WDR 5 Tagesgespräch : Catcalling – ein Fall für das Strafrecht?
Pfiffe, sexistische Gesten und obszöne Beleidigungen – sexuelle Belästigung ohne Köperkontakt im öffentlichen Raum gehört unter Strafe gestellt, fordert die SPD. Gehen Sie da mit? Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen und Ihrer Meinung im WDR 5 Tagesgespräch mit Özge Inan, Journalistin und Juristin.
Catcalling umfasst sexistische Sprüche oder Situationen, in denen ein Mann eine Frau anzüglich anstarrt und ihr dann hinterherläuft. Unter Catcalling versteht man auch Belästigungen durch das Senden sexueller Nachrichten, Bilder und Videos – etwa über Messengerdienste. Offizielle, einheitliche Kriterien zu Catcalling gibt es aber nicht.
"Solche sexuellen Zudringlichkeiten dürfen nicht verharmlost werden, nur weil sie ohne Körperkontakt stattfinden. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass viele Befragte unter verschiedensten Folgen von Catcalling leiden," erklärt Laura-Romina Goede, ehemals Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen.
Doch verbale Herabwertungen sind in der Regel nicht strafbar. Laut deutscher Rechtsprechung setzt beispielsweise eine sogenannte "sexuelle Handlung" eine körperliche Berührung voraus. Viele Fälle von Catcalling fallen demnach nicht unter den Strafbestand der Beleidigung und können auch nicht als Ordnungswidrigkeit eingeordnet werden.
Sonja Eichwede, Vizefraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag, schlägt vor, Catcalling unter Strafe zu stellen. Die verbale sexuelle Belästigung stelle im juristischen Sinne bisher keine Beleidigung oder persönliche Herabsetzung dar, sagte sie der Illustrierten "Stern". Der Bundesgerichtshof habe aber bereits in einem Urteil von 2017 festgestellt, dass hier eine Gesetzeslücke vorliege. Daher wolle die SPD-Bundestagsfraktion einen neuen Straftatbestand schaffen, betonte Eichwede.
Die Union lehnt einen neuen Straftatbestand für verbale sexuelle Belästigung ab und erteilt einem Vorstoß der SPD damit eine Absage. "Symbolgesetzgebung und in der Praxis nicht durchsetzbare Regelungen helfen den Betroffenen am Ende nicht weiter", sagte die rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Susanne Hierl dem "Stern". "Wichtiger ist ein gesellschaftliches Bewusstsein dafür, dass solche verbalen Belästigungen schlicht inakzeptabel sind und die soziale Missbilligung solcher Verhaltensweisen."
In anderen Ländern gibt es für Catcalling bereits rechtliche Konsequenzen: In Frankreich und Portugal drohen Geldstrafen, in Spanien sind sogar Haftstrafen möglich.
Haben Sie Catcalling erlebt? Wie ging es Ihnen dabei? Was muss gegen Catcalling getan werden? Wie lässt sich Catcalling ganz praktisch unter Strafe stellen? Von wem geht Catcalling aus und warum? Welche Rolle spielt der Faktor Macht bei Catcalling? Was sagt Catcalling über das Geschlechterverhältnis?
Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).
Gast: Özge Inan, Journalistin und Juristin
Redaktion: Birgit Becker und Monika Kophal