Club aus Dinslaken feiert nostalgische DDR Dreiräder

03:18 Min. Verfügbar bis 15.06.2028

Nostalgie Club aus Dinslaken feiert kultige DDR-Dreiräder "Duo"

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Die Duos gab es in der ehemaligen DDR für Menschen mit Behinderung auf Rezept. Am Niederrhein haben sie heute noch treue Fans.

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Christian Zimmer

Nina und Markus fummeln an der Verkleidung ihres Duos rum. Schnell ist der Zylinder freigelegt. Markus checkt kurz die Zündkerze. Alles in Ordnung. Er schwingt sich auf die quer eingebaute Sitzbank, dreht den Zündschlüssel um und reist am Starterseil. Schon knattert der Zwei-Takter los. Der Motor klingt heiser und schrill. Markus lächelt und sagt, der Klang und vor allem der Duft habe es ihm angetan.

"Ich liebe diesen Geruch." Markus, Duo-Fahrer

Blauer Rauch verteilt sich in dem Dinslakener Hinterhof. Nina übernimmt die Beleuchtungskontrolle. Erst die Blinker, dann der Scheinwerfer. Sie gibt Handzeichen. "Als Beifahrer fühlt man sich ein wenig wie die Queen", fügt Nina schmunzelnd hinzu.

Die Teile gab es nur auf Krankenschein

Der Verein nennt sich "Die Kolbenfressen". Viele der Mitglieder fahren auch bekannte Ost-Mopeds, wie S50 oder Schwalbe. Der Hersteller Simson baute aber auch motorisierte Krankenrollstühle wie das Duo. "Die gab es damals nur für Menschen mit Behinderung. Man brauchte einen Krankenschein und bekam dann ein Duo zugeteilt", erklärt Markus.

Knatternde DDR Krankenrollstühle in Dinslaken

Christian und Markus in einer Duo

Bisher rollen drei Duos im Verein. Tine hat ein besonderes Exemplar aus der ersten Serie. Ihr Duo ist von 1968. Die Verkleidung ist in baby-blau lackiert, die Sitzbank frisch bezogen und auf die Kotflügel hat sie hunderte Sticker geklebt. Die Gefährte bieten viel Raum für Selbstverwirklichung. Kein Duo gleicht dem anderen. "Meine sollte schon Tippi-Toppi sein. Die von Markus ist nicht so. Aber das passt zu ihm", beide müssen lachen.

Stimmt, Markus Duo ist sein Alltagsfahrzeug. Und das sieht man ihr auch an. Der Lack ist ausgeblichen und hier und da zeugen Beulen von einer bewegten Vergangenheit. Markus ist jeden Tag damit unterwegs. Wenn es sein muss auch schon mal mit Grünschnitt zum Wertstoffhof in Dinslaken. Die Ersatzteilversorgung sei gut und der Verbrauch liege bei nur rund zwei Litern auf 100 Kilometern.

Rückwärtsgang Fehlanzeige

Heute geht es erstmal in die Innenstadt. Am Rande der Fußgängerzone wird eingeparkt. Das funktioniert aber nur mit Muskelkraft, denn die Duos besitzen keinen Rückwärtsgang. Nina schwingt sich von der Sitzbank und schiebt das rund 170 Kilogramm schwere Vehikel rückwärts auf seine Parkposition.

Das ist für die Männer vor dem nahegelegenen Kiosk natürlich ein Hingucker. Ein älterer Herr fragt, "die Dinger sind doch nicht von hier? Die sind doch aus dem Osten, entweder der ehemaligen DDR oder Polen". Er ist begeistert.

Das weckt Kindheitserinnerungen

Knatternde DDR Krankenrollstühle in Dinslaken

Zwei Duos in Dinslaken

Mit bis zu 60 Sachen geht es durch den dichten Verkehr Richtung Zeche Lohberg. West-Mopeds durften nur deutlich langsamer fahren. Tine zeigt Christian mit einem breiten Grinsen die Original DDR-Papiere. "Da kommen Heimatgefühle auf", sagt Christian. "Ich habe damals auf einem kleinen Dorf gelebt und schon mit 12 angefangen dort die Mopeds zu reparieren."

Für Christian versprühen die Duos pure Ost-Romantik. Die Teile sind zwar flott, die Technik simpel aber das Fahren durchaus anstrengend. Bis an die Nordsee sind sie so mit weiteren Clubmitgliedern gefahren, erklärt Tine. "Wir brauchen alle zwei bis drei Stunden eine Pause." Dann vibriere alles und die Füße kribbeln. Erst wenn du aussteigst, kommen Gefühle zurück in die tauben Gliedmaßen.

"Du fühlst dich dann ein wenig wie neugeboren." Tine, Duo Fahrerin

Tine hat ihre Duo liebevoll Onkel Walter getauft. "Der bleibt bei mir, den gebe ich nicht mehr her", sagt sie und knattert davon. Auch die anderen "Kolbenfressen" sehen das genauso.

Unsere Quellen:

  • Eindrücke und Gespräche des WDR-Reporter vor Ort
  • Mitglieder Verein "Die Kolbenfressen"

Sendung: WDR.de, Knatternde Rollstühle: Abgefahrene Ost-Mopeds am Niederrhein, 16.06.2026, 05:14 Uhr

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