7 Uhr früh in der Kölner Innenstadt: Zwischen den Warnlichtern von Müllwagen und dem Rauschen der Kehrmaschinen zieht eine Gruppe Ordnungsdienstmitarbeiter durch die Straßen. Beim sogenannten "Weckrundgang" gehen die Mitarbeiter Schlafplätze der Obdachlosen-Szene zwischen Dom und Hauptbahnhof ab. Mit dabei ist Torsten Burmester (SPD), designierter Oberbürgermeister der Stadt. Sein Ziel: sich einarbeiten, bevor er im November das Amt übernimmt.
"Ich will wissen, welche Herausforderungen die Kollegen zu bewältigen haben." Torsten Burmester (SPD),
zukünftiger Kölner Oberbürgermeister
Ob sie viele der Obdachlosen auf der Straße kennen, ob sie mit ihrer Ausrüstung zufrieden sind – Burmester stellt Fragen zum täglichen Einsatzgeschehen. Immer wieder trifft die Gruppe auf Wohnungslose, die ihr Lager unter Brücken oder Unterführungen aufgebaut haben. "Morgen! Das Ordnungsamt der Stadt Köln. Alles gut bei Ihnen? Wenn Sie bitte einmal aufstehen und alles einpacken!" Die Ansprache ist freundlich, aber bestimmt.
Schnelle Lösung für Drogenszene am Neumarkt
Die Diskussion um die Obdachlosen- und Drogenszene ist seit Monaten Thema in der Stadt. Im Fokus steht der Kölner Neumarkt, wo die Stadt in einer Seitenstraße einen Drogenkonsumraum betreibt. Anwohner und Geschäftsleute klagen über eine zunehmende Verwahrlosung oder fühlen sich durch Abhängige dort bedroht. Die Kölner Politik berät seit Längerem über einen zweiten Konsumraum im Stadtgebiet – mit Aufenthaltsmöglichkeiten und medizinischer Versorgung.
Torsten Burmester begleitet das Ordnungsamt bei seiner Frührunde durch die Kölner Innenstadt.
Burmester will mit seinem Amtsantritt Tempo in die Sache bringen: "Ich will so schnell wie möglich eine von mir aus auch temporäre Lösung umsetzen." Den Ordnungsdienst wolle er stärken, unter anderem mit mehr Personal, so Burmester. Einfach dürfe das nicht werden: Die Stadt hatte schon in vergangenen Jahren immer wieder versucht, mit gezielten Kampagnen Menschen für den Job zu begeistern.
Stadt soll sauberer werden
Neben der Sicherheit war Sauberkeit eins der zentralen Themen in Burmesters Wahlkampf. Nach seinem Besuch beim Ordnungsamt am Mittwoch hat er Freitag deshalb auch die Frühschicht der Kölner Abfallwirtschaftsbetriebe begleitet. Dort geht es Burmester zum Beispiel darum, welche Technik und Geräte genutzt werden. Große Abfall-Staubsauger, die noch vor allem in der Innenstadt genutzt werden, sollen unter ihm als Oberbürgermeister auch in den Stadtvierteln stärker zum Einsatz kommen.
Torsten Burmester will mehr Abfall-Staubsauger für die Stadt
Die Stadt sauberer und sicherer zu machen steht in der Agenda für die ersten 100 Tage im Amt, sagt der designierte Oberbürgermeister: "Was kann man jetzt in den nächsten Wochen tun, damit man erkennbar im Stadtbild etwas ändern kann? Diese Maßnahmen muss man umsetzen und dann im Gespräch bleiben, wie man das dauerhaft gestalten kann", so Burmester. Am 6. November wird er im Kölner Stadtrat als neuer Oberbürgermeister vereidigt.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen und Gespräche der WDR-Reporterin vor Ort
- Abfallwirtschaftsbetriebe Köln
- Ordnungsdienst der Stadt Köln