Bewährungsstrafe für Dortmunder Raser
WDR. 02:31 Min.. Verfügbar bis 11.03.2028.
Der 21-Jährige Angeklagte wischt sich heute im Gerichtssaal mehrfach mit seinem Pulli die Tränen aus dem Gesicht. Als er heute im Amtsgericht Dortmund sitzt, weiß er noch nicht, ob er gleich zu einer Haft- oder Bewährungsstrafe verurteilt wird. Wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung hatte die Staatsanwaltschaft ihn angeklagt.
Video-Kamera hat Unfall gefilmt
Für den Richter ist unstrittig, dass der 21-Jährige am 29. Juni 2024 über eine rote Ampel gefahren ist und dabei mit 70 bis 90 Stundenkilometern, statt erlaubter 50, auch zu schnell war. Auch, dass er dabei den 11-jährigen Ionut Mihai und seine 15-Jahre alte Schwester erfasst und Rückstände von Cannabis im Blut hatte. Ein Gutachten und ein Video der Kamera an einer Haltestelle in direkter Nähe belegen das.
Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafe
Über eine Ampel zu fahren, die schon mindestens vier Sekunden lang rot zeigt, ist "grob fahrlässig", sagt Oberstaatsanwallt Carsten Dombert. Der Angeklagte habe "unter Rausch jemanden zu Tode gefahren." Zwei Jahre und 10 Monate Haft nach dem Erwachsenenstrafrecht, so die Forderung der Staatsanwaltschaft. Außerdem Führerscheinentzug für drei Jahre.
Richter sieht Reifeverzögerung bei Raser
Der Richter sieht allerdings eine sogenannte "Reifeverzögerung" bei dem 21-Jährigen und verurteilt ihn heute zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren nach dem Jugendstrafrecht. Außerdem wird ihm der Führerschein für drei Jahre entzogen.
Das war im Juni 2024 passiert:
Es ist ein warmer Sommerabend im Juni 2024, als Ionut Mihai und seine große Schwester Denisa auf dem Weg nach Hause sind. Sie wollen die Evinger Straße in Dortmund überqueren und zur Bushaltestelle auf der anderen Seite. Sie warten. Ein Auto hält an. Die Fußgänger-Ampel wird grün. Der 11-jährige Ionut Mihai und seine Schwester gehen los. Nur zwei, drei Schritte.
An der Evingerstraße in Dortmund fuhr der Fahrer den Jungen und seine Schwester an
Dortmunder erfasst die Geschwister mit seinem Auto
"Und plötzlich wurden wir von einem Auto erfasst und weggeschleudert. Danach wurde mir schwarz vor Augen. Ich weiß nicht für wie lange. Als ich aufstand, bin ich sofort zu meinem Bruder gerannt. Er wurde viel weiter weggeschleudert als ich. Ich ging zu ihm, um zu sehen, ob er zu sich kommt, aber leider bewegte er sich nicht. Dann legte ich seinen Kopf auf meinen Schoß und sah Blut", sagt die heute 17-jährige Denisa Mihai.
Die Familie des 11-jährigen Ionut trauert um ihn
Angeklagter bittet Familie um Verzeihung
Ionut Mihai wird schwerst verletzt ins Krankenhaus gebracht. Drei Tage später ist er tot. Denisa Mihai hat einen Fuß gebrochen und Prellungen.
Die Familie war Nebenkläger in dem Verfahren am Amtsgericht Dortmund. Vor Gericht sagte der Angeklagte aus, zu schnell gefahren zu sein. Er bereue das alles. Nachdem Ionut Mihai gestorben war, hat seine Familie Dortmund verlassen und lebt wieder in Rumänien. "Weil der Schmerz ohne ihn einfach zu groß ist", sagt sie.
Unsere Quellen:
- Reporterin im Gerichtssaal
- Rechtsanwalt der Familie
- Sprecher Amtsgericht Dortmund
Sendung: WDR 2 Ruhrgebiet, Lokalzeit, 28.4.2026, 14:31 Uhr
Sendung: WDR Lokalzeit Dortmund, 28.4.2026, 19:30 Uhr