Wenn im Kreis Coesfeld ein Rettungswagen mit Blaulicht ausrückt, dann wird er häufig zu keinem echten Notfall gerufen. In gut Zweidrittel aller Einsätze sei das so, sagt der DRK-Kreisverband. Der Rettungsdienst sei quasi Mädchen für alles. Und das macht Probleme.
"Es vergeht kaum ein Dienst, ohne dass man einen Einsatz hat, der sich letztlich nicht als Notfall herausstellt." Sven Nolte, Notfallsanitäter
Viele Retter sind durch unnötige Fehlfahrten gefrustet
Notfallsanitäter Sven Nolte aus Lüdinghausen ist seit Jahren im Rettungsdienst unterwegs. Er geht nach eigenen Angaben häufig gefrustet aus dem Dienst heraus: "Weil wir qualifiziert sind, Notfälle zu behandeln." Der 31-jährige erlebt zu viele Bagatelleinsätze.
Dabei noch über Funk zu hören, dass man woanders dringender benötigt worden wäre, das sei kein gutes Gefühl, sagt Sven Nolte. Sein Auftrag ist eigentlich, Menschen mit akuten und teils sogar lebensbedrohenden Erkrankungen oder Verletzungen zu helfen.
Vorschlag: Gemeinde-Notfallsanitäter
Der DRK-Kreisverband Coesfeld fordert die Einrichtung von Gemeinde-Notfallsanitätern. Diese könnten über die Leitstellen alarmiert und statt eines Rettungs- oder Notarztwagens bei bestimmten Einsätzen allein rausfahren und vor Ort klären, welche Hilfe tatsächlich notwendig ist.
Zwei von drei Rettungsfahrten sind keine Notfälle schätzt das DRK Coesfeld.
Bei klaren Notfällen solle aber auch weiterhin ein Rettungswagen ausrücken. Der Gemeinde-Notfallsanitäter hingegen könnte kleinere Verletzungen versorgen und Menschen mit keinen akuten Erkrankungen an Haus- oder Fachärzte vermitteln. So würden sie auch nicht in den Notaufnahmen der Krankenhäuser landen. Die NRW-Landesregierung müsste den Weg für so ein neues Modell aber erst freimachen.
Hohe Kosten durch Fehleinsätze
Es geht auch um finanzielle Aspekte. Ein Rettungseinsatz mit Notarzt kostet im Kreis Coesfeld rund 2.000 Euro. Die Kosten für Fehlfahrten werden von Krankenkassen nicht immer übernommen. Auf solchen Kosten bleiben dann Kreis und Kommunen sitzen.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- DRK-Kreisverband Coesfeld