Das Fehlverhalten mehrerer Führungskräfte der Polizei in Mönchengladbach zieht immer weitere Kreise: Die Vorwürfe gegen die drei suspendierte Polizisten sind gravierender als zunächst angenommen.
Wie Herbert Reul (CDU) als NRW-Innenminister am Donnerstag im Innenausschuss berichtete, gehe es mittlerweile um sexuelle Übergriffe, gefährliche Körperverletzung, Bedrohungen, Beleidigungen und Strafvereitelung im Amt.
"Sollte sich das auch nur in Ansätzen als wahr herausstellen, dann bekommen die entsprechenden Beamten gehörige Probleme." NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)
Drei weitere Beamte melden sich mit neuen Vorwürfen
Nachdem die Ermittlungen Mitte April ins Rollen gekommen waren, hatten sich drei weitere Beamte und Beamtinnen gemeldet. In ihren Schreiben hätten sie wohl eine ganze Reihe von Vorfällen beschrieben, die bis zu zehn Jahre zurückliegen. Alles soll überwiegend innerhalb einer Dienstgruppe passiert sein. Diese sei inzwischen aufgelöst worden.
Zuvor war von grenzüberschreitendem Führungs- und Umgangsverhalten, Mobbing, sexualisierter Sprache und Fehlverhalten die Rede.
Die neuen Details waren am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags bekanntgegeben worden - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Beobachtern zufolge zeigten sich auch die Mitglieder des Ausschusses wegen der neuen Anschuldigungen tief bestürzt.
Immer mehr Beamte involviert
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)
Zudem wird nicht nur gegen drei Führungskräfte der Polizei Mönchengladbach ermittelt. Offenbar sollen noch sechs weitere Beamte in die Fälle verwickelt sein. Einige der Delikte sollen sich nach Angaben der Rheinischen Post auf internen Partys zugetragen haben. Es soll unter anderem unsittliche Berührungen und Einschüchterungen gegeben haben. Auch in Messenger-Diensten soll sich strafrechtlich Relevantes abgespielt haben.
Die drei Führungskräfte wurden nach Bekanntwerden der Vorwürfe laut Polizei vorläufig vom Dienst suspendiert. Weiter im Dienst sind die sechs Beamten, die ebenfalls beschuldigt sind.
NRW-Politik reagiert
Die innenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Christina Kampmann, forderte Ende April eine lückenlose Aufklärung der Vorkommnisse. "Entscheidend ist, dass Betroffene geschützt, Missstände benannt und Konsequenzen gezogen werden, damit sich derartige Vorgänge nicht wiederholen."
Reul hatte ebenfalls eine gründliche Aufklärung angekündigt. "Die Vorwürfe wiegen schwer und werden geprüft. (…) Wer sich daneben benimmt, muss Konsequenzen spüren."
Aus Neutralitätsgründen hat die Polizei Aachen die Ermittlungen übernommen. Da gegen mehrere Personen ermittelt wird und zahlreiche Zeugen gehört werden müssen, geht die zuständige Staatsanwaltschaft davon aus, dass frühestens in ein paar Monaten erste Ergebnisse vorliegen.
Unsere Quellen:
- dpa
- Polizei Mönchengladbach
- Rheinische Post
Sendung: WDR.de, Immer drastischere Vorwürfe gegen suspendierte Polizisten, 21.05.2026, 16.30 Uhr
Sendung: WDR 2, WDR Aktuell, 21.05.2026, 17.00 Uhr