Vorbildlich: in Dortmund-Lanstrop entstehen günstige Wohnungen in Rekordzeit
WDR. 03:14 Min.. Verfügbar bis 17.06.2028.
Jeden Morgen kommt Merle Ebmeier an der Baustelle an der Lanstroper Büttnerstraße vorbei. Sie geht zu Fuß, denn sie arbeitet in der benachbarten Grundschule. Für sie steht fest: Hier will sie einziehen. Die Architektur spricht sie an. Und es ist für sie die Chance, in ihrem Stadtteil wohnen zu bleiben.
Das Tempo der Bauarbeiten findet sie beeindruckend. "Jedesmal, wenn wir vorbeischauen, ist etwas Neues passiert.“ Die Mutter von drei Kindern lebt seit vielen Jahren in Lanstrop und arbeitet in der benachbarten Grundschule in der Offenen Ganztagsbereich. Trotz der großen Entfernung zur Dortmunder Innenstadt lebt sie gerne in Lanstrop. "Familie, Freunde, Sportverein, Ehrenämter: Das ist hier unser Lebensmittelpunkt“, sagt Merle Ebmeier.
Erfolglose Wohnungssuche seit Jahren
Doch ihre aktuelle Wohnsituation beschreibt sie als "nicht mehr länger zumutbar“. Seit mehr als drei Jahren sucht sie eine größere Wohnung - erfolglos. "Entweder liegen die Wohnungen weit außerhalb von Lanstrop oder sie sind für uns finanziell nicht bezahlbar.“ Deshalb sind die "Lanstroper Wohnhöfe“ für sie ein Glücksfall.
Merle Ebmeier ist kein Einzelfall. Immer wieder melden sich Interessenten und wollen wissen, wann die Gebäude bezugsfertig sind, bestätigt Architekt Marcus Patrias. "Es sind vor allem viele Familien aus der benachbarten Siedlung aus den 1960er Jahren.“
In Dortmund-Lanstrop sollen 143 Wohnungen im Rekordtempo entstehen.
Betonfertigteile machen Tempo auf der Baustelle
Die ersten Wohnungen werden vermutlich im kommenden Frühjahr fertig. Für Tempo auf der Baustelle sorgt der Einsatz von Betonfertigteilen für Außen- und Innenwände. Das eingesetzte Material ist zwar nicht billiger, aber die Bauarbeiten sind damit nicht mehr vom Wetter abhängig. Die Fertigteile werden in einer Fabrikhalle gegossen und können auch bei kühlen Temperaturen vor Ort montiert werden.
Diese Beschleunigung bedeutet für den Bauherren bares Geld. "Je schneller wir in die Vermietung kommen, desto besser rechnet sich das Projekt“, sagt Investor Hendrik van Elst und nennt noch einen weiteren Vorteil: Die Baustelle ist insgesamt leiser und stört die Nachbarschaft weniger.
Mit solchen Betonfertigteilen anstatt Steinen werden die Häuser gebaut.
Mustersiedlung mit historischem Vorbild
Die Muster-Siedlung im Dortmunder Nordosten ist ein ungewöhnliches Bauprojekt. Zwölf verschiedene Architekturbüros arbeiten hier zusammen und errichten je ein Gebäude. Insgesamt entstehen 134 Mietwohnungen. Vorbild für das Projekt ist die legendäre Stuttgarter "Werkbund-Siedlung" vor rund 100 Jahren unter der Führung des Bauhaus-Architekten Mies van der Rohe.
Zwei Drittel der Wohnungen werden mit öffentlichen Mitteln finanziert. Sie werden später zur Sozialmiete von etwa sieben Euro pro Quadratmeter angeboten. Bauherr ist die van-Elst-Gruppe aus Bergisch-Gladbach.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräche mit Architekten Norbert Post und Marcus Patrias
- WDR-Interview mit Merle Ebmeier
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 17.05.2026, 19.30 Uhr
