Ein Ehepaar, Annika und Stefan Groß, umarmt sich innig. Sie sitzen draußen in dicker Winterkleidung bei einem Kaffee nebeneinander.

Annika und Stefan sind seit zehn Jahren ein paar

"Wir wollten keine Pflegebeziehung, sondern einfach Liebe"

Stand:

Was passiert, wenn man ein Paar nebeneinander setzt und mit ihnen eine Stunde über ihre Beziehung redet? Wir haben Annika und Stefan Groß aus Moers nach ihrem Kennenlernen gefragt, nach ihrem Alltag, nach schwierigen Zeiten und nach dem großen Glück: ein gemeinsames Kind, auf das sie so lange gewartet haben.

Von Sara Wendhack

"Wo Liebe ist, wird das Unmögliche möglich", sagt Annika Groß und lächelt dabei ihren Ehemann an. Stefan Groß stimmt strahlend zu: "Absolut." Der 39-Jährige ist seit einem schweren Unfall querschnittsgelähmt - und die 32-jährige Annika war seine Therapeutin. Nun sind die beiden seit fast zehn Jahren ein Paar, seit fünf Jahren verheiratet und erwarten ein Kind. Für die Serie "Herzenssache" sprechen Annika und Stefan mit uns über ihre Liebe.

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Kennenlernen: "Annika hat mich kennengelernt, wie ich bin"

Lokalzeit: Wie habt ihr euch kennengelernt?

Stefan Groß: In der Physiotherapie. Ich war Patient, Annika war Therapeutin. Ich hatte regelmäßige Termine, viermal die Woche, eine Stunde lang. Dass sich das dann irgendwann so entwickelt, das konnte man natürlich noch gar nicht sehen. Deswegen waren wir auch sehr ehrlich miteinander. So, wie man sich eigentlich kennenlernen sollte. Annika hat mich so kennengelernt, wie ich bin.

Annika Groß: Uns war auch von Anfang an wichtig, dass wir keine Pflegebeziehung führen. Sondern einfach eine ganz normale Liebesbeziehung.

Stefan: Irgendwie passte von Anfang an alles. Wir haben uns sehr, sehr gut verstanden, wir haben sehr, sehr gleiche Ansichten, teilen den gleichen Humor und können über alles offen reden.

Annika: Allerdings war ich zu dem Zeitpunkt noch in einer anderen Beziehung. Habe mit dem Mann sogar zusammengewohnt. Ich bin dann dort ausgezogen. Und dann habe ich Stefan geküsst.

Lokalzeit: Wie war denn der erste Kuss?

Stefan: Annika musste den ersten Schritt gehen, wortwörtlich. Erst hat sie versucht, mich zu sich hinzuziehen, das ging aber nicht. Weil ich mich nicht bewegen kann, konnte ich ihr nicht wirklich entgegenkommen. Also musste sie mir immer näher kommen.

Annika: Ja, in dem Moment, da musste ich den ersten Schritt machen. Es hat mich auch echt viel Überwindung gekostet. Ich bin eigentlich eher ein schüchterner Mensch.

Stefan: Das war wirklich ein magischer Moment. Da war so viel Elektrizität im Raum.

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Alltag: Planung und klare Kommunikation

Lokalzeit: Wie lebt ihr euren Alltag mit Behinderung?

Stefan: Ziemlich normal, würde ich sagen.

Annika: Klar, manchmal ist es etwas aufwendiger. Wir müssen Ausflüge oder Reisen genauer planen, aber das gehört dazu. Am Ende erleben wir dasselbe wie andere Paare auch, nur mit etwas mehr Organisation.

Stefan: Ich glaube, was uns ausmacht, ist, dass wir viel lachen. Und wir reden über alles. Wenn es mal hakt, wird das sofort angesprochen. Kommunikation ist alles. Das musste Annika erst lernen.

