Exil-Iraner in Dortmund sind enttäuscht

WDR 02:28 Min. Verfügbar bis 11.03.2028

Abkommen zwischen USA und Iran Exil-Iraner in Dortmund und Köln sind enttäuscht

Stand:

Das Abkommen zwischen der USA und dem Iran enttäuscht die Exil-Iraner in der Region. Das Regime in ihrem Herkunftsland bleibt.

Von
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Martin Wilger
und Bamdad Esmaili

Nahid Farshi schaut sich immer wieder Videos und Nachrichten aus ihrer Heimat Iran an. Sie selbst lebt seit den 80er Jahren in Dortmund, doch ihre Schwestern mit ihren Familien sind immer noch im Iran.

Die Angst um Freunde und Verwandte, ist ständiger Begleiter, denn unter dem iranischen Regime würden die Menschen dort in ständiger Gefahr leben. Als der Krieg begann, war darum ihre Hoffnung groß.

"Diesmal dachte ich wirklich, dass die Chance besteht, dass die Diktatur fällt, zumal ja auch die Weltengemeinschaft hingeschaut hat." Nahid Farshi, Exil-Iranerin

Die Hoffnung ist weg

Darum hält sie das Abkommen auch für eine Katastrophe. Denn der einzige Gewinner, so sagt sie uns, sei jetzt die Regierung und die Revolutionsgarde. Und die Repressionen würden jetzt noch schlimmer, glaubt sie. "Die Menschen haben vorher schon ihre Meinung laut kundgetan, im Taxi oder im Laden. Doch das passiert jetzt nicht mehr. Die Hoffnung ist weg."

Kontakt zur Familie im Iran schmerzt

Ähnlich sieht es auch Foad Gholinejad. Der 35-Jährige arbeitet als IT-Spezialist. Seine Eltern leben nach wie vor im Iran. Wenn er mit ihnen telefoniert, dann sei das auch immer hart für ihn selbst, denn Positives gibt es selten zu berichten.

Foad Gholinejad sitzt an einem Computer und blickt in die Kamera

Foad Gholinejads Eltern leben noch im Iran.

Die Menschen sind einfach zutiefst enttäuscht über die Entwicklung. "Der amerikanische Senator Lindsay Graham hat im Januar noch gesagt, Hilfe sei auf dem Weg für die Menschen im Iran. Davon ist nichts geblieben."

Öl- und Benzinpreise wichtiger als Menschen?

Was ihn besonders ärgert: Es sind tausende Menschen gestorben im Iran, durch Hinrichtungen oder erschossen bei Protesten. Doch die Schlagzeilen und Nachrichten würden dominiert von Öl- und Benzinpreisen. Es wäre besser gewesen, dieser Krieg hätte nicht stattgefunden, lautet daher auch sein Fazit. Denn für die Menschen dort hätte er alles nur noch schlimmer gemacht.

Dieses Gefühl haben auch die Iraner, die noch immer in ihrem Heimatland sind. Das zeigen Sprachnachrichten, die den WDR erreicht haben. Die Namen der Absender haben wir aus Sicherheitsgründen geändert.

"Die meisten haben die Hoffnung verloren, dass ein Krieg zu einem positiven Ergebnis führen könnte." Behruz

"Die meisten haben die Hoffnung verloren, dass ein Krieg zu einem positiven Ergebnis führen könnte", sagt Behruz aus Teheran. Statt politischer Debatten gehe es für viele Menschen um die Frage, wie sie ihren Alltag finanzieren können. Nach seinen Angaben verzichten inzwischen viele Familien auf Fleisch, Obst oder andere Lebensmittel, weil die Preise zu stark gestiegen sind.

Spannungen und Verhandlungen zermürben Menschen im Iran

Auch Ali aus Isfahan berichtet von einer anhaltenden Unsicherheit. Die Menschen gingen arbeiten, die Kinder zur Schule, die Geschäfte seien geöffnet. Doch die Inflation steige weiter, und viele wüssten nicht, wie es in den kommenden Monaten weitergeht. Der ständige Wechsel zwischen militärischen Spannungen, Waffenruhe und politischen Verhandlungen habe viele Menschen zermürbt.

Auch in Köln dreht sich vieles um den Iran

Porträt von Sepideh Hadadian beim Iranischen Filmfestival Köln 2026

Sepideh Hadadian sorgt sich um ihre Familie im Iran.

Auch beim iranischen Filmfestival in Köln sind viele Menschen, deren Familien weiterhin im Iran leben. Sepideh Hadadian berichtet von einer schlechten Versorgung mit Medikamenten und Preisen, die für viele kaum noch bezahlbar seien. "Die Stimmung schwankt zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit", sagt sie.

Porträt von Sima Kademlou beim Iranischen Filmfestival Köln 2026

Sima Kademlou beim iranischen Filmfestival Köln

Sima Kademlou sorgt sich vor allem um die Kinder ihrer Familie, die die Krisen und Unsicherheiten unmittelbar miterleben.

Behruz aus Teheran: "Der Krieg hat nichts gebracht"

Hoffnung, dass sich dieser Zustand bald ändern wird, hat Behruz aus Teheran nicht. Er sieht das neue Abkommen mit Skepsis. Niemand wisse, was genau vereinbart wurde. Sein Fazit fällt ernüchternd aus: "Niemand kann sich vorstellen, wie die Lage in sechs Monaten aussehen wird. Und wenn ich es ganz offen ausdrücken soll: Dieser Krieg hat den Menschen im Iran nichts gebracht."

Unsere Quellen:

  • Gespräch des WDR-Reporters mit Nahid Farshi
  • Gespräch des WDR-Reporters mit Foad Gholinejad
  • Sprachnachrichten von Menschen aus dem Iran
  • Gespräch mit Besuchern des iranischen Filmfestivals in Köln

Sendung: WDR.de, Exil-Iraner in Dortmund sind enttäuscht, 28.8.2026, 18:17 Uhr

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