Wer in Essen jetzt in die Uber-App geht, um eine Fahrt zu buchen, der könnte mit Blick auf den Preis möglicherweise große Augen machen. Zumindest, wenn man die Diskussion der vergangenen Monate und die Entscheidung der Stadt im Herbst nicht mitbekommen hat. Die Entscheidung für einen Mindesttarif für Mietwagen-Dienstleister.
Erfolg für Taxiunternehmer nach Protest
Uber, aber auch andere Anbieter wie Bolt, müssen sich jetzt also an konkrete Vorgaben halten. Ihre Fahrten dürfen nur noch rund sieben Prozent günstiger sein als vergleichbare Taxi-Fahrten. Im Schnitt werden die Fahrten also teurer. Eine Regelung, die nach Ansicht der Stadt einen faireren Wettbewerb bringen soll. Ihr war ein größerer Streit zwischen Taxiunternehmern, Uber und anderen Mitbewerbern sowie der Stadt Essen vorausgegangen.
Im Frühjahr demonstrierten Taxifahrer in Essen gegen Uber und Co.
Immer wieder protestierten die Taxiunternehmer im vergangenen Jahr gegen die Konkurrenz vor allem von Uber. Der Vorwurf: Mit Dumpingpreisen mache der Anbieter das klassische Taxigeschäft kaputt. Außerdem würde Uber viele Regelungen umgehen, die das Taxigewerbe als Teil des ÖPNV beachten müsste.
Landesweite Demos
Proteste gab es in Form von landesweiten Demos, auch in Essen. Dort konnten sich am Ende die Taxiunternehmer bei der Stadt Gehör verschaffen. Die gab ein Gutachten in Auftrag, das am Ende besagte: Eine Mindestgebühr für Mietwagen sei zu empfehlen. Den entsprechenden Ratsbeschluss dazu gab es Ende September.
Uber: Leben der Essener wird teurer
Seit Anfang Januar gilt die neue Regelung. Während Taxiunternehmer durchatmen dürften, übt Uber weiter Kritik. Man gehe von einem starken Rückgang der Mietwagen-Nutzung aus. Über befürchtet, dass die Umsätze der lokalen Unternehmer, also der Uber-Fahrer, die bisher profitabel waren, sinken werden. Uber erwartet hier auch Klagen der Fahrer gegen die Stadt.
Uber kritisiert die Stadt Essen.
"Etliche Arbeitsplätze sind durch diese Maßnahme in Gefahr und das Leben der Essener wird sich weiter verteuern", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem WDR. "Höhere Preise sorgen dafür, dass die Menschen öfter den privaten PKW nutzen und so mehr Verkehrsbelastung erzeugen."
Profitiert Taxibranche wirklich?
Uber stützt diese Aussagen zum einen auf eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft, nach der es einen signifikanten Wechsel zu den Taxis nicht geben werde. Zum anderen beruft sich Uber auf das Beispiel Heidelberg. Denn in Heidelberg gibt es die Mindesttarif-Regelung schon seit dem Sommer.
Ob der Mindesttarif das Taxigewerbe beflügelt, ist offen.
Auf dem "Taxitag" des Bundesverbands Taxi und Mietwagen zog dazu der Geschäftsführer der Heidelberger Taxizentrale eine erste Bilanz, die offensichtlich eher ernüchternd ausfällt. So habe sich mit dem Mindesttarif in Heidelberg der Auftragsrückgang bei den Taxis lediglich verlangsamt, eine wirkliche Umkehr des Negativtrends für seine Zentrale könne er nicht feststellen, wird der Unternehmer sowohl von Uber als auch in einem Taxi-Branchenmagazin zitiert.
Folgen weitere Städte?
Ob sich nun eine ähnliche Entwicklung in Essen abzeichnen könnte, wird sich zeigen. Heidelberg und Essen sind in ihrer Struktur sicherlich sehr unterschiedlich.
Was eher klar zu sein scheint: Die Debatte um Mindesttarife für Mietwagen wird auch in anderen Städten weiterlaufen und möglicherweise zu ähnlichen Entscheidungen führen. Diskutiert wird darüber in nahezu allen NRW-Kommunen, zuletzt zum Beispiel auch in Düsseldorf oder im Ennepe-Ruhr-Kreis.
Unsere Quellen:
- Stadt Essen
- Uber
- Magazin "Taxi-Times"
- vorherige WDR-Berichterstattung
Sendung: WDR.de, Erste NRW-Stadt: Mindesttarif für Uber und Co in Essen in Kraft, 01.01.2026, 06.01 Uhr
