Düsseldorfer Mieter wehren sich: "Wir wollen das nicht aufgeben"
Lokalzeit aus Düsseldorf. 05.01.2025. 02:37 Min.. Verfügbar bis 05.01.2028. WDR. Von Markus Gröters.
Jan Kownatzki und seine Lebensgefährtin Caroline Muchalla wohnen im Düsseldorfer Stadtteil Golzheim – noch. Die beiden haben im Januar 2025 eine Räumungsklage erhalten. Sie sollen ausziehen und ihre Wohnung anschließend abgerissen werden. Dagegen wehren sie sich.
"Wir sind hier verwurzelt"
In dem Haus hatten ursprünglich zehn Parteien gelebt, drei sind inzwischen ausgezogen. Die beiden sind die einzigen, die sich juristisch wehren. Sie wollen nicht umziehen. Sie seien im Viertel verwurzelt, ihre Wohnung zu einem sehr wichtigen Ort geworden: "Das wollen wir nicht einfach so aufgeben", erzählt Jan Kownatzki.
Ein Investor hatte das Gebäude in Golzheim gekauft, um es abzureißen und Luxuswohnungen zu errichten. Der Rechtsstreit dauert noch an. "Es fließt sehr viel Energie da rein", sagt Muchalla. Die Motivation für ihren Fall zu kämpfen sei aber immer größer. Kownatzki und Muchalla wollen zumindest erreichen, dass ihr Fall geprüft wird.
Mieterverein in Düsseldorf meldet Mitgliederrekord
Kownatzki und Muchalla sind aber alles andere als alleine. Der Düsseldorfer Mieterverein ist aktuell besonders gefragt. Zum Jahresbeginn meldete der Verein einen doppelten Rekord – so viele Mitglieder und so viele Rechtsberatungen wie noch nie in einem Jahr.
Mieterprotest vor dem Düsseldorfer Rathaus
34.500 Mitglieder zählt der Mieterverein zum Jahresstart 2026 - im vergangenen Jahr sind rund 3.200 Menschen dazugekommen. In etwa 31.500 Terminen haben die Beraterinnen und Berater Mieter bei rechtlichen Fragen unterstützt. Der Verein will auf die große Nachfrage reagieren und weitere Mitarbeitende einstellen.
Wohnungsmarkt sorgt für Konflikte
"Einerseits freuen wir uns über diesen gewaltigen Zuspruch. Er ist auch Ausdruck der Qualität unserer Beratung, die sich offenbar herumgesprochen hat", sagt der Vorsitzende Hans-Jochem Witzke. "Andererseits zeigen die Zahlen natürlich auch, dass der angespannte Wohnungsmarkt immer mehr Konfliktpotenzial beinhaltet."
Der Vereinsvorsitzende Hans-Jochem Witzke
Beleg für die großen Probleme auf dem Düsseldorfer Wohnungsmarkt sind nach Einschätzungen des Vereins zum Beispiel fehlender bezahlbarer Wohnraum, die stark überhöhten Angebotsmieten oder drastische Erhöhungen der Bestandsmieten.
Mieterschutz auf der politischen Agenda
Die Ratskoalition aus CDU und Grünen hat sich nach der Kommunalwahl im Herbst mehr bezahlbaren Wohnraum und einen besseren Mieterschutz als Schwerpunkte auf die Fahnen geschrieben. Unter anderem soll die Wohnungsaufsicht personell verstärkt und Mietwucher, Mängel sowie Leerstand stärker als bisher kontrolliert und geahndet werden.
OB Keller im Austausch mit besorgten Mietern
Im April 2025 war schon eine neue Beratungsstelle Wohnraumschutz an den Start gegangen, um Mietern mit ihren Problemen zu helfen. Insgesamt gingen im vergangenem Jahr 175 telefonische und 390 schriftliche Anfragen ein, heißt es von der Stadt. Meist würden die Menschen mit Problemen zu Umwandlung von Wohnraum, Modernisierungen oder auch Kündigungen wegen Luxusmodernisierungen sowie Wohnungsmängel auf die Stelle zukommen.
Mieter wehren sich zunehmend
Seit Jahren ist der Markt in der NRW-Landeshauptstadt extrem angespannt. Weil die Stadt wächst und außerdem ein wichtiger Wirtschaftsstandort ist, ist die Nachfrage nach Wohnraum groß. Seit 2021 sind die Angebotsmieten in Düsseldorf Statistiken zufolge um 24 Prozent gestiegen.
Um dem steigenden Beratungsbedarf auch weiterhin gerecht zu werden, will der Mieterverein in diesem Jahr seine Verwaltung und seine Rechtsabteilung weiter personell verstärken.
Unsere Quellen:
- Mieter Jan Kownatzki und Caroline Muchalla
- Mieterverein Düsseldorf
- Koalitionsvertrag CDU/Grüne Düsseldorf
- Empirica Preisdatenbank
- Beratungsstelle Wohnraumschutz
- Stadt Düsseldorf
Sendung: WDR.de, Wohnungsmarkt in Düsseldorf: Mieterverein meldet Mitgliederrekord, 02.01.2026, 18.30 Uhr.
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 05.01.2026, 19.30 Uhr
