Große Nachfrage nach privaten Bunkern
Aktuelle Stunde . 23.09.2025. 24:39 Min.. UT. Verfügbar bis 23.09.2027. WDR. Von Alexander Klein.
Deutsche Hersteller von Sicherheitsbunkern verzeichnen seit Jahresbeginn eine steigende Nachfrage von Privatpersonen und Firmen. Bei der Firma BSSD Defence in Berlin beispielsweise, die sich auf den Bau von Bunkern und Schutzräume spezialisiert hat, ist seit Januar die Zahl der Anfragen um 50 Prozent gestiegen, sagte der Technische Leiter Mario Piejde, am Montag der "Bild"-Zeitung.
Auch Vermieter erkundigten sich nach Schutzräumen für ihre Mieter. Vor allem seit dem Eindringen russischer Drohnen in den polnischen Luftraum gebe es viele Anfragen, sagte Piejde.
Erhöhte Nachfrage nach Schutzräumen
Dirk Rutenhofer von der Weckbacher Sicherheitssysteme GmbH
Auch andere Anbieter von Sicherheitssystemen, bei denen der WDR am Dienstag stichprobenartig nachgefragt hat, bestätigten eine erhöhte Nachfrage nach Beratungsterminen, darunter Dirk Rutenhofer von der Weckbacher Sicherheitssysteme GmbH aus Dortmund.
"Wir spüren, dass sich das subjektive Sicherheitsgefühl von Menschen deutlich verändert hat. Insofern kriegen wie viele Anfragen - auch verbunden mit der Frage: Kann ich überhaupt was machen und wenn ja, was."
Ein Grund: Die Bedrohungslage in Europa hat sich seit dem Ukraine-Krieg deutlich verändert. Ein russischer Angriff auf NATO-Staaten scheint nicht mehr ausgeschlossen. Doch es gibt kaum noch öffentliche Schutzräume oder Bunker.
Nur noch wenige Bunker in NRW
Laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn sind es derzeit noch 579 für 478.000 Menschen. 48 davon sind in NRW, sie bieten Platz für gerade mal etwa mehr als 66.000 Menschen. Was sie alle eint: Sie sind kaum mehr funktions- und einsatzfähig.
Das BBK arbeitet zwar an einem sogenannten Bunker-Schutzplan für Deutschland, um wieder neue Schutzräume zu erschließen. Darauf wollen sich viele aber offenbar nicht verlassen - und nehmen ihre Sicherheit in die eigene Hand.
Der Discounter Norma ist darauf angesprungen und bietet online einen sogenannten "Popup Panicroom" an. Kosten: zwischen 12.000 und 25.000 Euro - je nach Ausführung. Er hält zwar keine Luftschläge, aber Maschinengewehr-Salven aus, sagt der Hersteller.
Professor kritisiert Nachfrage nach "Bunkern"
Norbert Gebbeken ist Professor für Baustatik und Zivilschutz-Experte an der Universität der Bundeswehr in München und hat das Schutzraumkonzept für das BKK miterarbeitet. Er hält davon nicht so viel, dass sich jetzt jeder einen eigenen "Bunker" baut.
Denn: Im Ernstfall seien vor allem Angriffe auf verteidigungsrelevante Anlagen, Regierungs- und Verwaltungsgebäude oder die kritische Infrastruktur denkbar - nicht vorrangig auf zivile Ziele.
Und: "Die Erfahrung, die wir vor allen Dingen aus der Ukraine machen, ist, dass wir uns im Grunde vor Direkttreffern der heutigen Waffen nicht schützen können, weil wir dann davon ausgehen müssen, dass die üblichen Gebäude einstürzen."
Größte Gefahr: Trümmer durch Explosionen
Die größere Gefahr gehe von sogenannten Sekundärgefahren aus. "Das sind Glassplitter, das sind Fenstertrümmer, das sind Türtrümmer, das sind Trümmer, die infolge einer Explosion durch die Gegend fliegen." Das mache etwa 80 Prozent der Gefährdung aus. Davor könne sich aber jeder bereits jetzt schon schützen. Denn:
Die Bausubstanz in Deutschland ist flächendeckend so gut, dass Keller und innenliegende Räume bereits einen guten Schutz vor herumfliegenden Trümmerteilen und Druckwellen bieten. Dafür braucht es keine extra gebauten Schutzräume. Norbert Gebbeken
Auch U-Bahn-Tunnel und Tiefgaragen, das zeige die Erfahrung aus der Ukraine, seien sehr gute Anlaufpunkte bei einem Alarm.
Bundesamt rät, Vorräte aufzubauen
Zudem rät Gebbeken, sich zu Hause Vorräte aufzubauen, so wie es das Bundesamt für den Bevölkerungsschutz im nachfolgenden Link empfiehlt:
Viele Menschen sind verunsichert und wünschen sich mehr Schutzbunker.
Aktuell sei eine Menge Panik unterwegs. "Es ist wichtig, dass man das anspricht, aber nicht überdramatisiert", sagt Gebbeken. Sollte Deutschland tatsächlich flächendeckend für die ganze Bevölkerung eine neue Schutzinfrastruktur aufbauen wollen - vor allem mit Bunkern nach dem All-Gefahren-Ansatz - "bräuchten wir dafür ein Sondervermögen von 1 Billion Euro. Das wäre ein Programm für die nächsten 20 Jahren".
"Utopische Diskussion" über Bunker
Gebbeken hält das aber in Zeiten, in denen es ohnehin an bezahlbarem Wohnraum mangele, für eine utopische Diskussion. Um so mehr steigt aber offenbar das Schutzbedürfnis in den eigenen vier Wänden. Die Zeitenwende: Sie scheint auch in unseren Eigenheimen angekommen zu sein.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Norbert Gebbeken
- WDR-Interview mit Dirk Rutenhofer
- Bericht im ARD-Magazin "Brisant"
- Nachrichtenagenturen dpa und KNA
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
- Stichprobenartige Nachfrage bei sechs Anbietern für Sicherheitssysteme