Durchsuchungen bei Justizbediensteten und in der JVA Euskirchen
WDR. 02:22 Min.. Verfügbar bis 06.05.2028.
Luxusauto statt Zelle : Neue Details im Bestechungs-Skandal JVA Euskirchen
Stand:
Zu den Ermittlungen wegen Bestechungen in der Justizvollzugsanstalt in Euskirchen gibt es neue Details. Nachdem bekannt geworden ist, dass Beamte den Insassen regelrechte Abos angeboten haben sollen, sind jetzt noch Blitzerfots aufgetaucht - von einem Häftling, der eigentlich in der Zelle sein sollte.
Mit "Abonnements" sollen die Häftlinge wohl Warnungen vor Zellen-Durchsuchungen erkauft oder sich eine Hafterleichterung verschafft haben. Dafür sollten sie jeden Monat eine Summe im dreistelligen Bereich an die beschuldigten Justizvollzugsbeamten zahlen. Außerdem sollen sie laut dpa den Häftlingen auch gefälschte Arbeits-Adressen besorgt haben, damit sie in der JVA Euskirchen untergebracht werden. Ermittelt wird seit der Razzia in der JVA Euskirchen am 6. Mai gegen acht Beamte und drei Insassen.
Außergewöhnliche Enthüllung durch Blitzerfoto
Ein Häftling wurde sogar - wie jetzt erst bekannt wurde - bei einem Freigang geblitzt, als er eigentlich in seiner Zelle hätte sitzen sollen. Das bestätigt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bonn dem WDR. Laut dem Kölner Stadt-Anzeiger war der Beschuldigte in einem Luxusauto unterwegs und soll zu einer polizeibekannten Leverkusener Großfamilie gehören.
Razzien in der JVA Euskirchen und in Wohnungen
Rückblick: Um 6 Uhr am Mittwochmorgen, 6. Mai 2026, war die Polizei mit über 200 Einsatzkräften ausgerückt - in den Kreis Euskirchen, sowie in die Kreise Ahrweiler, Rhein-Erft und Leverkusen. Die Polizistinnen und Polizisten durchsuchten mehrere Privatwohnungen sowie Teile der Justizvollzugsanstalt Euskirchen und ein Büro im Euskirchener Amtsgericht. Der Einsatz war lange vorbereitet, heißt es aus einer gemeinsamen Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei Bonn.
"Es ist in unserem ureigensten Interesse, dass diese Vorgänge lückenlos und mit aller Konsequenz aufgeklärt werden." Mit diesen Worten trat NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) am Mittwoch vor die Kameras.
Justizminister beauftragt interne Untersuchung
Er habe selbst erst am morgen von den Bestechlichkeitsvorwürfen gegen Mitarbeiter der JVA Euskirchen erfahren und eine sofortige Untersuchung durch den Leiter der Justizvollzugsdirektion beauftragt. "Solche Vorwürfe rütteln am Fundament des Rechtsstaats", sagte er weiter. Die Untersuchung solle klären, ob und wenn ja, welche dienstrechtlichen Konsequenzen zu ziehen sind.
Justizminister äußert sich zu Razzia in JVA Euskirchen
WDR. 00:51 Min.. Verfügbar bis 06.05.2028.
Er hob aber auch hervor, dass rund 8.000 Bedienstete mit hohem persönlichen Einsatz und einer tadellosen professionellen Einstellung im Justizvollzug in Nordrhein-Westfalen arbeiten würden. Gerade deshalb sei es ihm wichtig klarzustellen:
"Wir dulden in unseren Reihen keine schwarzen Schafe. Wer die Integrität des Vollzugs durch Korruption und Bestechung gefährdet, hat im Justizdienst des Landes NRW nichts zu suchen." Benjamin Limbach, NRW-Justizminister
"Es gab mehrmonatige Ermittlungen, die in Bonn geführt wurden. Zu den genaueren Hintergründen kann ich derzeit noch nichts sagen", so Michael Beyer, Pressesprecher der Polizei Bonn.
Verbindungen zur Leverkusener Goman-Familie?
Wie das Magazin Focus Online berichtet, sollen sich darunter Mitglieder der Leverkusener Goman-Familie befinden. Die Familie fällt immer wieder auf im Zusammenhang mit Betrugsfällen, wie zum Beispiel dem Enkeltrick. Schon mehrfach gab es Razzien. Zuletzt geriet die Familie in den Fokus durch eine blutige Massenschlägerei nach einer Feier in Leverkusen.
Einsatz am frühen Vormittag, 6. Mai 2026, beendet
Um 9:30 Uhr rückten die Einsatzwagen vor der JVA Euskirchen mit Blaulicht wieder ab, so die Beobachtungen eines WDR-Reporters. Ziel der Durchsuchungen war es, Handys und andere Beweismittel sicherzustellen.
Die Beschuldigten wurden laut Polizei bei den Durchsuchungen angetroffen und werden nun im Bonner Polizeipräsidium befragt. Haftbefehle gibt es bisher nicht.
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes haben wir Mitarbeitende der Justizvollzugsanstalt als "Wärter" bezeichnet. Wir haben diese umgangssprachliche Bezeichnung korrigiert und durch die Bezeichnung "Justizvollzugsbeamte" beziehungsweise "Beamte" ersetzt.
Unsere Quellen:
- Polizei Bonn
- Staatsanwaltschaft Bonn
- dpa
- Focus online
- Kölner Stadt-Anzeiger
- WDR-Reporter vor Ort
Sendung: WDR.de, Häftling bei Freigang geblitzt, 21.05.2026, 12:19
