Westfälisches Kulturgut: Das Roggenvollkornbrot Pumpernickel
Wie werden traditionelle Spezialitäten von der EU geschützt?
Westfälischer Pumpernickel, Stromberger Pflaume, Dortmunder Bier, Düsseldorfer Senf, rheinischer Flönz, Bornheimer Spargel und Aachener Printen: Diese traditionellen Produkte sind nicht nur besonders lecker, ihre Namen sind auch besonders geschützt. Und zwar wegen ihrer Herkunft, ihres überlieferten Rezepts und typischen Geschmacks.
Die Europäische Union (EU) führte 1992 den rechtlichen Schutz sowie die Förderung traditioneller und regionaler Lebensmittelerzeugnisse ein. Seitdem schützt das europäische Recht diese Produkte vor Missbrauch und Nachahmung. Ein entsprechendes EU-Siegel kennzeichnet die Spezialitäten. Dabei wird zwischen "geschützter Ursprungsbezeichnung" und "geschützter geografischer Angabe" unterschieden.
Was besagt das Siegel "geschützte Ursprungsbezeichnung"?
Die "geschützte Ursprungsbezeichnung" (g.U.) garantiert die Herkunft eines Produkts aus dem entsprechenden Gebiet. Das Produkt muss im festgelegten Gebiet nach bestimmten Kriterien hergestellt und verarbeitet werden. Anders ist das bei der "geschützten geografischen Angabe" (g.g.A.). Hier muss lediglich eine Produktionsstufe im genannten Gebiet stattfinden.
Westfälischer Pumpernickel
Der Pumpernickel zählt wohl zu den bekanntesten Spezialitäten Westfalens und ist überregional bekannt. Die Geschichte des dunklen Schwarzbrotes mit seiner süßlichen Note geht bis in das Jahr 1570 zurück. Damals wurde Deutschlands erste noch aktive Pumpernickelbäckerei in Soest gegründet. Das Brot soll den Bürgern als Notration bei Belagerungen gedient haben. Und auch heute ist es noch außerordentlich lange haltbar. Eingeschweißt bleibt es mehrere Monate, in Dosen sogar mehrere Jahre haltbar.
Wie der Westfälische Pumpernickel hergestellt wird
00:34 Min.. Verfügbar bis 28.07.2027.
Im Jahr 2014 erhielt der Westfälische Pumpernickel das EU-Siegel "geschützte geografische Angabe". Seitdem kennzeichnet das Gütesiegel die Einmaligkeit des Brots als anerkannte regionale Spezialität und garantiert ihm rechtlichen Schutz vor Missbrauch. Warum für zwei Bäckermeister aus Verl Pumpernickel mehr als nur Brot ist, zeigen wir hier.
Stromberger Pflaume
Die Stromberger Pflaume - ein europäisches Kulturgut. Seit etwa 1790 hat der Pflaumenanbau in Stromberg Tradition. Der Oelder Ortsteil Stromberg ist ideal, um die berühmte und einzigartige Sorte anzubauen. Die Klimaverhältnisse der westfälischen Bucht und der besondere Boden lassen die Steinfrucht hier besonders gut reifen.
So schön blüht die Stromberger Pflaume jedes Jahr im Frühling
00:19 Min.. Verfügbar bis 28.07.2027.
Kenner des Obsts schätzen den mildaromatischen Geschmack, das ausgewogene Süße-Säure-Verhältnis und den niedrigen Anteil an Bitterstoffen. Das qualifiziert die Stromberger Pflaume für den rohen Verzehr und zur Weiterverarbeitung. Nicht selten wird sie zu Mus verarbeitet, gedörrt, in Kuchen verbacken oder in Rum und Rotwein eingelegt. Die Hauptarbeit beginnt im August, wenn die Pflaumen geerntet werden. Heute stehen in etwa 15.000 Obstbäume in Stromberg, die zur Sorte Stromberger Pflaume zählen, und verschönern das münsterländische Landschaftsbild.
Dortmunder Bier
Kohle, Stahl und Bier: Das verbinden viele mit der Ruhrgebietsstadt Dortmund. Die Bierstadt und ihre Biere blicken auf eine lange Tradition zurück. Im 13. Jahrhundert zählt Dortmund als Mitglied der Hanse zu einer der wichtigsten Drehscheiben des internationalen Handels. Eines der Hauptgüter ist das Bier. Der Hopfensaft wird in der Stadtchronik Dortmunds im Jahr 1266 zum ersten Mal urkundlich erwähnt.
