Eine Frau steht rechts neben einem Transporter. Auf dem Transporter ist die Aufschrift "Menschenmobil Herzogenrath e.V.". Die Frau lehnt sich an das Auto. Sie trägt eine rotorangene Jacke.

Das Menschenmobil: Lebensqualität für Senioren in Herzogenrath

Unterwegs

Stand:

Doreen Sappok fährt mit dem "Menschenmobil" in Herzogenrath ältere und gehbehinderte Menschen zu Terminen. Wie sie den Menschen dadurch nicht nur Mobilität, sondern auch Lebensqualität schenkt.

Von Claudia Becker

Ein letzter prüfender Blick auf die Tankanzeige, dann startet Doreen Sappok ihre Tour durch Herzogenrath. Acht Stunden hinter dem Steuer liegen vor ihr. Seit einem Jahr fährt sie einmal in der Woche ehrenamtlich das "Menschenmobil". Sie holt ältere und gehbehinderte Menschen zu Hause ab und bringt sie zu Terminen. Trotz ihrer Erfahrung wird sie dabei immer wieder auch überrascht: "Ich hatte schon mal den Bus voll und dann haben alle angefangen, das alte Volkslied 'Hab mein Wagen vollgeladen' zu singen. Das war richtig toll!"

Wichtige Hilfe im Alter: Das Menschenmobil in Herzogenrath

Initiativen wie das Menschenmobil leisten einen wichtigen Beitrag. Denn viele ältere Menschen brauchen Hilfe, um mobil zu bleiben. 45 Prozent der über 84-Jährigen sind laut der Studie "Mobilität in Deutschland" auf andere Personen angewiesen. Bei den 75- bis 84-Jährigen sind es 16 Prozent.

Seit einem Jahr gibt es das Angebot in Herzogenrath, zum Großteil finanziert von der "Aktion Mensch". Dafür haben Herzogenrather einen Verein gegründet. Elf Ehrenamtliche bringen regelmäßig 70 Menschen mit dem Menschenmobil zu Terminen. Für zehn Euro im Monat können die Fahrgäste den Bus so oft nutzen, wie sie wollen.

Warum Doreen Sappok gern das Menschenmobil fährt

00:16 Min. Verfügbar bis 05.05.2027

Sappok holt ihre Passagiere direkt an der Haustür ab. Wer zusätzliche Hilfe auf dem Weg zum Bus, beim Einsteigen oder auch Anschnallen braucht, bekommt sie. "Berührungsängste darf man in diesem Job nicht haben", sagt Eduard Vondenhoff vom Verein Menschenmobil. Aktuell sucht er dringend weitere Ehrenamtliche. "Nochmal so viele wären toll. Dann könnten wir noch mehr Fahrten anbieten."

Ein älterer Mann lächelt in die Kamera. Er trägt eine Brille und eine Schiebermütze.

Eduard Vondenhoff vom Verein Menschenmobil in Herzogenrath

Für viele der Passagiere ist die Fahrt weit mehr als nur der Transport zu einem Termin - sie bedeutet Lebensqualität. So auch für drei Freundinnen, die älteste 91 Jahre alt. Sie fahren regelmäßig mit dem Bus zum Seniorensport. Ohne das Angebot wären sie aufgeschmissen, sagen sie. Mit der Hilfe der Fahrerin steigen die drei Seniorinnen aus dem Bus. Nach dem Sport wird Sappok sie wieder abholen.

Was Maria Lauscher und Anneliese Hallmann das Menschenmobil bedeutet

00:17 Min. Verfügbar bis 05.05.2027

Eine von Sappoks Fahrgästen ist heute auch Gudrun Hoppe. Die 85-Jährige sortiert ehrenamtlich bei der Tafel Obst und Gemüse und verteilt Lebensmittel an Bedürftige. Ohne den Bus käme sie dort gar nicht hin. Das wäre für sie ein großer Verlust. "Ich finde, solange man noch krabbeln kann, sollte man sich für die Gemeinschaft einsetzen."

Ein Ehrenamt, das anderes Ehrenamt ermöglicht

Zusätzlich zur Tafel arbeitet Hoppe auch als Vorleserin in der Stadtbücherei und im Kindergarten. "Das ginge ohne den Bus natürlich nicht. Autofahren kann ich nicht mehr und mit öffentlichen Verkehrsmitteln käme ich nicht zu meinen Diensten."

Eine ältere Frau mit Brille schaut in die Kamera. Sie lächelt und trägt eine blaue Jacke und darunter einen roten Pullover.

Ohne das Menschenmobil käme Gudrun Hoppe nicht zu ihren Ehrenämtern

Auf dem Weg zur Tafel unterhalten sich Hoppe und Fahrerin Sappok über das vergangene Wochenende. Sich mit älteren Menschen auszutauschen, sei ihr wichtig, sagt Sappok. Früher hat sie in einem Seniorenheim gearbeitet. Heute ist sie Alltagsbegleiterin für ältere Menschen. "Ich helfe im Haushalt und manchmal trinke ich mit ihnen einfach einen Kaffee. Sie sind oft einsam, brauchen Ansprache."

  • Zum Beitrag: "Eine Million Kilometer: Wie ein Bürgerbus die Menschen verbindet"

Pünktlich zum Beginn ihres Dienstes bei der Tafel steigt die 85-jährige Hoppe mit Sappoks Hilfe aus dem Bus. Auf die Fahrerin warten schon die nächsten Passagiere. Also geht es weiter durch die engen Straßen Herzogenraths. Um Menschen abzuholen, die ohne das Menschenmobil kaum noch vor die Tür kämen.

Über dieses Thema haben wir auch am 15.04.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Aachen, 19.30 Uhr.