Zeitreise ins XOX-Werk
04:02 Min.. Verfügbar bis 17.06.2028.
Der Wind streicht um das alte Backsteingebäude, ein loses Blech klappert. Wo heute Ateliers, Büroräume und Werkshallen liegen, war früher das Herz der Stadt. Die Keks-Fabrik XOX.
Mehr als 50.000 Quadratmeter Industriepark sind es heute, in dem rund 30 Unternehmen arbeiten, dazu Künstler, ein Theater und soziale Einrichtungen.
Vor dem großen Gebäude mit dem XOX-Logo beginnt die Führung. Und plötzlich ist sie wieder da: die Vergangenheit. "Ich wollte die Geschichten von der Mutter meines Mannes weitererzählen", sagt Gästeführerin Hildgard Liebeton. Denn ihre Figur „Kätje Pauls aus Kessel“ hat es wirklich gegeben. Ihre 92-jährige Schwiegermutter in spe arbeitete selbst im Werk. "Wenn ich in diese Rolle gehe, fühle ich mich ihr ganz nah."
Hildegard Liebeton gibt eine Führung durch die alte Biskuitfabrik XOX im Kreis Kleve
Getreidekorn oder Sonne? Woher kommt der Name XOX
Der Name XOX wirkt bis heute rätselhaft. Offiziell leitet er sich vom Firmenlogo ab: zwei Windmühlenflügel und ein Getreidekorn in der Mitte. Doch in Kleve erzählt man sich auch eine andere Geschichte.
Dass der damalige niederländischer Chef einst die Sonne zwischen zwei Windmühlen sah und daraus die Buchstaben formte. Zwei "X" für die Flügel, ein "O" für die runde Sonne. Ein Bild, das bis heute zur Herkunft des Unternehmens passt.
Als der Duft von Keksen über der Stadt lag
Seit 1910 wurde in Kleve-Kellen gebacken, bald arbeiteten hier Hunderte, später tausende Menschen. Biskuits, Waffeln, Salzgebäck, Bonbon und Schokolade: in Spitzenzeiten entstanden Millionen Kilo Gebäck.
Während die Gruppe über das Gelände geht, entstehen Bilder im Kopf: weiß bestäubte Hände, klappernde Bleche, der süße Geruch von Vanille.
"Man hat schon am Bahnhof gerochen, dass hier Kekse gebacken werden, hat oft die Mutter meines Mannes gesagt." Hildegard Liebeton als Kätje Pauls
Arbeit, Alltag und ein bisschen Fürsorge
Und auch der Alltag wird greifbar. "Es gab Werksbusse aus dem ganzen Niederrhein und sogar aus den Niederlanden", sagt "Kätje". Kam ein Bus zu spät, musste aber das Bus-Unternehmen für die verspätete Ankunft zahlen. "Der Chef erwartete Pünktlichkeit und Disziplin. Er hat sich gekümmert, das war hier wichtig."
Dafür gab es kleine Freiheiten: Naschen war erlaubt. Keksbruchpakete für zu Hause ebenfalls. "Aber klauen? Das ging gar nicht", sagt sie. "Dann war sofort Schluss."
Gästeführerin Hildegard Lieberton als Kätje Pauls
Der letzte Tag und was geblieben ist
Dann der Bruch am 15. Juli 1977. Der letzte Produktionstag. Die Öfen werden abgeschaltet. Kein Duft mehr, kein Lärm. "Die Leute sind einfach rausgegangen und wussten: Das war’s", erzählt Liebeton leise. Auch "Kätje Pauls" steht in dieser Erinnerung mit am Tor. "Das war wie ein Abschied von einem ganzen Leben."
"Mein Vater war dabei", sagt eine Besucherin. "Er hat nie vergessen, wie still es plötzlich wurde." Ein anderer ergänzt: "Hier hat man nicht nur gearbeitet, hier hat man gelebt."
Keksdose der historischen Biskuitfabrik XOX im Kreis Kleve
Heute ist vieles anders
Wo früher Teig gemischt wurde, stehen heute Werkstätten und Büros. Wo Maschinen standen, arbeiten Menschen an neuen Ideen. Doch zwischen Backstein und langen Fluren bleibt etwas hängen. "Diese Führungen sind für mich Erinnerung", sagt Liebeton. "Und auch ein bisschen Verantwortung."
Am Ende ist es still. Kein Duft, kein Geräusch. Aber wer genau hinhört, kann ihn noch erahnen, den Klang der Maschinen. Und den Geruch von frischen Keksen, der einmal über ganz Kleve lag.
Unsere Quellen:
- Interview mit der Hildegard Liebeton, Gästeführerin im Kreis Kleve
- Interview mit den Teilnehmenden der XOX-Tour
- Eindrücke und Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Zeitreise ins XOX-Werk, 18.06.2026, 05:03 Uhr
