Auto fuhr über Rot: Prozessbeginn nach Unfall in Hürth

WDR 05:31 Min. Verfügbar bis 18.05.2028

Tödlicher Unfall in Hürth Angeklagter bricht zu Prozessbeginn in Tränen aus

Stand:

Knapp ein Jahr nach dem verheerenden Unfall in Hürth hat vor dem Kölner Landgericht der Prozess begonnen. Ein 20-jähriger Mann war über Rot gefahren und hatte eine Schulgruppe erfasst. Die zehnjährige Avin und der 25-jährige Schulbegleiter Luis Paulo starben.

Von
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Markus Schmitz
und
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Monika Steinhaus

Der Prozess am Landgericht Köln beginnt wie erwartet emotional. Die Eltern des getöteten Luis Paulo sind als Nebenkläger im Gericht, wie auch die Mutter der zehn Jahre alten Avin. Der Vater des Mädchens kann nicht teilnehmen. Er schaffe es nicht, sein geregeltes Leben sei kaputt, sagt seine Anwältin. 

Der Fahrer äußert sich über seinen Verteidiger zu den Vorwürfen. Seine Version: Er sei auf die Ampel zugefahren, die Gelb zeigte. Dann habe er nach links geschaut und es sei zum Zusammenstoß gekommen. Laut Gutachter habe die Ampel allerdings bereits vier Sekunden Rot gezeigt, bevor der Angeklagte sie überfahren habe.

Angeklagter bricht in Tränen aus 

"Ich habe einen fürchterlichen Unfall verursacht", sagt der Angeklagte am ersten Prozesstag und will sich bei den Eltern entschuldigen. Die Eltern von Luis Paulo entscheiden, seine Worte nicht hören zu wollen - die Mutter der zehn Jahre alten Avin dagegen schon. Weinend und mit brüchiger Stimme erklärt der Angeklagte, er habe den Familien dieses Leid niemals antun wollen.

"Ich würde mein eigenes Leben geben, um alles ungeschehen zu machen." Angeklagter vor dem Landgericht Köln

Die Mutter der getöteten Avin erwidert, sie könne die Entschuldigung nicht annehmen. Das Leben ihrer Familie sei zerstört.

Kein technischer Defekt, keine Drogen

Es ist der 4. Juni 2025: Gegen 12.10 Uhr fährt der 20 Jahre alte Fahrer auf die Ampel in Hürth zu. Zeitgleich überquert eine Schülergruppe die Straße bei Grün. Der silberfarbene BMW fährt ungebremst in die Gruppe.

Eisantzwägen und Einsatzkräfte am Unfallort auf der Straße

Der Unfallort in Hürth

Dabei erfasst er die zehn Jahre alte Avin und den 25-jährigen Schulbegleiter Luis Paulo. Beide sterben später im Krankenhaus. Auch weitere Schulkinder werden verletzt - und die Kinder tragen psychische Schäden davon.

Gedenkstätte an einem Wegrand mit Kerzen und Kuscheltieren

Gedenkstätte an der Unfallstelle

Die Frage, die sich stellt: Warum hat der Fahrer an der roten Ampel nicht gehalten? Es soll keinen technischen Defekt gegeben haben, die Sichtverhältnisse waren gut, Spuren von Drogen oder Alkohol wurden im Blut des Mannes nicht gefunden.

Prozesstart nach tödlichem Unfall in Hürth

WDR 18.05.2026 02:50 Min. Verfügbar bis 18.05.2028

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Fahrer vorbestraft - Anklage auch wegen Drogenhandels

Der Angeklagte ist der Justiz bereits bekannt. Unter anderem wegen Raubes, Diebstahls und unterlassener Hilfeleistung wurde er zu einer Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Gleichzeitig ordnete das Gericht einen Verkehrserziehungskurs an. In dem aktuellen Verfahren ist er auch wegen des Vorwurfs des Cannabishandels angeklagt.

Mädchen und Schulbegleiter spenden Organe

Der Fall hatte zudem für Aufsehen gesorgt, weil sich die Familien und zuvor auch der 25 Jahre alte Schulbegleiter selbst dazu entschlossen hatten, die Organe zu spenden. Der Vater der zehn Jahre alten Avin beschrieb in einem WDR-Interview, wie seine Frau und er die Entscheidung dazu getroffen hatten.

Es sei in einer Art Zwiegespräch geschehen, sagte er damals. Das habe unter anderem dazu geführt, dass das Herz des Mädchens einem anderen Mädchen eingesetzt wurde, das Tage später aus der Narkose aufwachte.

Die zehnjährige Avin lehnt an einem Felsen und lacht in die Kamera, im Hintergrund ist eine Landschaft mit Bäumen und Häusern.

Die zehnjährige Avin starb bei dem Verkehrsunfall

Zwischen Schmerz und Haltung

Für die Familie von Luis Paulo ist der Prozess mehr als ein juristischer Termin - er konfrontiert sie direkt mit dem Unfallverursacher. "Jetzt Hass, Wut, was auch immer zu empfinden, bringt uns unseren Sohn nicht wieder", sagte Vater Marcus Jochim mit Tränen in den Augen vor dem Prozess. Statt daran zu zerbrechen, haben seine Eltern und die drei Geschwister eine Entscheidung getroffen. Sie wollen erinnern, handeln und nach vorne gucken.

Porträtaufnahme eines jungen Mannes mit kurzem dunklem Haar, der direkt in die Kamera blickt und dabei ein breites Lächeln zeigt.

Das Unfallopfer Luis Paulo

Ein positives Erbe für die Kinder

Mit der Luis-Paulo-Stiftung sammeln sie unermüdlich Spenden, organisieren dafür Aktionen und fördern Projekte für Gesundheit und Sicherheit von Kindern. So auch an seiner früheren Grundschule in Königswinter-Oberdollendorf. Hier tragen die Kinder jetzt Warnwesten mit seinem Bild, finanziert von der Stiftung.

Angeklagter bricht zu Prozessbeginn in Tränen aus

WDR 03:18 Min. Verfügbar bis 19.05.2028

"Ich fühle mich damit irgendwie beschützt", sagte die achtjährige Luna nach Erhalt ihrer Warnweste. Für Luis‘ Bruder Gustavo ist klar: "Ich bin mir ganz sicher, genau das wäre in Luis Sinne gewesen." Denn Luis Paulo wollte selbst einmal Grundschullehrer werden.

Emotionaler Prozessstart zu tödlichem Unfall in Hürth

WDR 18.05.2026 03:07 Min. Verfügbar bis 17.05.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Landgericht Köln
  • Gespräche mit den Familien von Avin und Luis Paulo
  • Eindrücke des Reporters im Prozess

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Köln, 18.05.2026, 19.30 Uhr

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