Mit Spannung warteten im Ratssaal Politiker und Bürger auf Neuigkeiten in Sachen Castor-Transporte. Geladen war unter anderem die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklear-Anlagen, JEN. Sie sagte, sie erwarte nun im Sommer die Genehmigung für den Transport der 152 Behälter mit hochradioaktivem Müll nach Ahaus.
Es ist kein Geheimnis, dass wir als Stadt Ahaus die Transporte nicht haben möchten. Karola Voß (parteilos), Bürgermeisterin der Stadt Ahaus
Bürgermeisterin in Ahaus: Karola Voß
Parallel plant die JEN weiterhin den Bau eines Zwischenlagers für den Fall, dass die Transporte nach Ahaus doch nicht stattfinden dürfen. Diese Lösung fordern auch die Stadt Ahaus sowie diverse Anti-Atom-Initiativen. Hochradioaktiver Müll solle am bisherigen Standort bleiben, bis der Bund ein Endlager geschaffen hat.
Protestwelle gegen Castor-Transport geht weiter
Einen "Castor-Aktionstag" hatten verschiedene Anti-Atom-Initiativen vor der offiziellen Bürgerinfo organisiert. Mit einer Mahnwache und einer Kundgebung wollten sie nochmal auf spezielle Risiken der geplanten Transporte von 152 Castorbehältern per Lkw aufmerksam machen.
Ob die Brennelemente wirklich auf die Straße dürfen, darüber befindet das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung, kurz BASE. Hier prüfe man unter anderem noch Stellungnahmen, heißt es auf Anfrage. Nach einer Genehmigung würde die Polizei gut acht Wochen benötigen, sich auf den Großeinsatz vorzubereiten.
Räumung binnen kurzer Zeit möglich
Kommt es zu den Transporten nach Ahaus, könne man die schon vor Jahren angeordnete Räumung in Jülich innerhalb von zwei Jahren abschließen, sagten Vertreter der JEN. Bei Neubau eines Zwischenlagers hingegen werde man das wohl nicht vor 2035 schaffen. Im Brennelemente-Zwischenlager Ahaus lagern bereits rund 330 Castor-Behälter.
Stadt Ahaus behält sich Klage vor
Möglicherweise wird die Stadt Ahaus versuchen, eine Transport-Genehmigung gerichtlich anzugreifen. Darüber will die Kommune entscheiden, wenn die Erlaubnis des Bundes vorliegt. Allerdings ist die Stadt vor dem Oberverwaltungsgericht Münster bereits mit einer anderen Klage gescheitert. In diesem Fall ging es um die Genehmigung speziell zur Einlagerung des Atommülls im Zwischenlager Ahaus.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Stadt Ahaus
- BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung
- Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklear-Anlagen