füttert. Was es gibt, lässt sich nur erahnen - vielleicht eine Maus oder einen Frosch. Meier lächelt zufrieden und lässt seine Drohne die seltene Szene aufnehmen. Es sind die Momente, für die er lebt. "Als Geologe habe ich mein ganzes Leben lang sozusagen auf den Boden unter meinen Füßen geschaut. Es ist etwas Besonderes, jetzt auch mal in den Himmel zu blicken", sagt der 69-Jährige.

Wie Dietmar Meier Storchenfilmer wurde

00:22 Min. Verfügbar bis 27.05.2027

Meier ist in Petershagen aufgewachsen und hat miterlebt, wie es Anfang der 1990er-Jahre gerade einmal drei Storchenpaare im ganzen Kreis gab - alle hier in Petershagen. Heute sind es dank gezielter Schutzmaßnahmen stolze 180, ein neuer Rekord.

Storchenboom in NRW

Laut NABU brüteten 2023 in NRW insgesamt 784 Weißstorchenpaare und brachten 1.491 Jungvögel zum Ausfliegen. So viele Störche wie aktuell lebten in der Region wahrscheinlich noch nie, seit sich der Weißstorch im 16. Jahrhundert hier ansiedelte.

15 Storchennester fliegt Meier regelmäßig mit seiner Drohne an. Dahinter steckt ein gemeinsames Projekt mit der Stadt Petershagen. Sie bezeichnet sich selbst als "Storchenhauptstadt NRW" und veröffentlicht Meiers Aufnahmen auf einem Instagram-Kanal. So soll das Leben der Störche dokumentiert werden - mit Erfolg. Einige Videos haben schon über 12.000 Klicks. Sie zeigen außergewöhnliche Aufnahmen von Revierkämpfen am Nest, der Paarung der Störche oder - wie heute Morgen - der Fütterung von Jungstörchen. "Vor Kurzem habe ich eine Nachricht aus der Schweiz bekommen. Auch dort schaut man auf unsere Störche in Petershagen. Das hätte ich vor einem Jahr nie gedacht", erzählt Meier stolz.

Filmen ja, stören auf gar keinen Fall!

Vom Einzug der Vögel in ihren Horst bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Kleinen das Nest verlassen, begleitet Meier die Vögel mit seiner Drohne. Dafür hat er eine Ausnahmegenehmigung. Unterstützt wird er bei dem Projekt auch von der Biologischen Station Minden. Wichtig ist allen Beteiligten, die Tiere nicht zu stören. Deshalb nutzt Meier auch eine spezielle Drohne mit Teleobjektiv. Damit kann er aus weiter Entfernung scharfe Nahaufnahmen vom Nest machen.

Ein Störch steht in seinem Nest. Darin sitzen graue Küken.

Aufnahmen wie diese macht Dietmar Meier mit seiner Drohne

Konzentriert blickt Meier wieder auf seinen Bildschirm. "So, die Kleinen sind satt, haben sich jetzt wieder hingelegt und werden die nächsten zwei Stunden wahrscheinlich schlafen", sagt er und navigiert die surrende Drohne auf den Boden. Auf geht es zum nächsten Storchennest. Was er bei seinen Beobachtungstouren zu sehen bekommt, weiß er nie.

Die Kehrseite der Naturbeobachtung

"Es ist ein bisschen so wie beim Angeln. Man braucht Geduld. Ich warte teilweise eine halbe Stunde oder Stunde darauf, dass überhaupt etwas passiert. Dann hoffe ich auf einen interessanten Moment und dass mein Akku durchhält", sagt er und lächelt verschmitzt. Doch der 69-Jährige ist auch Zeuge gefährlicher Momente für die Tiere.

Warum sich Dietmar Meier auch um "seine" Störche sorgt

00:39 Min. Verfügbar bis 27.05.2027

Der Geologe erinnert sich an eine Situation, in der ein Storch seinem Jungen ein Plastikband fütterte. Vielleicht hielt der Vogel es für eine kleine Schlange, mutmaßt Meier. Die Jungstörche stritten darum - einer gewann den Kampf schließlich und schlang das Teil hinunter. Einen Tag später war sein Platz im Nest leer. Wahrscheinlich ist er an dem Plastikteil gestorben, vermutet Meier.

In so einem Fall nicht eingreifen zu können, schmerzt den 69-Jährigen. Und: "Es gibt einem zu bedenken, dass in der Umwelt kein Plastikmüll liegen sollte." Doch die Freude über die Entwicklung der Störche in Petershagen überwiegt. In den Storchennestern, die Meier beobachtet, liegen enorm viele Eier - oft gleich fünf Stück. Auch das ist ein Rekord und ein Zeichen, dass sich die Zugvögel bei uns wohlfühlen, so Meier.

Über dieses Thema haben wir auch am 08.05.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit OWL, 19.30 Uhr.

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