Kölner Konzept gegen Catcalling
Aktuelle Stunde . 12.05.2026. 11:49 Min.. UT. Verfügbar bis 12.05.2028. WDR. Von Estella Mazur.
Unter dem englischen Wort Catcalling versteht man neben anzüglichen Kommentaren auch nonverbale sexuelle Belästigung, wie zum Beispiel aufdringliche Blicke oder Hinterherpfeifen. In Köln soll dieses Phänomen künftig als unerwünschtes Verhalten in die Stadtordnung aufgenommen werden.
Der Ausschuss für die Gleichstellung von Frauen und Männern hat jetzt die Verwaltung beauftragt, konkrete Pläne dafür auszuarbeiten. Bisher ist eine so geartete sexuelle Belästigung weder eine Straftat noch eine Ordnungswidrigkeit.
"Catcalling ist kein Kompliment"
Die Ratspartei Volt hat den Antrag auf den Weg gebracht. "Catcalling ist kein Kompliment, es ist sexuelle Belästigung und eine Gesetzeslücke", sagt Jasna Ibrić. Sie ist Stadträtin der Volt Fraktion und Vorsitzende des Gleichstellungs-Ausschusses. "Das sage ich nicht nur selbst als Betroffene, sondern auch aus meiner polizeilichen Perspektive als Kriminaloberkommissarin." Erst vor zwei Tagen hätte ein Mann sie in der U-Bahn ununterbrochen und anzüglich angestarrt:
"Man sieht ja auch, wohin solche Blicke dann wandern. Das war kein normales sich anschauen in der Bahn, das war ein sexualisierter Blick, sodass ich mich sehr unwohl gefühlt habe." Jasna Ibrić, Stadträtin der Volt Fraktion und Vorsitzende des Gleichstellungs-Ausschusses
Der Antrag sei nun ein Versuch, diese bislang folgenlose Belästigung sichtbar zu machen und Betroffene zu stärken.
"Catcalling" als Ordnungswidrigkeit: Köln wäre die erste Stadt
Die Verwaltung soll ihren konkreten Regelungsvorschlag dem Rat der Stadt Köln bis September vorlegen. Sollte der Rat dem zustimmen, wäre Köln die erste Stadt Deutschlands, in der das Ordnungsamt gegen Catcalling vorgehen könnte. Experten sollen dann auch Mitarbeitende des Ordnungsamtes im Umgang mit sexualisierter Belästigung im öffentlichen Raum schulen. Dafür müssten 50.000 Euro aus dem Haushalt bereitgestellt werden.
Der Rat hat am 1. Oktober 2024 den Beitritt zum bundesweiten Bündnis "Gemeinsam gegen Sexismus" beschlossen und sich damit verpflichtet, strukturelle Maßnahmen zur Bekämpfung von Sexismus zu stärken sowie bestehende Schutzlücken sichtbar zu machen.
Unsere Quellen:
- Ausschuss für die Gleichstellung von Frauen und Männern der Stadt Köln
- Jasna Ibrić, Stadträtin der Volt Fraktion und Vorsitzende des Gleichstellungs-Ausschusses
Sendung: WDR.de, Stadt Köln geht gegen Catcalling vor, 12.05.2026, 6:23 Uhr
