"Hai in den Mai"-Veranstalter in Stemwede bauen weiter auf
WDR. 01:47 Min.. Verfügbar bis 27.04.2037.
Am Montagabend (27. April 2026) haben die Veranstalter entschieden: Jetzt hilft nur noch der Gang zum Gericht. Über ihren Anwalt hat die Waldfrieden Events GmbH einen Antrag beim Verwaltungsgericht gestellt. Damit will der Veranstalter die Gemeinde Stemwede zwingen lassen, eine Entscheidung zu fällen. Das soll jetzt in einem Eilverfahren geklärt werden.
Lautsprecher werden getestet, Zäune aufgebaut, Stoffbahnen über dem Gelände gespannt. Der Aufbau auf dem Gelände läuft weiter, ohne zu wissen, ob am Ende doch alles umsonst ist. Die Veranstalter fordern eine Entscheidung, sie sind angespannt.
16-Stunden-Tage sind im Moment normal für die Mitarbeitenden. Ständig klingeln die Telefone, Medien wollen Neuigkeiten erfahren. Und noch wichtiger: Festival-Interessierte wollen wissen, ob es sich überhaupt lohnt, nach Stemwede anzureisen. Der Kreis Minden-Lübbecke hat eine Befreiung von Naturschutzauflagen abgelehnt.
"Das ist gerade ein schlimmer Schwebezustand." Sarah Stücker, Waldfrieden Kultur e.V.
Es gibt noch keinen rechtsfähigen Bescheid
Das Fehlen dieses Bescheids ist ein Problem, denn die "Hai in den Mai"-Anwälte stehen zwar in den Startlöchern, sie können aber rechtlich nicht gegen einen Bescheid vorgehen, den es noch nicht gibt. Sie warten - und die Uhr tickt. Am 30. April soll das Festival eigentlich losgehen.
Tausende tanzen auf dem Festival zu Psytrance und Goa-Musik.
Die Folgen einer Absage wollen sich die Veranstalter noch gar nicht ausmalen. Die Angst vor einer Insolvenz ist da. Von der wären dann möglicherweise auch Gewerbebetriebe aus der Region betroffen, die gerade am Aufbau beteiligt sind.
Kreis hat Bedenken beim Artenschutz
Die Festival-Veranstalter hatten eine naturschutzrechtliche Befreiung beantragt und selbst ein Gutachten in Auftrag gegeben. Das kommt zum Schluss, dass das Festival mit dem Naturschutz vereinbar ist. Eine Befreiung von den Auflagen kommt für den Kreis aber dieses Jahr nicht in Frage, teilte er mit.
Das Festival findet in einem Waldgebiet statt, das ökologisch hochwertiger Lebensraum sei. Durch das Event würden geschützte Arten, besonders Vögel und Fledermäuse gestört. Die Naturschutzbehörde kommt zu dem Ergebnis: Das Festival ist an dem "Standort nicht mit den Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspflege vereinbar."
Sicherheitskonzept muss nachgebessert werden
Auch das Sicherheitskonzept für das Festival war dieses Mal zunächst von den Behörden abgelehnt worden. Im letzten Jahr waren zwei Unfälle auf dem Gelände passiert. Bei einem Unfall starb ein Kind. Damals war allerdings nicht der Verein "Waldfrieden Kultur" Veranstalter, das Gelände war an einen anderen Ausrichter vermietet worden.
Die Veranstalter sind zuversichtlich, dass sie die neuen Sicherheitsvorgaben erfüllen können. Man habe umfangreich nachgebessert und das neue Konzept an die zuständigen Behörden geschickt.
Trotzdem bleibt es dabei: Zunächst muss aber der Kreis das naturschutzrechtliche "Okay" für das Veranstaltungsgelände geben, sonst kann die Veranstaltung nicht genehmigt werden - auch nicht mit einem verbesserte Sicherheitskonzept.
Petition bekommt Tausende Unterschriften
Mit einer Petition versuchen die Veranstalter, das Festival zu retten. Bis Freitag Abend wurden über 21.000 Unterschriften gesammelt.
Unsere Quellen:
- Verein "Waldfrieden Kultur Stemwede"
- Kreis Minden-Lübbecke
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 27.04.2026, 19:30 Uhr