Diskussionen um das geplante Suchthilfezentrum

WDR 03:20 Min. Verfügbar bis 05.05.2028

Kölner Drogenszene Streit um erstes Suchthilfezentrum der Stadt - was denkt ihr darüber?

Stand:

Die Planungen für das erste Kölner Suchthilfezentrum werden konkreter. Viele Anwohner schlagen Alarm. Und viele Fragen sind offen. Gibt es eine Lösung im heftigen Streit? Wir wollen eure Meinung hören und diskutieren im WDR Lokalzeit Stadtgespräch darüber.

Von Markus Schmitz

Wir wollen deine Meinung hören!

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Im Januar 2026 wirkte der Kölner Sozialdezernent noch optimistisch. Auf einer Infoveranstaltung sagte Harald Rau, dass das Suchthilfezentrum in einem Jahr stehen werde. Mittlerweile ist von einer möglichen Eröffnung ab April 2027 die Rede, der nötige Baubeschluss sollte eigentlich schon erteilt sein. Die Abstimmung ist nun für den 12. Mai vorgesehen.

Klage gegen Suchthilfezentrum angekündigt

An vielen Plätzen in Köln ist die Drogenszene mit dem verbundenen Elend deutlich zu sehen. "Am Neumarkt liegen die Leute auf der Straße, hier wird hin uriniert, gekotet, direkt Crack geraucht und Heroin gespritzt - es ist eine No Go Area,“ sagt Daniel Niklas, der am Kölner Neumarkt ein Sanitätshaus führt. Das erste Suchthilfezentrum am Perlengraben soll laut Stadt ein Schritt gegen diese Entwicklung sein.

Claudia Hardenacke trägt eine schwarze Brille, hat kurze blonde Haare und wir mit einem Mikrofon interviewt.

Schulleiterin Claudia Hardenacke ist besorgt über die Pläne

Viele Anwohner sind in Sorge. Einige haben sich zur IG Pantaleonsviertel zusammengeschlossen, veranstalten Anwohnerversammlungen und Demonstrationen. Die IG fürchtet eine Überforderung ihres Viertels, weil die suchtkranken Menschen durch die Straßen laufen müssen, um das Hilfezentrum zu erreichen. Ausgerechnet dort, wo viele Schulen beheimatet sind.

"Wie soll verhindert werden, dass Menschen im Drogenrausch in der Schule rumlaufen, sich auf den Toiletten aufhalten - allein, weil es dort warm ist?" Claudia Hardenacke, Direktorin Berufskolleg Humboldtstraße

Die IG Pantaleonsviertel zeigt sich kämpferisch. Auf ihrer jüngsten Versammlung Ende April hat die IG angekündigt, nach der Abstimmung zum Baubeschluss zu klagen. Dafür sei genügend Geld vorhanden.

Initiative Pro Standort: "Irreführende Debatte"

Eine junge Frau mit einer Brille wird mit einem Mikrofon interviewt.

Eva Grommes von "Südi bleibt solidarisch" sieht Chancen

Parallel arbeitet die Initiative "Südi bleibt solidarisch", die sich im Prinzip für das Zentrum ausspricht. Dabei gehe es nicht um die Durchsetzung des Standorts Perlengraben, sondern um die zeitnahe Schaffung eines wirksamen Suchthilfeangebots in städtischer Lage.

"Das Zentrum wird 24/7 geöffnet sein, Menschen wird dort mit verschiedenen Angeboten geholfen und das Ganze wird von der Straße ins Zentrum verlagert.“ Eva Grommes, "Südi bleibt solidarisch"

Gleichzeitig kritisiert die Initiative einige Argumente der IG Pantaleonsviertel. Behauptungen wie, dass das "Zürcher Modell", auf das sich auch Köln stützt, unter der zunehmenden Verbreitung von Crack nicht mehr funktioniere, würden das Bild verzerren. Tatsächlich gelte das Zürcher Modell international als wirksam, so "Südi bleibt solidarisch".

Bau und Betrieb kosten Millionen

Nach Informationen der Stadt soll der jährliche Betrieb des ersten Suchthilfezentrums am Perlengraben 9,5 Millionen Euro und der Bau 8,7 Millionen Euro kosten. Prinzipiell muss das aus Steuermitteln gezahlt werden. Die Stadt prüft derzeit die Beteiligung von Unternehmen und privaten Institutionen am Hilfszentrum.

