Waschmittel aus Efeu? Jugendliche zeigen ihre Erfindungen in Dortmund
Lokalzeit aus Dortmund. 18.02.2026. 02:26 Min.. Verfügbar bis 18.02.2028. WDR. Von Christof Voigt.
"Und das ist das Ergebnis," raunt Jurorin Prisca Weider immer noch fasziniert, während sie zwei Stofffetzen nebeneinander hält. Der eine ist strahlend weiß, mit einem roten Ketchupfleck. Der andere grün-grau wie Recycling-Toilettenpapier, aber ohne Ketchupfleck. Getestet haben die Juroren hier das Efeu-Waschmittel von Paul Mainusch und Fynn Aust aus Hattingen, beide zwölf Jahre alt.
Das Waschmittel der beiden hat den Ketchup restlos beseitigt. Und es ist wirklich nur aus dem Saft von Efeu. Steht der Sieger des "Jugend forscht"-Regionalwettbewerbs in ihrer Kategorie "Chemie" also schon fest? Da ist sich Paul noch nicht sicher: "Ich habe heute auch viele andere beeindruckende Sachen gesehen."
Wirtschaft braucht Forscher-Nachwuchs
Beim Wettbewerb in den Ausstellungshallen der DASA in Dortmund haben Kinder und Jugendliche aus dem Ruhrgebiet am Mittwoch insgesamt 50 Forschungsprojekte vorgestellt: von einem Mülleimer, der sich für Müll bedankt, über einen Apparat, der zum Beispiel in der Wüste Wasser aus der Atemluft filtert, bis hin zu Gefühlen von Katzen.
Der Wettbewerb soll, wie alle "Jugend forscht"-Wettbewerbe, Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaften begeistern. Und guter Forschernachwuchs hilft jedem, schreibt das Bundesforschungsministerium: "Deutschlands Wirtschaftsleistung basiert heute – und zukünftig noch stärker – auf Wissen, Technologien und Innovationen."
Paul und Fynn forschen nicht nur in der Schule
Pauls und Fynns Erfindung ist aber weniger als Wirtschaftsbooster gedacht. Ihr Waschmittel soll vor allem umweltfreundlicher sein als herkömmliche Mittel. Um mit Efeu zu waschen, haben sie einige Anläufe gebraucht. Seit einem halben Jahr forschen die beiden daran. Teilweise im Hattinger Gymnasium Holthausen mit ihren Lehrern, teilweise auch in ihrer Freizeit.
Fynn Aust (links) und Paul Mainusch zerstampfen das Efeu in Mörsern.
Erst haben sie Efeu gepflückt, es mit Sand in einen Mörser getan und zerdrückt. Dann haben sie das Efeu in ein Einmachglas mit Wasser, um den Saft herauszuziehen. Hierbei haben sie mal getrocknetes, mal frisches Efeu verwendet. Sie haben mit heißem und kaltem Wasser experimentiert, erklärt Fynn.
Die beste Kombi: getrocknetes Efeu und heißes Wasser. "Unser bester Sud," sagt Paul stolz über die grüne Flüssigkeit, die in einem ehemaligen Gewürzgurken-Glas vor ihnen steht.
Probleme: Krümel und Verfärbungen
Mörser, Sieb und Einmachglas - mehr braucht es nicht für das Efeu-Waschmittel.
Dann haben sie die zu waschenden Stoffe bei Zimmertemperatur in den Efeu-Sud eingelegt und geschüttelt. In Efeu sind Saponine, die wie Seife wirken. Ketchup- und sogar Ölflecken waren weg, der Stoff aber verfärbt und voller Krümel. Das Problem mit den Krümeln war schnell gelöst - Paul und Fynn sieben ihren Sud jetzt.
Die Verfärbungen bleiben aber erstmal. Bleichmittel kommt nicht infrage. Das Efeu-Waschmittel soll ja umweltfreundlicher sein als herkömmliches. Fynn und Paul wollen eine Methode entwickeln, den grüngrauen Ton mit Wasser auszuspülen. Ihr Endziel haben sie schon als Entwurf auf einem Plakat hinter ihnen: einen Waschmaschinentab mit ihrem Efeu-Sud.
"Ich fände das aber schon cool, mal so ein Startup zu gründen!" Paul Mainusch, Nachwuchsforscher
Fynn und Paul bei der Siegerehrung
Auch wenn es den noch nicht gibt: Fynn und Paul haben ihre Kategorie "Chemie" bei den unter 14-Jährigen gewonnen! Sie sind Mitte März beim NRW-Finale in Bochum dabei. "Es fühlt sich schon sehr, sehr cool an," sagt Paul nach der Siegerehrung. Er war dann am Ende doch überrascht als ihre Namen aufgerufen wurden.
"Die anderen machen Astrophysik oder Teilchenphysik. Ich hab nicht gedacht, dass wir da rankommen!" Ob Paul und Fynn mal Forscher werden wollen, wissen die beiden noch nicht. "Ich fände das aber schon cool, mal so ein Startup zu gründen," sagt Paul.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- WDR-Gespräche mit Teilnehmern Fynn Aust und Paul Mainusch
- Schulministerium NRW
- Bundesministerium für Bildung und Forschung
- WDR-Gespräch mit Dasa-Pressesprecherin Monika Röttgen
Sendung: WDR 2 Ruhrgebiet, Lokalzeit, 18.02.2026, 15.30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Dortmund, 18.02.2026, 19.30 Uhr
