Das weiße, zweistöckige Gebäude mit Flachdach ist die Landesparteizentrale der Partei "Die Heimat" in Essen Kray.

Nazis in Essen: "Die Heimat" darf Parteizentrale nicht mehr nutzen

Stand:

Die Stadt Essen hat der rechtsextremen Partei "Die Heimat" die Nutzung ihrer Landeszentrale verboten. Die Partei klagt dagegen.

Das zweistöckige Haus steht unscheinbar auf einem Hinterhof. Es ist von der Marienstraße nicht zu sehen, weil ein braunes Garagentor den Zugang zum Hof versperrt. Doch in diesem Haus werden Ideologien verbreitet, die das Bundessverfassungsgericht als verfassungsfeindlich einstuft. Die rechtsextreme Partei "Die Heimat", die früher NPD hieß, hat hier seit 2012 ihren Landessitz. Viele Nachbarn wussten das nicht, denn aus der Zentrale war jahrelang nicht zu hören. Das änderte sich im vergangenen Jahr ab April.

Einmal im Monat zu hatte die Partrei zu "offenen Abenden" eingeladen. Damit wollte sie sich vor allem an junge Menschen richten. Etwa 70 sind regelmäßig gekommen - unter ihnen auch viele Minderjährige. In der Zentrale wurden Schulungen und Lesungen abgehalten, bevor es dann mehrfach zu Demonstrationen auf die Straße ging. Diese sorgten in der Vergangenheit für Unruhe.

Demonstration

Laut NRW-Verfassungsschutz sind einige der Teilnehmenden sehr gewaltbereit. Es wurden zum Beispiel Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung eingeleitet, als ein 23-Jähriger Hitler zitierte. Im August griffen Mitglieder der Partei "Die Heimat" Gegendemonstrierende in einem Linienbus an.

Stadt verbietet Nutzung der Räume

Mit den Veranstaltungen ist aber erst einmal Schluss. Wie die Stadt Essen dem WDR exklusiv bestätigte, hat sie der Partei die Nutzung der Räumlichkeiten für Parteiarbeit und Veranstaltungen verboten.

"Die Maßnahme erfolgte aufgrund von Verstößen gegen bauplanungs-und bauordnungsrechtliche Vorschriften." Pressesprecher der Stadt Essen

Was genau das heißt, möchte die Stadt noch nicht sagen. Fakt ist aber, dass es sich bei dem Gebäude laut WDR-Recherchen um zwei Büroeinheiten handelt und nicht um Veranstaltungsräume. Außerdem ist die Adresse Marienstraße 66a, die die Partei angibt, nicht offiziell als Adresse bei der Stadt gemeldet.

Nachbarn sind erleichtert

In der Nachbarschaft sind viele erleichtert über das Verbot. Auf einem Spielplatz, nur wenige Meter von der Parteizentrale entfernt, trinken Nachbarinnen und Nachbarn zusammen Tee. Das Projekt Mobilitea verteilt ihn zweimal monatlich kostenlos, um Menschen zusammenzubringen. Zwei junge Mütter hoffen im Gespräch mit dem WDR, dass es keine Demos mehr geben wird. Diese fanden immer Freitagabends statt, wenn ihre Kinder zum Turnen mussten: "Es war eine große Lautstärke und viel Gebrülle. Dass die Kinder das mitbekommen müssen, finde ich total miserabel." Die andere Mutter bekräftigt, dass Nazis in Kray keinen Platz hätten: "Mensch ist Mensch. Jeder soll leben, wie er möchte und Kray ist multikulturell."

"Wenn Menschen nicht akzeptieren, dass man eine andere Kultur oder Religion hat, dann akzeptiere ich diese Menschen auch nicht." Junge Mutter aus Essen-Kray

Auch das Nachbarschaftsbündnis "Kray ist bunt" begrüßt das Verbot. Zusammen mit dem Bündniss "Essen stellt sich quer" (ESSQ) hatten die Mitglieder jeden Monat gegen die Treffen der Rechtsextremisten protestiert. "Ich glaube, das Schöne daran ist, dass man sieht, wie vielfältig und bunt Protest sein kann", sagt ESSQ-Sprecher Christian Baumann. "Wir machen das auf der Straße und andere Leute versuchen das über das Ordnungsrecht oder das Baurecht."

Partei klagt gegen das Verbot

Die Partei "Die Heimat" hat auf eine WDR-Anfrage nicht reagiert. Sie klagt gegen das Nutzungsverbot. Deshalb darf sie bis zu einer Entscheidung ihre Parteizentrale weiterhin eingeschränkt für Bürozwecke nutzen. Außerdem darf die Partei zwar keine Schulungen im Gebäude durchführen, aber sie könnte weiterhin Demonstrationen auf der Straße organisieren. Bisher gibt es aber noch keine öffentlichen Aufrufe dazu.

Nazis in Essen: "Die Heimat" darf Parteizentrale nicht mehr nutzen

WDR Studios NRW 26.01.2026 00:45 Min. Verfügbar bis 26.01.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Stadt Essen
  • Eigene Recherchen vor Ort
  • Interview mit Nachbarinnen und Nachbarn
  • Interview mit Christian Baumann, Sprecher "Essen stellt sich quer"

Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 26.01.2026, 10.31 Uhr

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