Bielefelder Cold Case-Einheit wird geschlossen
WDR. 01:47 Min.. Verfügbar bis 27.05.2028.
Zwei alte Mordfälle aus den Jahren 1994 und 2003 konnten die Ermittler der Cold Case-Einheit lösen. Hier wurden die Tatverdächtigen ermittelt und vor Gericht gebracht.
"Es war ein Marathon, der uns oft alles abverlangt hat. Jede noch so aussichtslose Spur wurde abschließend bearbeitet und jeder Stein mindestens einmal umgedreht". Markus Mertens, Leiter der Ermittlungsgruppe Cold Case
Zwei Fälle landeten vor Gericht
1994 wurde ein Kioskbetreiber in Bielefeld überfallen und ermordet. Über 30 Jahre später konnten Spuren vom Tatort neu bewertet werden - Hautpartikel, die an einem Handschuh gesichert worden waren. Die Ermittler stießen auf einen heute 45-jährigen Mann aus Bielefeld und klagten ihn an.
Er soll den Kioskbetreiber ausgeraubt und erschlagen haben. Im Prozess dann die Wendung: Der Angeklagte war am Tatort und am Überfall beteiligt, den Mord begangen haben soll aber sein Kumpel. Ein Türke, der schon lange wieder in seinem Heimatland lebe und daher nicht belangt werden könne.
Eine Leiche, aber kein Verbrechen
Auch der Mord an Tino Werner aus Bad Driburg im Jahr 2003 konnte aufgeklärt werden. Erst vor rund einer Woche wurde am Landgericht Paderborn ein damaliger Nachbar von Tino Werner wegen Mordes verurteilt. Auch hier führten DNA-Spuren zu dem Ermittlungserfolg.
Bei dem Leichenfund im Godelheimer See in Höxter im Jahr 2001 war die Ermittlungsgruppe auch lange Zeit von einem Gewaltverbrechen ausgegangen. Mit Hilfe moderner DNA-Technik konnte das Aussehen des Opfers rekonstruiert werden.
Ein öffentlicher Aufruf der Polizei, ob sich jemand an das plötzliche Verschwinden einer Frau im Raum Höxter erinnern kann, brachte den Durchbruch. Eine Zeugin konnte sich an das plötzliche Verschwinden im Jahr 1988 einer Mitschülerin erinnern: Martina S., damals 25 Jahre alt. Eine Notiz, die damals von Mitbewohnern gefunden wurde, wird nachträglich als Abschiedsbrief interpretiert. Der Tod war ein Suizid, kein Mord. Für die Angehörigen hieß das: Nach fast 40 Jahren endlich Gewissheit.
Als die Angehörigen das gehört haben, waren sie natürlich betroffen. Der Verlust war sicherlich immer noch nicht vollständig verdaut. Aber es war auch spürbar, dass es auch zu einer großen Erleichterung geführt hat zu wissen, wo das Familienmitglied geblieben ist. Markus Mertens, Leiter der Ermittlungsgruppe
Cold Case Gruppe war über zwei Jahre aktiv
Die Cold Case-Einheit wurde im Oktober 2023 gegründet. Seitdem hat sie über 62 ungelöste Fälle untersucht und neue Ermittlungen geführt. In mehr als zehn Fällen führte das zu neuen DNA-Spuren, die eines Tages noch zu den Tätern führen können, so die Polizei Bielefeld. Die Gruppe stellt ihre Arbeit jetzt erst einmal ein, weil alle Altfälle aufgearbeitet wurden.
In mehreren Cold Case-Fällen der Einheit stehen noch Ergebnisse von Laboruntersuchungen aus. Sollten da Treffer drunter sein, kümmert sich künftig das Kriminalkommissariat 11 des Polizeipräsidiums Bielefeld darum. In der Cold Case-Einheit waren erfahrene Ermittler und sogenannte Senior-Experts, das sind erfahrene und pensionierte Kriminalbeamte.