Sollten Suchthilfezentren in der Stadt gebaut werden oder außerhalb? Sagt uns eure Meinung!

Was denkt ihr? Kann ein Suchthilfezentrum entlasten, ohne das Wohnviertel zu belasten? Was kann ein Zentrum leisten, wo liegen seine Grenzen? Schreibt uns eure Meinung – direkt in die Kommentare auf wdr.de oder per Mail an stadtgespraech@wdr.de! Über das Dilemma sprechen wir auch beim WDR Lokalzeit Stadtgespräch am Donnerstag, 20 Uhr in der Aula des Berufskollegs am Perlengraben in Köln und live bei WDR 5. Eure Kommentare und Fragen nehmen wir mit in die Diskussion mit unseren Gästen.

Unsere Quellen:

  • Presseamt der Stadt Köln
  • IG Pantaleonsviertel
  • Südi bleibt solidarisch

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Köln, 05.05.2026, 19:30 Uhr

Kommentare zum Thema

33 Kommentare

  • 33 Marc 09.05.2026, 14:16 Uhr

    Es fängt damit an, dass der Bundestag die Cannabis-Legalisierung beschlossen hat. Das Problem der Drogenabhängigkeit wird dadurch in verantwortungsloser Weise verharmlost. Wir benötigen in unserer Gesellschaft zunächst einmal das klare Bewusstsein, dass Drogen strafrechtlich verboten sind - drogenabhängigen kranken Menschen aber geholfen wird. Auf dieser Basis muss ein sachkundiges Konzept erarbeitet werden. Die Stadt will im Perlengraben einen nicht durchdachten dilettantischen Schnellschuss der Verwaltung umsetzen. Das Züricher Modell wird nur stark fragmentiert umgesetzt. Zudem ist unklar, ob ein solches Modell im Bereich neuer Drogen wie Crack und Fentanyl funktioniert. Der Konsumraum ist nicht auf kölner Abhängige beschränkt und wird daher zu Drogentourismus aus anderen Städten führen. Das Projekt ist absolut unterfinanziert. Das vorstehende sind nur einige Beispiele für den Dilettantismus der Stadt Köln und ihres Sozialdezernenten. Es wird ein neuer durchdachter Ansatz benötigt.

  • 32 Tanja 07.05.2026, 12:06 Uhr

    Bei mir entsteht der Eindruck, dass es die Stadt Köln mit der Suchthilfe nicht ernst meint. Ein baurechtlich und finanziell schwieriges Konzept wird plötzlich aus dem Hut gezaubert und als alternativlos dargestellt, nur um nicht untätig zu wirken. Derweil entstehen in der Stadt ständig neue Hot-Spots, gegen die scheinbar keiner etwas tun kann. Ein kleiner, für stark abhängige Menschen zu weit von der Innenstadt entfernter Standort wird nicht auffangen, was man jahrelang versäumt hat. Egal, wie schön man ihn auf dem Papier darstellt. Warum wurde nicht schon längst die Öffnungszeiten der Lungengasse auf 24/7 ausgedehnt, der fertige Konsumraum in Kalk geöffnet und die stillgelegte mobile Drogenhilfe wieder aktiviert? Mit diesen Erfahrungen hätte man deutlich besser in die Standortwahl gehen und ein nachhaltiges Konzept erstellen können, dass den Bedürfnissen der Anwohnenden und Süchtigen gleichermaßen gerecht wird.

  • 31 Maja 07.05.2026, 08:17 Uhr

    Ich bin froh, dass sich die IG Pantaleonsviertel e.V. gegründet hat. So viel Kompetenz und Engagement und so viel gute Argumente. Hoffentlich werden diese auch von dem Rat und der Stadtverwaltung erhört, damit Köln vor einen sinnlosen Geldausgabe geschützt wird.

