Kerstin Schulz-Höfel sitzt in ihrem eigenen Party Shuttle-Bus
Es ist Freitagabend, 23 Uhr. Kerstin Schulz-Höfel ist mit ihrem Bulli auf dem Weg, die ersten Jugendlichen abzuholen. Mit dabei ist ihr 16-jähriger Sohn Sam. In dem Siebensitzer leuchten überall blaue Lichter. Eine kleine Nebelmaschine steht bereit. Auf den Fahrten soll schließlich Partystimmung aufkommen.
Jugendliche machen wieder mehr Party
Für die 48-Jährige aus Bünde im Kreis Herford ist der Shuttle-Service eine Herzensangelegenheit. Ihr sei es wichtig, dass die Jugendlichen nach der Corona-Pandemie wieder feiern können, erzählt sie während der Fahrt. "Die hatten ja lange gar keine Möglichkeit, rauszugehen und Party zu machen. Jetzt, wo das möglich ist und sie dazu noch mit einem coolen Shuttle hingebracht und abgeholt werden können, freuen die sich und dann freue ich mich auch."
So läuft eine Fahrt mit dem Party-Shuttlebus ab
00:59 Min.. Verfügbar bis 13.06.2027.
Schulz-Höfel kommt bei ihren ersten Fahrgästen an. Die 15-jährige Clara Niermann und die 14-jährige Femke Sieks sind heute in Feierlaune. Schulz-Höfel bringt sie zur Party und fährt sie nachts auch wieder nach Hause. Mutter Bianca Niermann findet Schulz-Höfels Idee super: "Es ist total beruhigend zu wissen, dass da jemand ist, der Clara fährt, falls wir mal nicht da sind und sie nicht zu Fuß laufen muss oder bei Fremden ins Auto steigt."
Vorfall im Bekanntenkreis brachte die Idee
Genau so ein Vorfall im Bekanntenkreis ihres Sohnes brachte Schulz-Höfel zu ihrer Idee: Zwei Jugendliche seien bei einem fremden Fahrer eingestiegen, um nach Hause zu kommen. Hinterher habe sich herausgestellt, dass der noch gar nicht fahren durfte. Weil er zu schnell war, kam es zum Unfall. Zum Glück seien alle unverletzt geblieben.
Wie der Vorfall für Kerstin Schulz-Höfel alles änderte
00:37 Min.. Verfügbar bis 13.06.2027.
Gemeinsam mit ihrem Sohn entwickelte Schulz-Höfel dann die Idee für den Shuttle-Service, den sie seit ein paar Wochen freitags und samstags anbietet. Im Moment nimmt sie für die Fahrten noch kein Geld. Sie will erst einmal schauen, ob sich das überhaupt lohnt und die Jugendlichen ihr Angebot nutzen.
Auf dem Land: Von der Party nach Hause oft schwierig
Die beiden Mädchen Clara und Femke sind inzwischen eingestiegen. Sohn Sam sorgt für die Partystimmung und dreht die Musik auf. Er begleitet seine Mutter so oft wie möglich bei den Fahrten. Angekommen bei der Party, schmeißt er die Nebelmaschine an. "Ich glaube, so bringt niemand die Jugendlichen zur Party", sagt Schulz-Höfel stolz. Die beiden Mädchen steigen aus und gehen zur Party.
Sohn Sam begleitet Kerstin Schulz-Höfel bei vielen Fahrten
Gerade in ländlichen Regionen ist der Weg nach Hause oft ein Problem, erzählt Sohn Sam: "Wenn wir in Bielefeld feiern gehen, ist das schwierig. Züge fallen oft aus, verspäten sich oder kommen nicht mehr. Und auch in Bünde und Umgebung fahren die Busse so spät nicht mehr. Wir sind dann immer auf die Eltern angewiesen. Denen geht das dann aber auch irgendwann auf die Nerven."
Sicher zurück nach Hause
Nach ein paar Stunden Feiern sitzen Clara und Femke wieder im Auto der 48-Jährigen. Auf der Heimfahrt ist es stiller, Musik läuft jetzt nicht mehr. Am Ziel angekommen wartet Schulz-Höfel, bis die Mädchen sicher im Haus verschwunden sind. "Dann kann ich auch mit einem guten Gefühl nach Hause fahren."
- Zum Beitrag: "Wie ein Dorf einen kostenlosen Fahrdienst gründet"
Gegen fünf Uhr nachts endet für Schulz-Höfel die Nachtschicht. Sie hofft, dass sich ihr Angebot noch mehr herumspricht - dann könnte sie damit vielleicht auch Geld verdienen. Eine letzte Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer steht dafür noch aus.
Über dieses Thema haben wir auch am 06.06.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit OWL, 19.30 Uhr.