Prozess gegen ehemaligen Schüler beginnt | WDR aktuell

WDR 00:27 Min. Verfügbar bis 15.06.2028

Messerangriff auf Lehrerin in Essen Prozess gegen ehemaligen Schüler beginnt

Stand:

Im September soll ein Schüler in Essen mehrfach auf seine Lehrerin eingestochen haben. Am Montag beginnt der Prozess gegen ihn.

Es ist ein Tag, den am Berufskolleg in Essen so schnell niemand vergessen wird: Eine Lehrerin wird mit einem Messer verletzt, Amokalarm wird ausgelöst. Alle Schülerinnen und Schüler bleiben stundenlang im Gebäude und der Angreifer flüchtet. Später wird der mutmaßliche Täter von der Polizei gefasst. Gut neun Monate ist das jetzt her. Am 15. Juni beginnt nun der Prozess gegen den heute 18-jährigen Tatverdächtigen.

Terroristischer Hintergrund vermutet

Das Düsseldorfer Oberlandesgericht hat die Anklage der Bundesanwaltschaft nun zugelassen. Verhandelt wird in Düsseldorf, weil die Bundesanwaltschaft davon ausgeht, dass der Angriff islamistisch motiviert ist.

Nach Ansicht der Generalbundesanwaltschaft soll der ehemalige Schüler seit etwa Anfang 2025 einer islamistisch-jihadistischen Ideologie folgen. Deswegen habe er den Entschluss gefasst, den Jihad gegen Ungläubige zu führen.

Auch Hausmeister und Lehrerin angegriffen

Aus dieser Motivation heraus soll er mehrfach auf seine Lehrerin eingestochen haben, mit der Absicht, sie zu töten. Die Stiche trafen sie in den Oberkörper und verletzten sie schwer. Er habe sie sich bewusst als Opfer ausgesucht.

Vorm Haupteingang der Schule stehen zwei Personen in Warnweste und interagieren mit zwei weiteren Personen

Der Sicherheitsdienst bewacht den Eingang der Schule kurz nach der Tat

Genauso, wie einen ihm persönlich bekannten Hausmeister. In einer Grundschule soll der Angeklagte früh am Morgen des selben Tages mit der Faust auf den Mann eingeschlagen und ihn mit Pfefferspray besprüht haben. Danach - so der Vorwurf der Anklage - wollte er ihn erstechen.

Hausmeister wehrte sich

Das sei jedoch nicht geschehen, weil sich er Hausmeister heftig gewehrt habe. Bei der Suche nach weiteren Opfern habe der Angeklagte zweimal die Alte Synagoge in Essen aufgesucht, um Menschen jüdischen Glaubens anzugreifen. Er habe aber keine aus seiner Sicht geeigneten Opfer gefunden. 

Stattdessen habe er einem Obdachlosen an einer Bushaltestelle mit dem Messer in den Rücken gestochen, weil er eine Frau auf einem Werbeplakat ansah und sich dadurch aus seiner Sicht "unislamisch" verhalten habe. Alle Opfer überlebten, trugen aber teils schwere Verletzungen davon.

Erst durch Schuss gestoppt

Der Angeklagte flüchtete Richtung Essener Hauptbahnhof und soll dann mit vorgehaltenem Messer auf die Polizisten zugelaufen sein. Erst durch einen Schuss wurde er gestoppt und dabei im Gesicht verletzt. Laut Anklage wollte er gezielt seinen Märtyrertod provozieren, um nicht festgenommen zu werden.

Ausschluss der Öffentlichkeit möglich

Die Bundesanwaltschaft legt ihm in der Anklage neben dreifachen versuchten Mordes auch Körperverletzung, gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Nötigung zur Last.

Symbolbild: Justitia vor blauem Himmel.

Da er zur Tatzeit 17 Jahre alt - und somit Jugendlicher gewesen sei, werde zu Beginn des Prozesses über einen möglichen Ausschluss der Öffentlichkeit entschieden. Für das Verfahren sind bislang 13 Verhandlungstage bis Anfang September angesetzt.

Prozessauftakt zur Messerstecherei an Essener Berufskolleg

WDR 09.06.2026 00:45 Min. Verfügbar bis 08.06.2028

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Unsere Quellen:

  • Pressemitteilung des Oberlandesgerichts Düsseldorf

Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 09.06.2026, 11:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 15.06.2026, 12:45 Uhr

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