Der Ukrainer Andrii Dolinskyi arbeitet seit 1,5 Jahren bei der Dortmunder Bootswerft Baumgart. Vor 3 Jahren ist er mit seiner Familie aus der Ukraine geflohen.
Es ist Donnerstagvormittag, kurz nach 11 Uhr. In der Werkshalle der Dortmunder Bootswerft Baumgart herrscht reges Treiben. Es riecht nach Holz und Lack. Mehrere Boote bekommen hier gerade neues Leben eingehaucht. Für eines dieser Boote ist Andrii Dolinskyi zuständig. "Hier war alles verschimmelt", erklärt der 43-Jährige. Davon ist inzwischen nichts mehr zu sehen.
Andrii Polinskyi (links) zusammen mit seinem Chef, Boots- und Schiffbaumeister Stefan Baumgart (rechts)
"In der Ukraine war diese Arbeit mein Hobby", erzählt Andrii weiter. Sein Geld hat er damals mit einem Job in der Wirtschaft verdient. Dafür hat er studiert, eine handwerkliche Ausbildung hat er nicht. Dennoch möchte sein Chef in Dortmund, Stefan Baumgart, nach inzwischen eineinhalb Jahren nicht mehr auf seine Arbeit verzichten müssen. "Die Arbeit, die Andrii für uns leistet, ist durchaus auf Meisterniveau", erklärt er.
Bürokratie und Auflagen erschweren Jobsuche
Dass Andrii Dolinskyi vergleichweise schnell einen Arbeitsplatz gefunden hat, ist keine Selbstverständlichkeit. Vor drei Jahren ist er mit seiner Familie aus der Ukraine ins Ruhrgebiet geflüchtet, hat Deutsch gelernt und nach einem Job gesucht. Geholfen hat ihm dabei ein Freund aus Deutschland, gefunden hat er den Arbeitsplatz letzten Endes über ein Unterstützungsangebot der Handwerkskammer Dortmund.
Der aktuelle Migrationsbericht der Malteser zeigt, dass es Migranten oft schwer haben, überhaupt schnell einen Job zu finden. Demnach würde die Jobsuche gerade zu Beginn des Aufenthalts in Deutschland durch Beschäftigungsverbote und fehlende Sprachkenntnisse sowie die eingeschränkte Übertragbarkeit von Berufsabschlüssen und die sogenannte Residenzpflicht, also eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit, erschwert.
Engagement lohnt sich - auch für Unternehmen
Mitarbeiter wie Andrii sind wegen des Fachkräftemangels aber extrem wichtig für den Dortmunder Familienbetrieb. "Gerade im Ruhrgebiet sind Bootsbauer eher Mangelware", erklärt Geschäftsführer Stefan Baumgart mit einem Schmunzeln auf den Lippen. "Es lohnt sich die Zeit zu investieren, weil man diese Mitarbeiter sonst nicht gewinnen könnte", so Baumgart weiter. Gegen etwas weniger Zeitaufwand hätte er aber nichts.
Heute hat ein Großteil der Belegschaft eine Zuwanderungsgeschichte. "Letzten Endes gucken wir eigentlich nur, wie wir unsere Arbeit bewältigen können. Wo die Person herkommt, interessiert uns nicht", betont der Boots- und Schiffbaumeister, "Hauptsache ist, sie haben Spaß an ihrer Arbeit. Das merkt man dann auch am Produkt."
Das Engagement des Familienunternehmens würdigt im vergangenen Jahr auch die Handwerkskammer Dortmund. Für seinen "Einsatz bei der betrieblichen Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, insbesondere im Ausbildungsbereich" erhielt das Unternehmen den Integrationspreis Handwerk NRW.
Unsicherheit bleibt auch mit Arbeitsplatz
Auch wenn das Dortmunder Unternehmen viel Zeit und Mühe in die eigenen Mitarbeiter investiert - manchmal machen die Gesetze der vielen Arbeit einen Strich durch die Rechnung. "Ein junger Mann aus Armenien hatte bei uns die Lehre angefangen. Nach einiger Zeit wurde er dann aber doch abgeschoben und musste zurück in seine Heimat", erzählt Stefan Baumgart.
"Als Handwerker ist man kein Experte für Migrationsrecht." Stefan Baumgart, Boots- und Schiffbaumeister aus Dortmund
Und auch im Leben von Andrii aus Dortmund nimmt das Gefühl der Unsicherheit weiterhin eine große Rolle ein. Sein Aufenthaltstitel ist nämlich auf ein Ende des Krieges in der Ukraine begrenzt. Ein dauerhafter Aufenthaltstitel würde der ukranischen Familie Planungssicherheit geben. Denn zurück in die Ukraine wollen sie nicht.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Stefan Baumgart
- WDR-Gespräch mit Andrii Polinskyi
- Pressemitteilung der Handwerkskammer Dortmund
- Malteser-Migrationsbericht 2025