  • 30 Alessandro 06.05.2026, 15:20 Uhr

    Ich finde man sollte sich auch mal die Frage stellen warum es so einfach ist an die Drogen ran zu kommen ? Wenn ich mit der Linie 1 am neumarkt ankomme und dort 30 Sekunden stehe habe ich schon mehrere dealer gesichtet und Drogen übergaben gesehen wie kann es sein das die Polizei das nicht stoppen kann ? Ist es gewollt ? Ein crack Konsum Raum dürfte garnicht erst entstehen weil es würde gegen das nicht Raucherschutz gesetzt verstoßen. Bekämpft die Drogen anstatt sie zu fördern mit Komsum/Aufenthaltsräumen !

    Antworten (1)
    • Anny 06.05.2026, 22:22 Uhr

      Hi Allessandro, eigentlich hast Du natürlich Recht, dass man die die Drogen selbst eindämmen müsste und die Beschaffung erschweren sollte. Das ist aber leider nicht so einfach, wie man vielleicht denkt. Durch das Internet und Darknet sind Alle Drogenarten quasie rund um die Uhr schnell verfügbar. In einigen Ländern geht man deshalb einen Anderen Weg. Da Sucht eine Erkrankung ist, werden Konsumenten und der Besitz für Eigenbedarf nicht bestraft, Süchtige müssen aber eine Beratung in Anspruch nehmen (und ein Suchtprogramm mitmachen), Drogenhandel ist dort aber auch verboten und wird bestraft. Es gibt eine Suchtklinik, wo Betroffene Ihre Haustiere (Katzen und Hunde) mitnehmen dürfen (mit klaren Regeln natürlich). Die Motivation für die Therapie ist dann deutlich höher: https://www.ardmediathek.de/video/die-nordreportage/tierische-helfer-mit-hunden-in-der-suchtklinik/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS8xMzE4XzIwMjQtMDUtMDgtMTgtMTU Das finde ich auch sehr gut.... Drogen...ein schwieriges Thema..

  • 29 Kerstin 06.05.2026, 15:17 Uhr

    Ein Problem der Süchtigen wird lediglich an einen anderen Ort verlagert. Das Zürcher Vier-Säulen-Modell ist komplex. Die Stadt Köln schafft es ja nicht einmal , die Gesundheitsversorgung der Obdachlosen/ Süchtigen sicher zu stellen.

  • 28 Julia 06.05.2026, 14:58 Uhr

    Ich bin sehr für das Suchtzentrum und sehe die Verhetzung des Themas mit Sorge. Hilfe muss dort angeboten werden, wo die Menschen sind. Die Eltern, die sich heute Sorgen machen über das Umfeld und die vermutete Gefährdung ihrer Kinder, können in wenigen Jahren schon die Eltern sein, die durch eine integrative Versorgung von suchterkrankten Jugendlichen Entlastung erfahren und auch von schneller Hilfe und Unterstützung profitieren. Ich bin sehr froh über die Aufklärungsarbeit von " Südi bleibt solidarisch". Danke!

  • 27 Kurt 06.05.2026, 10:29 Uhr

    Ironie: man muß den Drogen-Süchtigen nur die Droge nehmen dann wird alles wieder gut vorrausgesetzt dass die Junkies gesunde lebensfähige Menschen werden dürfen und können. ich habe den historisch perfiden Gedanken irgendwo auf dem Lande ein "Lager" (Reha-Center) aufbauen wo es enstrechende Möglichkiten dazu gibt. für Alkholiker gibt es das (schon lange) oder auch "Daytop".

  • 26 Markus Temburg 06.05.2026, 09:05 Uhr

    Das Konzept der Stadt produziert nur Verlierer. Aktuell werden die Abhängigen wieder massiv vom Neumarkt vertrieben und sind am Friesenplatz und nicht im Pantaleonsviertel, da dort im Pantaleonsviertel das notwendige Geld für die Sucht nicht beschafft werden kann. Dort gibt es kaum Geschäfte, wenig Menschen auf der Straße und wenige zu sammelnde Pfandflaschen, dafür haufenweise Schüler, die demnächst stärker als bisher gefährdet wären. Der Standort am Perlengraben wird von schwerst Crackabhängigen nicht angekommen werden, da sie sehr kurze Konsumzyklen haben und sehr hohe tägliche Finanzmittel (100 - 400 Euro) benötigen. Diese Abhängigen bleiben am Neumarkt oder bei Vertreibung von dort am Friesenplatz oder suchen andere stark belebte Orte auf. Dort werden sie dann ausschließlich auf der Straße konsumieren und sterben, weil die Stadt keinen Konsumraum mehr anbietet. Stoppt die unsinnigen und teuren Pläne der Stadt. Hilfe vor Ort, anstatt reine Verlagerung!

