Das Rathaus in Herford

Das Rathaus in Herford

Streit in Herford Bunt und weltoffen - aber nicht im Rathaus?

Stand:

In Herford will sich das Bündnis "Herford bunt & weltoffen" gründen. Aber Bürgermeisterin Anke Theisen untersagt die Nutzung städtischer Räume.

"Zellentrakt" - dahinter verbirgt sich die Gedenkstätte für die Opfer nationalsozialistischer Gewalt in Herford. Sie nutzt die ehemaligen Hafträume der Polizei im Keller des Rathauses, während der Nazizeit brachte die Gestapo hier Gefangene unter. Ein Ort, der passend erschien für die Gründung eines Bündnisses, das sich gegen Rassismus und Diskriminierung engagieren will.

Porträtfoto von Anke Theisen

Herfords Bürgermeisterin Anke Theisen (CDU)

Aber: Als die Initiatoren des Bündnisses "Herford bunt & weltoffen" die Veranstaltung im Zellentrakt für den 12. Juni anmelden wollen, interveniert die Stadt: Die Gründungsversammlung dürfe nicht in der Gedenkstätte stattfinden, das erfolge "vor dem Hintergrund des Neutralitätsprinzips."

Bunt und weltoffen - aber nicht im Rathaus?

WDR Studios NRW 15.06.2026 00:36 Min. Verfügbar bis 14.06.2028 WDR Online

Kuratorium der Gedenkstätte hat keine Bedenken

Die Initiatoren des Bündnisses können die Entscheidung nicht nachvollziehen. Besonders überrascht sind sie, weil das Kuratorium der Gedenkstätte der Nutzung ihrer Räume zugestimmt hatte. Bürgermeisterin Anke Theisen (CDU) bleibt aber dabei: Für die Nutzung der Räume gebe es eine Nutzungsvereinbarung zwischen Kuratorium und Stadt Herford. Darin sei geregelt, dass die Stadt die "Überlassung der Räume an Dritte" verbieten kann.

"Wir wollen nicht in die Kneipe und da ins Hinterzimmer." Johannes Ridderbusch

Johannes Ridderbusch, einer der fünf Initiatoren, kritisiert die Entscheidung der Bürgermeisterin scharf: "Wir haben das Recht als Stadtgesellschaft, diese Räume zu nutzen. Wie sonst soll politische Bildung funktionieren, wenn wir diese Räume nicht nutzen dürfen?" Es sei wichtig, zu zeigen, dass es auch in Herford Menschen gebe, die völkisches Denken und nationalistische Positionen vertreten.

Abgeordnete unterstützen das Bündnis

Unterstützung kommt mittlerweile auch von Land- und Bundestagsabgeordneten der SPD aus dem Kreis Herford. Stefan Schwartze, Christian Dahm und Christian Obrok schreiben in einem Offenen Brief an Bürgermeisterin Theisen, man sei fassungslos, dass "nun ausgerechnet jenen Menschen die Tür gewiesen wird, die sich für Demokratie, Toleranz und ein weltoffenes Herford einsetzen."

"Ihr offener Brief ist bemerkenswert, allerdings weniger wegen seiner demokratischen Sorge als wegen seiner politischen Unredlichkeit." Anke Theisen (CDU), Bürgermeisterin

Theisen reagierte am Nachmittag schriftlich auf den Brief - und verschärfte den Ton: "Tatsächlich verlangen Sie, dass das Rathaus einer Veranstaltung Raum gibt, deren Einladung demokratisch gewählte Ratsmitglieder pauschal in die Nähe von völkischem Denken, Nationalismus, Menschenverachtung und Rassismus rückt."

In der Einladung hatte das Bündnis geschrieben: "Auch in Herford gibt es Menschen - dazu zählen Ratsmitglieder -, die völkisches Denken und nationalistische Positionen vertreten." Theisen kritisiert das in ihrem Antwortschreiben deutlich: "Die Einladung arbeitet mit Verdacht, moralischer Aufladung und politischer Brandmarkung. Das ist kein Beitrag zur demokratischen Debatte, sondern eine Form politischer Ausgrenzung."

Unsere Quellen:

  • Stadt Herford
  • Statement von Bürgermeisterin Anke Theisen
  • Johannes Ridderbusch, Mitinitiator "Herford bunt & weltoffen"
  • Offener Brief der SPD-Abgeordneten

Sendung: WDR 2 Ostwestfalen-Lippe, Lokalzeit, 15.06.2026, 15:31 Uhr

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