Proteste gegen Castor Transporte | Aktuelle Stunde

03:18 Min. Verfügbar bis 27.08.2027

Nach genehmigten Atommülltransporten: Proteste geplant

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Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hat am Montag die umstrittenen Atommülltransporte vom rheinischen Jülich ins Zwischenlager Ahaus im Münsterland genehmigt. Jetzt sind spontane Proteste in Jülich und Ahaus angekündigt.

Mit scharfer Kritik haben Anti-Atomkraft-Initiativen auf die Genehmigung der Castor-Transporte von Jülich ins Münsterland reagiert. Und für heute sind spontane Proteste in Jülich und Ahaus angekündigt.

"Absolut unverantwortlich"

Man sei empört und halte die "riesige Castor-Lawine über die Autobahnen der Republik für absolut unverantwortlich", heißt es wörtlich in einer Mitteilung verschiedener Initiativen.

Ihre Forderung: Sofortige Gespräche mit Bund und Land - und, dass der radioaktive Atommüll so lange in Jülich gelagert wird, bis die Frage nach einem Endlager geklärt sei.

Mit Mahnwachen vor dem Zwischenlager Ahaus und dem Forschungszentrum Jülich wollen sie heute Abend gegen die Transporte protestieren. Außerdem soll es am Wochenende einen Sonntagsspaziergang am Zwischenlager Ahaus geben.

Genehmigung für Atommülltransporte am Montag erteilt

Die umstrittenen Atommülltransporte sollen von Jülich ins Zwischenlager nach Ahaus stattfinden. Das teilte das Bundesamt für die Sicherheit nuklearen Entsorgung (BASE) mit.

Die Strecke ist circa 170 Kilometer lang. Insgesamt sollen rund 300.000 Brennelemente-Kugeln aus einem früheren Versuchsreaktor in 152 Castor-Behältern in das Atommüll-Zwischenlager transportiert werden. Auch ein Transport mit insgesamt 10 Brennelementen aus Garching in Bayern nach Ahaus ist geplant.

Nach früheren Angaben des Bundesamtes sind Schwertransporte auf der Straße geplant. Demnach sind 152 Einzeltransporte aus Jülich beantragt worden, die aber gebündelt werden könnten. Es gebe vier geeignete Transportfahrzeuge, die je einen Behälter auf einmal transportieren könnten.

Starttermin steht noch nicht fest

Laut der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN), dem Auftraggeber, steht noch kein konkreter Starttermin für die Transporte fest. Die Genehmigung enthalte Nebenbestimmungen, die derzeit intensiv geprüft und umgesetzt würden. Zudem seien vor Transportbeginn weitere Abstimmungen mit der Atomaufsicht und den Polizeibehörden des Landes NRW nötig.

Hintergrund ist, dass das Zwischenlager in Jülich aufgrund einer Anordnung der NRW-Atomaufsicht geräumt werden muss. Im Dezember 2024 ist eine Klage gegen die Aufbewahrung des Atommülls in Ahaus vom Oberverwaltungsgericht in Münster abgelehnt worden.

Nach genehmigter Atommülltransporte: Proteste geplant

WDR Studios NRW 26.08.2025 00:43 Min. Verfügbar bis 26.08.2027 WDR Online

Stadt Ahaus will sich wehren

Der Stadt Ahaus liegt die Genehmigung aktuell noch nicht vor. Trotzdem hat sie bereits angekündigt, sich rechtlich gegen die weitere Lieferung von Atommüll zu wehren. "Wir werden uns dafür einsetzen, dass die berechtigten Interessen und Rechte der Stadt Ahaus gewahrt bleiben und deshalb entsprechende Rechtsbehelfsmöglichkeiten prüfen", erklärt der Erste Beigeordnete der Stadt, Manuel Benning.

NRW-Landesregierung hatte andere Pläne

Die NRW-Landesregierung hätte einen Neubau für ein Zwischenlager am Standort Jülich bevorzugt. Laut Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) hatte das Land zwei Grundstücke vorgeschlagen und bereits Ende 2022 Geld im Haushalt dazu eingeplant. Mit diesem Vorschlag hat sich Wirtschaftsministerin Mona Neubaur per Brief persönlich an den Bundesumweltminister gewandt.

Mona Neubaur (Grüne), NRW-Wirtschaftsministerin

NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne)

Allerdings sei diese Lösung auf Bundesebene nicht unterstützt worden. Neubaur erklärt: "Die Entscheidung des Bundes gilt es jetzt umzusetzen, mit größtmöglicher Sicherheit für die Menschen in NRW."

Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisiert Castor-Transporte

Der NRW-Landeschef der GdP, Patrick Schlüter, sieht die Polizei in NRW mit den Castor-Transporten vor einer enormen Herausforderung. Er bezeichnet die Transporte als "sinnlose Mammutaufgabe" und bezweifelt, dass sie in der vorgesehenen Zeit erfolgen können. Noch dazu sei die Infrastruktur marode und die Polizei komplett ausgelastet.

Mahnwachen angekündigt

Für den morgigen Dienstag sind in Jülich und Ahaus Mahnwachen angekündigt. Vor dem ersten Transport wird die Betriebsgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) zu einem öffentlichen Dialog in Ahaus einladen. Es gibt in Deutschland derzeit noch keine Endlager, in denen auf hunderttausende Jahre hinweg strahlender Atommüll sicher gelagert werden soll. Stattdessen gibt es 16 Zwischenlager, unter anderem das in Ahaus.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa
  • Pressemitteilung BGZ
  • Stadt Ahaus, Erster Beigeordneter Manuel Benning
  • NRW-Landesregierung, Wirtschaftsministerin Mona Neubaur
  • Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
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