"Pour le plaisir" – für den Genuss, sagt Anne-Marie Chollet auf die Frage, worum es ihr heute geht. "Gewinnen, okay – aber dabei sein ist alles." Seit neun Jahren spielt sie Tischtennis. Eigentlich wollte sie heute auch noch im Boule antreten, aber der Zeitplan wird es nicht zulassen.
Gegen 9:30 Uhr füllt sich der Sportplatz. Es ist viel Gewusel, Menschen allen Alters sind da, mit und ohne Behinderung. Seit 1997 gibt es die Bethel Athletics, sie sind das größte inklusive Sportturnier in Norddeutschland. In neun Sportarten treten die Athletinnen und Athleten hier gegeneinander und vor allem miteinander an. Von Judo bis Reiten ist alles dabei.
Olympisches Feuer stimmt die Teilnehmenden ein
Die Eröffnungszeremonie erinnert an das olympische Vorbild: Fallschirmspringer bringen das olympische Feuer, es wird zeremoniell angezündet und dem Fackelträger übergeben. Begleitet von Tanz, Musik und einstimmenden Reden.
Das Team "Papillon Blanc Le Concarneau" ist zum ersten Mal mit dabei. Das Projekt haben die Deutsch-Französische Gesellschaft und das Partnerschaftskomitee Bielefeld-Senne – Concarneau möglich gemacht.
Die 15-köpfige Truppe ist vor drei Tagen aus dem kleinen Küstenstädtchen angereist. Sie alle haben kognitive Einschränkungen und wohnen zusammen in einer Wohngruppe. Neben den Bethel Athletics besuchen sie Behindertenwerkstätten, machen Ausflüge – zum Beispiel zur Sparrenburg – und lernen die Region kennen.
Miteinander Spaß haben und voneinander lernen
"Ich glaube, man kann hier sehen, was im Leben wirklich wichtig ist", sagt Astrid Bock. "Die Freude, füreinander da zu sein, anderen zu helfen."
Anne-Marie Chollet und rechts neben ihr Astrid Bock.
Astrid Bock ist heute zum ersten Mal als Betreuerin dabei. Seit zwei Jahren engagiert sie sich in der Deutsch-Französischen Gesellschaft – wegen ihrer Liebe zur französischen Sprache.
"Ich finde, dass die Franzosen hier einem super begegnen. Die schauen dich so vertrauensvoll an, und das öffnet einem das Herz. Das ist ein besonderes Erlebnis."
Anne-Marie Chollet ist konzentriert, aber gelassen. Sie wartet geduldig auf ihr erstes Spiel. Insgesamt sieben wird sie heute spielen. Die Luft in der Tischtennishalle ist warm und stickig, trotzdem bleibt die Stimmung gut.
Anne-Marie und Astrid reden viel. Obwohl sie sich heute zum ersten Mal sehen, wirkt das Zusammenspiel vertraut. "Man springt in irgendwas rein, dann ist man drin und dann guckt man, wie es war", erzählt Astrid Bock.
Jeder ist ein Gewinner
Die Medaillen hängen bereit.
Ihr erstes Spiel gewinnt sie souverän. Die beiden Sportlerinnen geben sich die Hand. Danach heißt es weiter warten auf das nächste.
Draußen laufen die Siegerehrungen fast den ganzen Tag. Jeder Sportler bekommt eine Medaille. Es geht nicht darum, andere zu schlagen, sondern miteinander Spaß an der Bewegung zu haben.
Unsere Quelle:
- WDR-Reporter vor Ort