Tritt umstrittene Sängerin doch nicht auf?

WDR 01:45 Min. Verfügbar bis 22.05.2028

Festival Jarmarka Tritt umstrittene russische Sängerin doch nicht auf?

Stand:

Der Auftritt der Sängerin Slava in Bad Salzuflen wurde wohl abgesagt. Sie gilt als Unterstützerin des russischen Angriffskriegs.

Da war sie plötzlich weg: Über Wochen warb das Kulturfestival "Jarmarka" mit der russischen Sängerin Slava als Top Act auf ihren Plakaten. Am Freitagabend war ihr Porträt verschwunden und durch die Musiker von "Nensi" ersetzt. Geplant war das wohl nicht, es ist deutlich zu sehen, dass das neue Foto nicht besonders sorgfältig eingefügt wurde.

Ein Plakat zeigt verschiedene Personen.

Bis Freitagabend war die Sängerin noch prominent auf dem Plakat zu sehen.

Was dahinter steckt, ist noch nicht klar. Der WDR fragte den Veranstalter und Slavas Künstleragentur an, bis zum Freitag Abend gab es noch keine Rückmeldung. Möglicherweise hat eine tagelange Kontroverse um den Auftritt für die Entscheidung des Veranstalters gesorgt. Vielleicht gibt es aber auch eine ganz andere Erklärung.

Viel Kritik an Auftritt der russichen Sängerin Slava

Ein Plakat zeigt verschiedene Personen.

Da wo vorher die Sängerin war, sind seit Freitagabend andere Künstler abgebildet.

Der Auftritt von Slava, mit bürgerlichem Namen Anastasia Vladimirovna Slanevskaya, stand seit Tagen in der Kritik. "Ich halte Präsident Selenskyi für einen Idioten", hatte Slava früher in einem kurzen Video gesagt. Mit anderen russischen Künstlern soll sie einen Preis gestiftet haben, der Soldaten belohnt, die aus Deutschland gelieferte Leopard-Panzer in der Ukraine zerstören. Mehrfach unterstützte sie den russischen Angriffskrieg öffentlich.

"Slava überschreitet deutlich die Grenzen dessen, was ich auf deutschen Bühnen ertragen möchte." Robin Wagener, MdB

Robin Wagener, Bundestagsabgeordneter der Grünen für Lippe, kritisiert den Slava-Auftritt deutlich. Dem WDR sagte er: "Künstlerische Freiheit und die Freiheit von Kunst ist ein ganz hohes Gut. Aber Slava überschreitet deutlich die Grenzen dessen, was ich auf deutschen Bühnen ertragen möchte." Wagener ist auch Osteuropabeauftragter der Grünen-Fraktion im Bundestag.

Auch die Botschaft der Ukraine in Berlin kritisierte den Auftritt deutlich. Es sei schwer nachvollziehbar, dass "eine solche Person eine Einreise nach Deutschland erhalten kann", sagte eine Botschaftsmitarbeiterin der Lippischen Landeszeitung. Veranstalter und Behörden müssten sensibler sein.

Fernsehteam muss draußen bleiben

Auf dem Messegelände in Bad Salzuflen war am Freitag den ganzen Tag der Aufbau im Gang. Im Minutentakt fuhren Aussteller in Richtung der Hallen. Kennzeichen aus ganz Deutschland waren zu sehen. Nicht gerne gesehen war aber wohl das Kamerateam des WDR. Nur Minuten nach Ankunft meldete der Sicherheitsdienst per Funk Einzelheiten zu den Dreharbeiten weiter.

Auf einem Festival werden Aufbauarbeiten erledigt.

Aufbauarbeiten für das zweitägige Festival. Das Kamerateam durfte nicht aufs Gelände.

Der Versuch, in den Messehallen Filmaufnahmen zu machen und über die Aufbauarbeiten zu berichten, war schon vorher gescheitert. Mehrere Anfragen ließ der Veranstalter unbeantwortet, ein Telefongespräch drückte der Projektleiter nach wenigen Sekunden weg. Es war deshalb auch nicht möglich, eine Einschätzung des Veranstalters zum Slava-Auftritt zu bekommen.

30.000 Besucherinnen und Besucher werden erwartet

Auch wenn der Top Act Slava am Samstag offenbar ausfällt, werden an zwei Festival-Tagen rund 30.000 Menschen in Bad Salzuflen erwartet. Die meisten von ihnen haben einen osteuropäischen Hintergrund. "Jarmarka" ist für sie ein fester Termin im Jahr, eine Mischung aus Messe, Konzerten und Jahrmarkt, die es sonst in Deutschland selten gibt.

Der Staatsschutz der Bielefelder Polizei sagte dem WDR, bisher sei "Jarmarka" nicht auffällig gewesen. Es müsse jedoch "in Abhängigkeit tagesaktueller Ereignisse im Kontext des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine ein gesteigertes Emotionalisierungspotenzial innerhalb der Besucher einkalkuliert werden."

Tritt umstrittene Sängerin doch nicht auf?

WDR 22.05.2026 00:45 Min. Verfügbar bis 21.05.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Recherche vor Ort
  • Interview Robin Wagener
  • Staatsschutz Polizei Bielefeld
  • Lippische Landeszeitung

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 22.05.2026, 19:30 Uhr

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