Führerschein soll billiger werden

Aktuelle Stunde 16.10.2025 24:37 Min. UT Verfügbar bis 16.10.2027 WDR Von Bernd Neuhaus

Führerschein soll billiger werden - welchen Stellenwert hat er heute?

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Es kostet viel Geld, den Führerschein zu machen. Das soll sich nun ändern. Wie wichtig ist der "Lappen" in der Gesellschaft?

Bis zu 4.500 Euro müssen Fahrschüler laut ADAC inzwischen für den Führerschein bezahlen. Das soll sich aber ändern: Der Führerschein soll günstiger werden. Geplant ist eine Reform der Fahrschulausbildung, mit der auch Kosten gesenkt werden sollen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) stellte dazu am Donnerstag Eckpunkte vor.

Was sich im theoretischen Teil ändern soll:

  • Die Pflicht zum Präsenzunterricht soll entfallen und Wissen auch komplett über digitale Wege wie Apps oder Lernplattformen vermittelt werden können.
  • Bei der theoretischen Prüfung soll der Fragen-Katalog schrumpfen: von mittlerweile rund 1.170 auf etwa 750. Im Fokus stehen sollen die relevanten Themen der Verkehrssicherheit.

Was sich im praktischen Teil ändern soll:

  • Künftig sollen häufiger Fahr-Simulatoren eingesetzt werden können, statt direkt auf der Straße unterwegs zu sein.
  • Vorgesehen sind auch weniger verpflichtende Sonderfahrten in der Nacht, auf Autobahnen und über Land. Möglich sein soll, sie teils am Simulator zu machen.
  • Die Fahrzeit in der praktischen Prüfung soll auf 25 Minuten verkürzt werden, entsprechend den europäischen Mindestvorgaben.

Was außerdem geplant ist:

  • Angaben zu Kosten und Durchfallquoten aller Fahrschulen sollen im Internet transparent und vergleichbar gemacht werden.
  • Erprobt werden könnte, ob Eltern oder andere nahe Personen mit Erfahrung am Steuer mit Fahrschülern üben können.
  • Fahrschulen sollen unter anderem von Aufzeichnungs- und Dokumentationspflichten entlastet werden.

Union und SPD hatten eine Reform für bezahlbare Führerscheine im Koalitionsvertrag vereinbart. Ursachen für die höheren Kosten sind laut ADAC gestiegene Fahrzeug-, Sprit- und vor allem Personalkosten infolge der Inflation.

Führerschein gut 38 Prozent teurer geworden

Die Preise und Gebühren für die Leistungen der Fahrschulen und Prüfungen waren 2024 rund 5,8 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Nach den Angaben des Statistische Bundesamt lagen die Beträge damit erneut über der allgemeinen Steigerung der Verbraucherpreise, die nur um 2,2 Prozent geklettert sind. Konkrete Preise nannten die Statistiker nicht.

Diesen Trend übermäßig steigender Führerscheinpreise haben die Statistiker auch in den Vorjahren festgestellt. Unter dem Strich war der Führerschein damit 2024 gut 38 Prozent teurer als im Jahr 2020.

Das Statistikamt hat für die Berechnung die von den Fahrschulen frei erhobenen Preise etwa für Fahrstunden und theoretischen Unterricht sowie die Prüfgebühren bei Tüv oder Dekra erhoben. Die Prüfungsgebühren werden gesetzlich festgelegt und machen in der Gesamtbetrachtung nur gut 12 Prozent aus.

Zahl der Führerschein-Besitzer steigt

Die Kosten des Führerscheins sind mittlerweile so hoch, dass sie auch eine Rolle in der aktuellen Debatte um die Wehrpflicht spielen: Damit mehr Freiwillige zu Bundeswehr kommen, soll es einen Zuschuss von bis zu 3.500 Euro für den Autoführerschein geben. Allerdings nur für diejenigen, die mindestens zwölf Monate Wehrdienst leisten.

Dieser geplante Anreiz ist ein Zeichen für den Stellenwert, den der Führerschein offenbar in Deutschland hat. Die Zahl der Menschen mit Führerschein stieg bundesweit von 31,2 Millionen im Jahr 2016 auf 44,8 Millionen in diesem Jahr. Auch in NRW gab es eine Zunahme: 2016 waren es an Rhein und Ruhr 6,9 Millionen Menschen, die ein Auto, ein Motorrad oder beides fahren durften. 2025 sind es 9,8 Millionen.

