Eine Brücke aus Stein führt zu einem Renaissance-Schloss mit Türmen und Zinnen

Das Schloss Bodelschwingh in Dortmund ist über 700 Jahre alt und sanierungsbedürftig

Baustelle unter Wasser: Was die Sanierung des Schloss Bodelschwingh so schwierig macht

Stand:

Das Schloss Bodelschwingh in Dortmund ist bekannt für seinen Garten- und Weihnachtsmarkt. Doch das 700 Jahre alte Wasserschloss muss dringend saniert werden. Keine leichte Aufgabe. Um es vor dem Verfall zu retten, braucht es nicht nur viel Geld, sondern auch einen ganz besonderen Taucher.

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Mirjam Ratmann steht vor einer weißen Wand und schaut in die Kamera
Mirjam Ratmann
und (Text) und Claudia Dolgner (Multimedia)

Von Kopf bis Fuß in seinen schwarz-roten Tauchanzug eingepackt gleitet Martin Hesse ins Wasser, auf dem Rücken trägt er eine große Tauchflasche. Der 39-Jährige steckt sich das Mundstück in den Mund, schiebt sich die Taucherbrille über die Augen und taucht ab. Kurz darauf steigen Wasserblasen an die Oberfläche, genau dort, wo Hesse gerade verschwunden ist.

Hesse ist Industrietaucher. Zusammen mit seinem Team bringt er ein Baugerüst im und um den Wassergraben vom Schloss Bodelschwingh in Dortmund an und muss es auch unter Wasser verankern. Nach und nach reichen ihm seine Kollegen die Gerüstteile ins Wasser. Und er taucht damit ab. "Das Gebäude steht auf Eichenpfählen mitten im Schlossteich. Deshalb ist das Aufstellen des Baugerüsts nicht nur die erste, sondern auch die schwierigste Phase des Renovierungsprojekts", erklärt Hesse.

Industrietaucher Martin Hesse über seine nächsten Arbeitsschritte

00:14 Min. Verfügbar bis 29.06.2027

Das Schloss Bodelschwingh in Dortmund ist eins von mehr als 2.200 Schlössern und Burgen in NRW, die es nach Angaben der Deutschen Burgenvereinigung gibt. Bodelschwingh gilt mit seinen Zinnen und Türmen samt Wassergraben als Idealbild eines Märchenschlosses. Schon häufiger war das Wasserschloss im Renaissancestil mit englischem Landschaftspark Kulisse für Garten- oder Weihnachtsmärkte. Bis 2027 sollen diese und ähnliche Veranstaltungen erst einmal pausieren. Denn das rund 700 Jahre alte Schloss muss saniert werden.

Schloss Bodelschwingh seit 1302 in Familienbesitz

Im Inneren von Schloss Bodelschwingh begutachten Mireta und Felix zu Knyphausen, die Eigentümer des Schlosses, derweil die Schäden an ihrem Zuhause. Putz bröselt von der Decke und legt die darunterliegenden Holzbalken frei. Einige Balken müssen bereits mit Stützvorrichtungen abgesichert werden, um das Mauerwerk zu stabilisieren. "Zwei Wochen nachdem wir ausgezogen sind, kam hier der Putz von der Decke", sagt der 49-jährige Felix zu Knyphausen. An der Fassade bilden sich inzwischen schwarze Flecken, das Dach ist undicht.

Ein Mann mit weißem Hemd und beiger Hose steht neben einer Frau mit blauem Hemd und beiger Hose, sie lehnen an einer Brücke, im Hintergrund sieht man ein Schloss samt Brücke aus Stein

Felix und Mireta zu Knyphausen lebten bis zum Sanierungsbeginn auf Schloss Bodelschwingh

Seit 1302 wird das Schloss Bodelschwingh von den Erbauern als Wohnsitz genutzt. Mireta und Felix zu Knyphausen leben in der 23. Generation mit ihren Kindern hier. Das Schloss ist damit eine der letzten Anlagen dieser Art im Ruhrgebiet, die sich noch in Privatbesitz befinden und bewohnt sind.

Schwierige Arbeitsbedingungen unter Wasser

Martin Hesse ist nach dem ersten Tauchgang noch nicht zufrieden. Er taucht kurz auf, hält Zwiegespräch mit einem Kollegen. "Ich tauch nochmal ab, ok?", ruft er ihm zu und ist wieder im Wasser verschwunden. Wenige Minuten später ist der zweite Tauchgang geschafft. Hesse steigt aus dem Wasser, stöhnt sichtlich geschafft und tritt die Treppen des Baugerüstes hinauf. "Durch den Schlamm sieht man kaum die Hand vor Augen. Da muss man sich an das Material herantasten."

Was sieht Martin Hesse unter Wasser?

00:21 Min. Verfügbar bis 29.06.2027

Hesse ist mit dem Tag zufrieden. Fünf Meter sind die Gerüstbauer weitergekommen. Es sei eine spannende Baustelle, sagt er, während er noch im Neoprenanzug gekleidet auf dem schon teilweise aufgebauten Gerüst in der Sonne steht. Für die Zeit der Renovierungsarbeiten, die mindestens zwei Jahre dauern sollen, muss die Familie zu Knyphausen aus dem Schloss ausziehen. Bei den Kosten für die Renovierung, insgesamt rund sieben Millionen Euro, unterstützen das Land NRW, die Stadt Dortmund sowie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Trotzdem kann nicht alles gerettet werden. Das marode Terrassendach wird beispielsweise weichen müssen.

Über dieses Thema haben wir auch am 06.06.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Dortmund, 19.30 Uhr.

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