Die Tochter der Mieterin, die Mieterin selbst, der Sohn und die Schwiegertochter sitzen auf dem Sofa.

Für die 100-jährige Kölnerin Lilly Rostock wäre es ein Desaster, ihre Wohnung zu räumen.

Räumungsklage in Köln 100-Jährige soll aus ihrer Wohnung ausziehen

Stand:

In Köln klagt eine Immobiliengesellschaft gegen eine Rentnerin und ihre Tochter. Die sagt, ein Umzug hätte fatale Konsequenzen.

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Markus Schmitz
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Martin Henning

Angespannt sitzt Birgit Rostock mit ihrer Mutter Lilly und ihrem Bruder Karl-Heinz auf dem Sofa. Gemeinsam schauen sie sich besondere Post an: Der Bundespräsident hat Lilly Rostock zum 100. Geburtstag gratuliert. Die Seniorin ist merklich angestrengt, kann sich nur über Laute verständigen. Ob sie weiß, dass am Mittwoch die Räumungsklage am Amtsgericht verhandelt wird? Vermutlich nicht. Denn Lilly Rostock ist dement und pflegebedürftig.

Die Seniorin bekommt Unterstützung von ihrer Tochter, die gemeinsam mit ihr in der knapp 100 Quadratmeter großen Wohnung lebt. Das Gebäude stammt aus den 1950er Jahren. Lilly Rostock wohnt dort seit 1969.

Drei Häuser sollen abgerissen werden

Ende 2024 bekamen Mutter und Tochter die Aufforderung, die Wohnung zu räumen. Eine Immobiliengesellschaft will die drei bestehenden Mehrfamilienhäuser in der Feltenstraße in Köln-Bickendorf abreißen und neue Gebäude errichten.

So sollen dann 26 Wohnungen entstehen, sagt der Anwalt des Unternehmens dem WDR. Man habe Mutter und Tochter ganz in der Nähe zwei Wohnungen als Alternative angeboten. Es habe aber keine Antwort auf die Angebote gegeben.

Fassade eines Mehrfamilienhauses. Auf dem Balkon oben links stehen drei Frauen.

Das aktuelle Wohnhaus der 100-Jährigen in Köln-Bickendorf soll abgerissen werden.

Tochter Birgit entgegnet, dass ein Umzug unmöglich sei. "Wenn ein Mensch nicht mehr sein gewohntes Umfeld hat, nicht mehr laufen und sich nicht mehr bewegen kann, dann geht er ein. Es ist wie bei einer Pflanze", sagt sie. Niemand in der Familie kann sich vorstellen, dass Mutter Lilly die Wohnung verlässt, die sie seit fast sechs Jahrzehnten ihr Zuhause nennt.

"Das wäre das Todesurteil für meine Mutter." Birgit Rostock, Tochter

Wie zur Bestätigung hustet die 100-Jährige schwer und wimmert.

Ist der Seniorin der Umzug zumutbar?

Der Betreuungsaufwand für die Seniorin sei enorm, betont die Familie. "Ich muss ihr beim Aufstehen und beim Gehen helfen", sagt Tochter Birgit. "Sie würde von sich aus nicht essen und trinken, auch darauf muss ich achten." Sobald sie nicht mehr da sei, würde ihre Mutter das merken und lautstark reagieren. Die neue Umgebung würde alles nur verschlechtern.

Außerdem helfe die Größe der Wohnung, dass ihre Mutter vergleichsweise beweglich bleibe. Die angebotenen Wohnungen seien nur halb so groß, sagt Sohn Karl-Heinz Rostock.

Amtsgericht verkündet Entscheidung erst im Juni 2026

Das Amtsgericht Köln hat am Mittwoch nicht direkt entschieden, ob der Seniorin der Umzug zuzumuten ist und die angebotenen Wohnungen eine ausreichende Alternative sind. Damit der Umzug verhindert wird, müsste eine ernsthafte Gefährdung vorliegen.



Die Verhandlung dauerte lediglich eine halbe Stunde. Eine Einigung war nicht möglich. Die Richterin gab allerdings eine vorläufige Einschätzung ab: Sowohl die gesundheitliche Verfassung von Lilly Rostock als auch formale Gründe bei der Kündigung könnten dafür ausschlaggebend sein, dass die Räumungsklage abgewehrt wird. Verkünden wird das Amtsgericht seine Entscheidung am 10. Juni.

100-Jährige soll Wohnung verlassen - Räumungsklage

WDR 05.05.2026 00:43 Min. Verfügbar bis 04.05.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Familie Rostock
  • Gespräch mit Anwalt der Wohnungsbaugesellschaft
  • Amtsgericht Köln
  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort

Sendung: WDR.de, 100-Jährige soll Wohnung verlassen - Räumungsklage, 06.05.2026, 6 Uhr

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