Annika: Ja, wenn man gleich drüber spricht, staut sich nichts an. Und dann bleibt auch der Alltag schön.

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Zwischen Hoffnung und Rückschlägen: Der harte Weg zum Kind

Lokalzeit: Ihr erwartet bald euer erstes Kind. Glückwunsch! Das war aber kein einfacher Weg, bedingt durch die Querschnittslähmung, oder?

Stefan: Ich hatte schon vor einiger Zeit Spermien einfrieren lassen. Dank moderner Fortpflanzungsmedizin und Techniken zur Spermiengewinnung hatten wir wirklich eine Chance, ein eigenes Kind zu bekommen. Durch meine Querschnittslähmung war es sehr kompliziert und hat am Ende fast fünf Jahre gedauert. Aber wir wollten es unbedingt versuchen. Und wir haben nie aufgegeben und waren uns gegenseitig eine Stütze bei den vielen Rückschritten.

In einem hellen Wohnzimmer sitzt ein Ehepaar, Annika und Stefan Groß, nebeneinander. Links im Stuhl sitzt Annika, eine schwangere braunhaarige Frau, rechts neben ihr im Rollstuhl sitzt Stefan, ein bärtiger Mann.

Nach fünf Jahren konnten sich Annika und Stefan endlich den Kinderwunsch erfüllen

Annika: Ich musste ständig Hormone spritzen, dann wurden mir befruchtete Eier eingesetzt, dann musste ich Tests machen, hoffen, dann ständig Enttäuschung. Manchmal stand ich einfach im Wohnzimmer und habe von jetzt auf gleich geweint. Das war schon heftig.

Stefan: Und wir wussten nie, wie oft können wir es noch versuchen. Durch meinen Zustand war auch nur sehr wenig Material vorhanden, weil die ständigen Infektionen der Blase durch den Katheter und die Temperaturveränderungen im Rollstuhl die Samenflüssigkeit beeinflussen.

Lokalzeit: Wie habt ihr es geschafft, trotz der Rückschläge nicht aufzugeben?

Annika: Es gab viele Momente, in denen ich dachte: Ich kann nicht mehr. Aber Stefan war immer da. Wir haben uns gegenseitig aufgefangen. Mit jedem neuen Versuch. In einer Klinik in Hamburg hat es dann endlich geklappt.

Stefan: Und jetzt werden wir Eltern. Ich kann es immer noch kaum glauben. Ich kann nicht alles körperlich machen, kann keine Windeln wechseln, aber ich bin immer da, mental, emotional, immer wach, wenn Annika wach ist. Das ist unsere Form von Gleichgewicht. Ob nachts, tagsüber, immer.

Annika: Ich freue mich schon darauf, der Kleinen alles zu zeigen. Ich glaube, es wird dann zwar alles noch anstrengender und chaotischer, aber ich glaube auch, dass unser Leben dann noch schöner wird.

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Kleine Gesten, große Liebe

Lokalzeit: Wie haltet ihr eure Liebe lebendig?

Annika: Es sind die Kleinigkeiten, an jedem einzelnen Tag. Ein "Ich liebe dich" und natürlich vor dem Zubettgehen einen Kuss. Immer. Und an erster Stelle stetige Wertschätzung. Ich möchte, dass Stefan das jeden Tag spürt.

Stefan: Ja, Rosen am Valentinstag sind für uns nicht der richtige Weg. Ich stelle lieber auch so mal spontan Blumen für Annika hin, beziehungsweise lasse sie für Annika als Überraschung hinstellen. Etwa von meiner Mama oder meinem Stiefvater.

Annika: Und Vertrauen. Das ist das Wichtigste. Ich weiß, dass ich mich auf Stefan immer zu hundert Prozent verlassen kann, in jeder Situation.

Über dieses Thema berichten wir voraussichtlich am 27.10. auch im WDR Fernsehen: Lokalzeit aus Duisburg, 19.30 Uhr.

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