Im Dortmunder Brauereimuseum befinden sich historische Bierdeckel von Dortmunder Bieren
Zwischenzeitlich steht die Stadt sogar an Europas Spitze. Mit dem Dortmunder Export, einer eigenen, weniger herben Biersorte, erwirbt sich Dortmund den Ruf der Bierstadt Nummer eins. Das Dortmunder Bier ist bis heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, auch wenn die Anzahl der Brauereien und der Bierkonsum mit der Zeit massiv zurückgegangen sind.
Düsseldorfer Senf
Sowohl Dortmund als auch Düsseldorf eint die Leidenschaft für Bier. Im Rheinland gibt es allerdings noch weitere Köstlichkeiten, und zwar löffelweise. 300 Jahre Geschichte machen Düsseldorf zur Senfhauptstadt Deutschlands. In der Landeshauptstadt wird seit 1726 der sogenannte Düsseldorfer Mostert hergestellt. Für seinen außergewöhnlichen Geschmack sind insbesondere zwei Zutaten verantwortlich: das sehr kalk- und mineralhaltige Wasser des Rheins und der ebenfalls aus diesem Wasser hergestellte Düsseldorfer Branntweinessig.
Neben verschiedenen klassischen Senfsorten gibt es in Düsseldorf auch den Altbiersenf
Hauptzutat der Würzpaste sind die Samen der Senfpflanze. Sie wird hauptsächlich in Kanada und Osteuropa, aber auch in Deutschland angebaut. Um aus den gelben, braunen und schwarzen Pflanzenkörnern Mostert herzustellen, wird vorerst eine Maische produziert. Nach dem Quellen der Senfkörner wird die Mischung gemahlen. Dabei tritt das für die Schärfe verantwortliche Senföl aus. Die gelbliche Farbe stammt in der Regel vom Kurkuma. Senf selbst ist eigentlich gräulich-braun.
Flönz aus dem Rheinland
Zum Rheinland gehört auch die Blutwurst. Diese Delikatesse gibt es bereits seit Jahrhunderten, der Name "Flönz" taucht allerdings erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf. Seitdem ist die Wurstspezialität aus der Region nicht mehr wegzudenken. Typisch für die schwach geräucherte Blutwurst ist die Verwendung von frischem oder gefrorenem Schweinespeck. Konservierter Speck darf nicht verwendet werden. Deshalb ist die Flönz eine weiche und schnittfeste Blutwurstvariante, aber keine Dauerwurst.
Die Flönz kann kalt oder warm gegessen werden
Seit 2016 trägt die Flönz das EU-Gütesiegel "geschützte geografische Angabe". Folglich darf eine Blutwurst nur noch als Flönz bezeichnet werden, wenn sie in Köln, Düsseldorf und Umgebung hergestellt wird.
Bornheimer Spargel
Genauso wie den Senf und die Flönz schätzen die Rheinländer ihren Bornheimer Spargel. Das weiße Gold gehört bei vielen einfach auf den Tisch. Dabei geht der Ursprung des Spargels in Deutschland weit zurück. So sind es die Römer gewesen, die den Spargel ins Rheinland brachten. Auf dem fruchtbaren, sandigen Boden der Altrheinarme findet der Bornheimer Spargel heute beste Bedingungen. Und nur hier kann der unvergleichliche Geschmack heranwachsen.
Die Farbe der Spargelsorten hängt nur davon ab, wie das Gemüse angebaut wird
Es gibt unzählige Varianten, um weißen oder grünen Spargel zuzubereiten: als Suppe, auf dem Pfannkuchen, im Salat, vom Grill oder einfach gekocht. Die Stangen sind in NRW ein echtes Traditionsgemüse. Pro Kopf essen die Deutschen laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung rund 1,4 Kilogramm Spargel im Jahr. Doch wann kann man ihn eigentlich essen? Wie wird er geerntet und welche Unterschiede gibt es? Hier gibt es die wichtigsten Fragen und Antworten.
Aachener Printen
Aachen ist bekannt für seine vielfältigen Delikatessen aus der Region, die sowohl Einheimischen als auch Besuchern sehr gut schmecken. Zu den beliebtesten Spezialitäten zählen definitiv der Aachener Printen, eine traditionelle Lebkuchenspezialität. Aachener Printen wurden als erste regionale Spezialität Nordrhein-Westfalens im Januar 1997 von der EU mit dem Gütesiegel g.g.A. registriert.
So werden Aachener Printen hergestellt
00:21 Min.. Verfügbar bis 28.07.2027.
Daneben bietet die Region um Aachen auch viele weitere Delikatessen. Dazu zählen verschiedene Käsesorten und regionale Wurstspezialitäten wie die Aachener Weihnachtsleberwurst und die Aachener Puttes. Auch die letzteren beiden sind mit einem EU-Siegel geschützt.
