Urteil im Prozess um Raserunfall | WDR Aktuell

WDR 04:10 Min. Verfügbar bis 22.04.2028

Urteil zu Raserunfall auf A555 Was tun gegen illegale Rennen in NRW?

Stand:

Das Kölner Landgericht hat im Fall des tödlichen Raserunfalls auf der A555 bei Wesseling die zwei Ex-Jugendspieler vom 1. FC Köln zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. In NRW hat die Zahl illegaler Autorennen einen Höchststand erreicht - und auch die Todesfälle durch sie. Wie kann man gegen solche illegalen Rennen vorgehen?

Beide Angeklagte wurden nach Jugendstrafrecht verurteilt. Der eine zu fünf Jahren Haft, der andere zu vier Jahren und sechs Monaten. Die Strafen gehen deutlich über die Forderungen der Staatsanwaltschaft hinaus. Die Staatsanwaltschaft hatte für die beiden Angeklagten Jugendstrafen von drei Jahren beziehungsweise zwei Jahren und acht Monaten gefordert.

"Wir haben überhaupt keinen Zweifel daran, dass Sie damals ein Rennen gefahren sind", sagte der Vorsitzende Richter zu den beiden heute 22 Jahre alten Angeklagten. Dies sei kein tragischer Unfall gewesen, hier seien zwei Menschen einem Verbrechen zum Opfer gefallen. "Das kann man sich nicht irgendwie schönreden", so der Richter. 

Urteil im Prozess um Raserunfall

WDR 22.04.2026 00:21 Min. Verfügbar bis 21.04.2028 WDR Online

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Verbotene Autorennen: Höchststand bei Todesfällen in NRW

Im vergangenen Jahr hat die Polizei in Nordrhein-Westfalen knapp 2.400 verbotene Autorennen erfasst. Wie das NRW-Innenministerium im März mitteilte, handelt es sich dabei um den höchsten Stand seit Beginn der Statistik. In mehr als 660 Fällen kam es wegen solcher Rennen zu Unfällen.

19 Menschen sind im vergangenen Jahr nach verbotenen Rennen ums Leben gekommen. Das sind laut Ministerium so viele wie noch nie seit im Jahr 2017 ein Straftatbestand für illegale Autorennen eingeführt wurde.

Wer unsere Straßen zur Rennstrecke macht, begeht keine Ordnungswidrigkeit. Er begeht eine Straftat. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)

Die Polizei schöpft laut NRW-Innenministerium alle Möglichkeiten aus, um die Taten nachzuweisen und hat die Ermittlungsarbeit intensiviert. Unfälle werden demnach von Spezialisten analysiert. Außerdem würden Fahrzeugdaten aus Blackbox, Multimediasystem und Handy ausgelesen.

Wer fährt illegale Autorennen?

Jörg Brackmann, der stellvertretende Landesvorsitzende Gewerkschaft der Polizei NRW

Jörg Brackmann

Bei den Tätern handelt es sich fast ausschließlich um junge Männer, erklärt Jörg Brackmann, stellvertretender Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei - NRW. Nicht selten gebe es auch Überschneidungen mit der Tuningszene. Wobei man klar sagen müsse: "Nicht jeder der sein Auto aufplustert, ist gleichzeitig auch ein Raser."

"Es sind fast ausschließlich Männer, junge Männer - von 17 bis Mitte 20. Sie sind risikoaffin, suchen den Kick." Jörg Brackmann, stellvertretender Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei – NRW

Was kann gegen illegale Autorennen unternommen werden?

Illegale Autorennen sind längst kein Kavaliersdelikt mehr. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) begrüßt ausdrücklich, dass sie heute als Straftat gelten. Nach Einschätzung des DVR werden Täter, die bereits verurteilt wurden, meist nicht erneut auffällig. Allerdings ist es oft schwierig, illegale Rennen juristisch nachzuweisen, da das Motiv der Fahrer eindeutig belegt werden muss.

Fahrzeuge beschlagnahmen und einziehen

Ein wichtiger Schritt im Kampf gegen diese gefährliche Praxis ist die Möglichkeit, Fahrzeuge zu beschlagnahmen und einzuziehen. Der DVR unterstützt deshalb auch einen Gesetzesantrag des Landes Berlin, der die Einziehung von Autos erleichtern soll - selbst dann, wenn es sich um Mietwagen handelt.

"Wer für den eigenen Adrenalinkick oder aus Profitgier das Leben unbeteiligter Menschen aufs Spiel setzt, dem scheint nichts heilig zu sein - außer seinem Auto." Manfred Wirsch, DVR-Präsident

Auch Brackmann erklärt: "Besonders schmerzhaft ist es, wenn das Fahrzeug eingezogen wird". Diese rechtliche Möglichkeit werde auch bereits von Polizeibehörden genutzt. Allerdings sei das sehr aufwendig, denn dafür müsse man nachweisen, dass es sich um ein illegales Rennen gehandelt hat. "Oft gelingt das nur nach einem Unfall – meistens einem schweren Unfall. Aber gerade die wollen wir ja verhindern", sagt Brackmann.

PS-Beschränkung für Fahranfänger - sinnvoll, oder nicht?

Da an illegalen Autorennen fast nur junge Männer beteiligt sind, gebe es auch schon lange eine Diskussion darüber, ob eine PS-Beschränkung für Fahranfänger sinnvoll wäre, erklärt der DVR. Dieser PS-Beschränkung stehe man jedoch eher skeptisch gegenüber. Aus verschiedenen Gründen:

Zum Teil besäßen die Täter nicht einmal eine Fahrerlaubnis – in solchen Fällen würde dann auch eine PS-Beschränkung nicht helfen. Die Fahrzeuge würden auch häufig weitergegeben. Eine ältere Person könne ihr Fahrzeug dann auch weiterhin an eine jüngere Person geben.

Außerdem würde eine solche PS-Beschränkung alle Personen treffen. Fahranfänger könnten dann zum Teil auch das Familienfahrzeug nicht mehr nutzen, wenn dieses hochmotorisiert sei.

"Die Polizei braucht dafür mehr Personal"

Die Kontrolldichte auf unseren Straßen und Autobahnen sei einfach zu gering, sagt Brackmann. Auch der DVR erklärt, dass eine gut ausgestattete Polizei das beste Mittel gegen illegale Autorennen sei.

Außerdem gebe es auch technische Möglichkeiten jenseits von festinstallierten Blitzern, erklärt Brackmann. Die GdP sei daher für den Einsatz von "Section Control". Dabei wird ein Fahrzeug auf einem Kontrollabschnitt erfasst und die Durchschnittsgeschwindigkeit berechnet. Hier bei uns in NRW fehle jedoch die Rechtsgrundlage dafür.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort
  • Nachrichtenagentur dpa
  • NRW-Innenministerium
  • Interview mit Jörg Brackmann, stellvertretender Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei – NRW
  • Interview mit DVR-Präsident Manfred Wirsch

Sendung: WDR2, Nachrichten, 22.04.2026, 12:30 Uhr.
Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell, 22.04.2026, 12:45 Uhr

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