Verkehrsexperte: "Bedeutung des Führerscheins nimmt ab"

Die gesellschaftliche Bedeutung des Führerscheins hängt aber nicht allein von seiner Verbreitung ab. Denn: "Generell nimmt die Bedeutung des Autos und damit auch die des Führerscheins tendenziell ab", sagte Professor Andreas Knie, Verkehrsexperte am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), am Donnerstag dem WDR. Durch seine massenhafte Verbreitung sei das Auto keine Besonderheit mehr. Prestige und Gebrauchswert gingen daher leicht zurück.

Aber genauso wie es immer noch Autos gebe, werde auch der Führerschein weiterhin erworben. "Allerdings wesentlich später", so der Mobilitätsexperte. "Zwischen 17 und 20 Jahren machen lediglich knapp 50 Prozent der Fahrfähigen den Führerschein." Erst im Alter von knapp 30 Jahren haben demnach knapp 85 Prozent der Menschen eine Fahrerlaubnis. "Der Grund: Der Führerschein ist sehr teuer geworden und lässt sich erst nach Eintritt in das Berufsleben finanzieren.

Führerschein noch immer "wichtig für die soziale Teilhabe"

"Menschen haben nicht alle freiwillig keinen Führerschein", betont Caroline Rozynek von der Uni Frankfurt. Die Wissenschaftlerin befasst sich in einer Arbeitsgruppe mit dem Thema. Die relativ hohen Kosten stellten insbesondere für Menschen mit wenig Einkommen eine finanzielle Hürde dar. Außerdem seien die Durchfallquoten bei der praktischen und theoretischen Prüfungen recht hoch - die Kosten stiegen also bei Misserfolg weiter an.

Nicht zu wissen, was der Führerschein am Ende kosten wird, kann gerade für Menschen mit geringem Einkommen finanziell und psychisch eine Belastung sein. Caroline Rozynek, Uni Frankfurt

Nach Aussage von Verkehrsforscher Knie erwerben immer noch mehr Männer als Frauen die Fahrerlaubnis - und mehr Menschen im ländlichen Raum als in der Stadt. "Grundsätzlich gilt auch, dass weiterhin viele Berufsgruppen fest mit dem Auto verbunden sind und damit auch den Besitz einer Fahrerlaubnis voraussetzen." Durch die Digitalisierung sei in diesem Bereich jedoch eine Abnahme zu erwarten. Für immer weniger Berufe seien physische Kontakte vor Ort in jedem Fall zwingend.

Der Führerschein sei immer noch sehr wichtig für die Teilhabe am sozialen Leben. "Aber er ist nicht mehr das zentrale Zugangsdokument für die Gesellschaft." Das Smartphone sei mittlerweile die Eintrittskarte in die Welt - nicht mehr das Auto.

Fahren ohne Autoführerschein ab 15

Auf dem Land ist der Führerschein allerdings nach wie vor wichtig, weil dort Bus und Bahn seltener fahren als in der Stadt. Gerade für junge Leute ist das ein Grund, sich nach alternativen Transportmöglichkeiten umzusehen. Verlockend sind sogenannte Leichtfahrzeuge, die bis zu 45 Stundenkilometer fahren und viele Vorteile versprechen.

Als Führerschein braucht es nur den Moped-Führerschein der Klasse AM, den man schon mit 15 Jahren erwerben kann. Mobilitätsexperte Knie sieht in solchen Modellen allerdings keinen großen Anreiz für die Generation Z, den Führerschein zu machen. "Von dieser Generation machen nur rund 50 Prozent den Führerschein, die ihn mit 18 machen könnten." Viele seien mit E-Scootern oder Fahrdiensten wie Uber unterwegs. "Und viele werden auch gefahren."

Unsere Quellen:

  • Statements von Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)
  • Statement von Caroline Rozynek von der Uni Frankfurt
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Bundesamt für Statistik
  • Homepages von Leichtfahrzeuganbietern

Über dieses Thema berichten wir im WDR am 16. Oktober 2025 auch im Fernsehen: Aktuelle Stunde, 18.45 Uhr.

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