  • 25 Jürgen 06.05.2026, 08:16 Uhr

    Die Argumentation von Dr. Rau das man den Standort wählte, weil, wenn er zu weit weg von der Szene ist nicht angenommen wird, kann ich sehr gut nachvollziehen. Was mir in der Debatte bisher zu kurz kam ist die Größe des Gelände. Wenn ich bedenke was die Stadt dort alles errichten will, für wieviele Menschen und Mitarbeitenden, ist es schlicht und einfach zu klein. Ich habe nicht den Eindruck das die städtische Verwaltung und die politischen Gremien das auf dem Schirm und berücksichtigt haben. Darüber hinaus ist es eine Frage dessen was Köln und seine Einwohner*innen wollen. Wer auf die Barrikaden geht und nichts in seinem Hinterhof will darf sich nicht wundern wenn Menschen auf den Plätzen und Straßen Drogen konsumieren, ihre Notdurft verrichten und das passiert was wir jetzt haben, dass es schlimmer wird. Weil man zu viel redet, statt zu machen.

  • 24 Bürger 06.05.2026, 07:11 Uhr

    Ein ehemaliger Mitarbeiter der Drogenhilfe in Zürich gab bei der letzten Infoveranstaltung an, dass Zürich im Angesicht von Crack und Fentanyl gescheitert ist. Man wirft Millionen für ein veraltetes/zum Scheitern verurteiltes Modell aus dem Fenster, zerstört die Lebensqualität in einem sauberen und friedlichen Viertel und erreicht: nichts. Bezahlen müssen es die Mieter, auf deren NK die erhöhte Grundsteuer umgelegt wird, die 70% der laufenden Kosten decken soll. Was mich richtig ärgert ist, wenn ich im Finanzplan sehe: Personalkosten Leitung SHZ: 600T€/Jahr. Wieder mal so ein Posten, der von der Stadt mit halbillegalen Methoden besetzt wird, und wo sich jemand eine goldene Nase verdient, auf Kosten der Bürger. Zum kotzen!

  • 23 Ingrid Zander 05.05.2026, 20:15 Uhr

    Diesen Platz am Perlengraben muss nicht sein ganz schlechtes Bild für die Anwohner und besonders für die Kinder!!! Es gibt seit Jahren am Auenweg, (Richtung Rheinpark )leerstehende Abrissgebäude die man wegsprengen muss, um ein Gebäude für die Suchtkranken aufbauen zu können. Am besten direkt daneben eine Entzug Klinik , damit sie zurück ins reale Leben kommen können!!!* Mit Angeboten wie: Holzarbeiten, Elektronik, Essens Zubereitung, Alltäglichen Hausarbeiten, Garten arbeiten. Hobbys neu beleben ect.... Es ist schlimm genug das es so viele Suchtkranke gibt. Leider!!! ( Eine bitte hätte ich noch ,stellt Securitys ein, damit keine Dealer rein kommen)!!! Ich würde mir sehr wünschen das diesbezüglich mein Anliegen an euch umgesetzt wird. *Auch für die Obdachlosigkeit in Köln am Auenweg wäre Platz genug um Wohngebäude auf zubauen. Anstatt das Geld in die Kriege zu investieren!!! Das würde ich mir für unser Land unsere Stadt Köln wünschen . Denkt an die Zukunft !!! Danke *

    Antworten (2)
    • Jürgen 06.05.2026, 07:38 Uhr

      Perspektivisch soll es ja nicht bei dem einen Suchthilfezentrum am Perlengraben bleiben und noch zwei weitere geben. In Kalk und meines Wissens das dritte in Mülheim. Insofern wäre das ein möglicher Standort (das genannte Gelände am Auenweg). Gehören der Stadt und einem landeseigenem Betrieb. Ein Problem ist leider wie zu oft, dass man in der Stadt, sowohl in der Verwaltung als auch in der Politik, zu viel redet, statt zu machen.

    • Monika 06.05.2026, 16:15 Uhr

      Diese Vorschläge kann ich nur unterstützen.

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