Immer noch kein Mahnmal an Kölner Keupstraße
WDR. 03:21 Min.. Verfügbar bis 19.05.2028.
Im Jahr 2004 hatte die rechtsterroristische Gruppe NSU die Nagelbombe gezündet. Dabei wurden 22 Menschen zum Teil schwer verletzt. Dass es bis heute keinen Ort der Erinnerung gibt, sei nicht hinnehmbar, sagt Rujin Tunc. Sie ist die Sprecherin der IG Keupstraße und vertritt die Anwohner und Händler der Straße.
An der Stelle, an der das Mahnmal entstehen soll, haben Anwohner und Aktivisten ein Plakat mit der Aufschrift: "Wo bleibt das Mahnmal?" aufgehängt.
Detonation hat traumatisiert
Baran Tunc, der Mann von Rujin Tunc, hat den Nagelbombenanschlag als 13-Jähriger miterlebt. Er war damals nur 100 Meter vom Anschlagsort entfernt. Die Detonation ist ein Moment, der ihn traumatisiert hat. Bis heute erschreckt ihn jeder laute Knall zutiefst.
Anwohner Baran Tunc
Auch er wünscht sich seit Langem ein Mahnmal, einen Ort der Erinnerung. Er und viele andere meinen, dass die Stadt alles dafür tun müsse, damit der Bau des Mahnmals endlich losgehe.
Baubeginn frühestens 2030
Die Stadt sagt allerdings, dass sie da nicht viel machen könne. Zwar ist sie bereits im Besitz des Geländes, auf dem das Mahnmal entstehen soll. Der Besitzer des angrenzenden Grundstücks, eine Investoren-Gruppe aus Düsseldorf, wolle aber neu bauen.
Dafür müsse er das bestehende Gebäude erst abreißen lassen. Für den Neubau benötigt er den geplanten Standort des Mahnmals als Baustelleneinrichtung. Das heißt, erst wenn das alte Gebäude abgerissen ist und der Neubau steht, kann das Mahnmal gebaut werden.
Im Gespräch mit dem WDR erklärte der Projektentwickler, dass sich wegen der schlechten Lage auf dem Immobilienmarkt kein Nutzer für die geplanten Gebäude gefunden habe. Nun sei man erneut in Verhandlungen. Angesichts der 33 Monate dauernden Bauarbeiten stehe das Gelände für das Mahnmal frühestens im Jahr 2030 zur Verfügung.
Stadt soll Druck auf Investor machen
Diese Aussage empört Rujin Tunc, Sprecherin der Interessengemeinschaft Keupstraße. "Man musste erstmal dafür kämpfen, dass man als Betroffener nicht involviert war in den Anschlag. Und jetzt soll man auch noch für ein Mahnmal kämpfen? Das ist nicht verständlich."
Auch der Künstler Ulf Aminde bezeichnet die lange Wartezeit als "Skandal". Er hatte bereits 2016 den Wettbewerb zur Gestaltung des Mahnmals mit dem Entwurf einer Multimedia-Wand gewonnen. Darauf können Passanten ihre Gedanken zum Nagelbombenanschlag hinterlassen. Die Stadt müsse alles dafür tun, damit der Standort früher frei werde.
Unsere Quellen:
- IG Keupstrasse
- Gruppe "Mahnmal für alle"
- Stadt Köln
- Gentes-Gruppe
Sendung: WDR.de, Mahnmal zum Kölner Nagelbombenanschlag frühestens 2030, 19.05.2026, 6:11 Uhr