Der Feuerwehrmann Stephan Reimer findet die Ersthelfer-App "total genial".
Punkt 11 Uhr: Das Smartphone von Stephan Reimer leuchtet auf und vibriert. Der 42-Jährige ist registrierter und geschulter "Corhelper" im Kreis Coesfeld. Das heißt, dass er jederzeit per App alarmiert werden kann, wenn in seiner Nähe jemand in Lebensgefahr schwebt.
Per App kann Reimer Notfälle in seiner Nähe übernehmen
Heute ist es nur ein Probealarm von der Kreisbehörde. Seitdem die Ersthelfer-App hier in Betrieb genommen wurde, ist er schon zwei Mal darüber Mitmenschen zur Hilfe geeilt. "Ich finde das System total genial", sagt er auf der Leitstelle in Coesfeld. Hier arbeitet der gelernte Berufsfeuerwehrmann.
Erste Hilfe von Fachkräften statt von Laien
Bis November 2024 musste er aufgelöste Anruferinnen und Anrufer über den Notruf immer anleiten, wie sie lebensrettende Maßnahmen wie eine Herzdruckmassage beim Ehemann, bei der Tochter oder beim Passanten auf der Straße durchführen. "Da verliert man wertvolle Minuten", so Reimer.
Im Notfall zählt jede Minute
Jetzt kann er über die Leitstelle einfach an alle Ersthelferinnen und -helfer, die gerade im direkten Umkreis eines Notfalls sind, einen Alarm aufs Smartphone schicken, per GPS-Ortung. Das nehme enorm Druck in solchen Situationen.
Jeder Disponent ist erleichtert, wenn schon ein Corhelper da ist. Stefan Reimer, Feuerwehrmann Coesfeld
Deshalb hat sich Stephan Reimer direkt auch selbst beim Kreis Coesfeld gemeldet, als das System an den Start gegangen ist. Neben ihm sind 720 Menschen Corhelperin oder Corhelper. Das sind unter anderem Rettungssanitäter, Ärztinnen und Medizinische Fachangestellte.
Lebensrettende Hilfe per App inzwischen weit verbreitet
Deutschlandweit ist das Konzept der Ersthelfer-Apps inzwischen weit verbreitet. Der Kreis Kleve am Niederrhein gehörte 2017 zu einem der ersten Kreise, die ein solches System eingeführt haben. Im Münsterland sind drei der vier Kreise mittlerweile dabei: Coesfeld, Warendorf und Borken. Münster prüft derzeit, ob es hier künftig auch eine App geben soll.
Kein einheitliches System
Der einzige Haken, den Ersthelfer Stephan Reimer aktuell bei der Sache sieht: Die Landkreise und Städte arbeiten teilweise mit unterschiedlichen Anbietern zusammen. So könnte er, wenn er sich zum Beispiel im Kreis Kleve aufhält, nicht vor Ort alarmiert werden. Das System dort kennt ihn nicht.
Wenn sich der 42-Jährige etwas wünschen dürfte, würde es in Deutschland nur ein einziges System für alle geben, "damit ich egal, wo ich mich befinde, alarmiert werden kann." Nach dem erfolgreichen Probealarm widmet er sich wieder seiner Arbeit: Notrufe annehmen und die nächsten Lebensretter benachrichtigen.
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung Kreis Coesfeld
- Gespräch mit Stephan Reimer
- Gespräch mit Tobias König, Pressesprecher des Kreises Coesfeld
- Telefonate mit den Kreisen Warendorf, Borken und Steinfurt
- Mail der Stadt Münster
- Engagement-Portal des Landes Nordrhein-Westfalen
- WDR-Recherchen
Sendung: WDR 2 Münsterland, Lokalzeit, 11.05.2026, 15:31 Uhr
Sendung: WDR.de, Schneller als der Rettungswagen: Ersthelfer-App wird im Kreis Coesfeld getestet, 11.5.2026, 10:55 Uhr
