Wie im Krimi: Korruption und Manipulation in der JVA Euskirchen
Aktuelle Stunde . 13.05.2026. 30:47 Min.. Verfügbar bis 13.05.2028. WDR. Von Fritz Sprengart.
Nach WDR-Informationen sollen in der JVA Euskirchen zwei Transponder mit weitreichenden Schließberechtigungen manipuliert worden sein. Das NRW-Justizministerium will deshalb die elektronischen Schließsysteme in allen Justizvollzugsanstalten des Landes überprüfen.
Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) hat den Vorgang dem Vernehmen nach im vertraulichen Teil einer Sondersitzung des Rechtsausschusses am Dienstag dargelegt. Limbach selbst wollte sich am Mittwoch dazu während des laufenden Ermittlungsverfahrens nicht äußern. Er sagte aber dem WDR, alle Erkenntnisse aus der Aufklärung sollten sofort genutzt werden, um die Sicherheit in den JVAs in NRW zu verbessern.
Das NRW-Justizministerium will nun in allen Justizvollzugsanstalten im Land die elektronischen Schließsysteme überprüfen. Das erfuhr der WDR aus Justizkreisen.
Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa waren zuvor Unregelmäßigkeiten an der Schließanlage aufgefallen. Auffällig wurde der Fall offenbar, weil ein Schloss in der JVA mit einem Feuerwehr-Transponder geöffnet worden war. Der sollte eigentlich mit weiteren Exemplaren in einem verschlossenen Koffer für den Notfall aufbewahrt bleiben. Als man alle Transponder in dem Koffer untersuchte, kam heraus, dass bei zweien jeweils das Original-Innenleben verschwunden und gegen andere ausgetauscht worden war.
Ermittlungen gegen acht Bedienstete
Ob der Vorgang mit den Bestechungsvorwürfen gegen acht Bedienstete der JVA Euskirchen zusammenhängt, ist Teil der Ermittlungen. Die Gefängnismitarbeiter stehen im Verdacht, als Gegenleistung für das Gewähren von Hafterleichterungen Vorteile angenommen zu haben, wie Limbach im öffentlichen Teil der Sondersitzung des Rechtsausschusses sagte. Ermittelt werde zudem gegen drei ehemals dort inhaftierte Männer.
Auf die Frage, ob es daneben noch weitere Verdächtige gebe, erklärte Limbach: "Mir liegen keine weiteren Informationen darüber vor, dass etwaige andere Insassen sich auch strafbar gemacht haben."
Gab es ein Netzwerk der JVA-Mitarbeiter?
Werner Pfeil (FDP), Vorsitzender des Rechtsausschusses im Düsseldorfer Landtag
Die Opposition im Düsseldorfer Landtag sieht den Fall noch nicht als aufgeklärt an. Werner Pfeil (FDP), Vorsitzender des Rechtsausschusses, befürchtet, dass der Skandal über Euskirchen hinausreichen könnte. Es müsse geprüft werden, ob sich über Jahre ein Netzwerk unter Justizvollzugsmitarbeitern entwickelt habe. "Die Frage ist, ob wir nicht nur in der JVA Euskirchen ein Problem haben", sagte Pfeil.
"Die aktuelle Entwicklung macht uns sehr besorgt, weil wir nicht wissen, ob dies erst die Spitze von einem Eisberg ist", erklärte auch Elisabeth Müller-Witt, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion. "Wir erwarten deswegen auch, dass die Landesregierung dafür sorgt, dass in allen JVAs jetzt gründlich geschaut wird, ob es dort ähnliche Vorkommnisse geben könnte."
Auch auf die lange Ermittlungszeit seit 2022 sieht Müller-Witt mit Unverständnis. "Offensichtlich hat man der Angelegenheit nicht so viel Gewicht gegeben, wie es nötig war. Und offensichtlich fehlte es möglicherweise auch bei der Polizei am nötigen Personal", so die SPD-Politikerin.
Nähe zwischen Insassen und Bediensteten
Bislang gibt es noch keine Indizien, dass es auch in anderen Gefängnissen in NRW-Bestechungen gegeben haben könnte. Oliver Huth vom Bund Deutscher Kriminalbeamter sieht im Strafvollzug strukturelle Risiken: hohe Arbeitsbelastung, vergleichsweise geringe Bezahlung und große Nähe zu Inhaftierten.
Oliver Huth, NRW-Landesvorsitzender Bund Deutscher Kriminalbeamter e.V.
"Also einmal arbeiten die Bediensten in der JVA ganz eng mit den Menschen zusammen", erklärt Huth. "Das sieht der Strafvollzug ja auch so vor und soll auch zur Resozialisierung beitragen. Das ist gar nicht hinwegzudenken. Aber diese Nähe wird auch von Tätern ausgenutzt", so der Polizeibeamte. Straftäter seien mit ihren Persönlichkeitsprofilen in der Lage, Menschen auch zu manipulieren.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne)
- WDR-Anfrage an das NRW-Justizministerium
- Gespräch mit Werner Pfeil (FDP)
- Gespräch mit Oliver Huth (Bund Deutscher Kriminalbeamter)
- Nachrichtenagentur dpa
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