Mord an Kioskbetreiber in Bielefeld vor 31 Jahren: Nun startet Prozess
Lokalzeit OWL. 07.10.2025. 02:32 Min.. Verfügbar bis 07.10.2027. WDR. Von Oliver Köhler.
Im Frühjahr 2025 gab die Polizei Bielefeld eine Erfolgsmeldung heraus: Nach mehr als drei Jahrzehnten konnte ein Verdächtiger festgenommen werden, der für den Tod eines damals 67-jährigen Kioskbetreibers im Ortsteil Oldentrup verantwortlich sei. Der Vorwurf: Er soll am 13. Juli 1994 den kleinen Kiosk überfallen, den Kioskbetreiber schwer verletzt haben und dann mit einem geringen Bargeldbetrag geflüchtet sein. Der Kioskbesitzer starb an seinen schweren Kopfverletzungen. Seit einem halben Jahr sitzt der heute 45-Jährige nun wegen Mordes in Untersuchungshaft. Heute beginnt der Prozess gegen ihn.
Verhandlung nach Jugendstrafrecht
Der Gerichtsprozess wird nicht öffentlich sein. Grund ist das Alter des Angeklagten zum Tatzeitpunkt. Damals war er 15 Jahre alt. Obwohl der Mann mittlerweile erwachsen ist, sieht das Gesetz vor, dass er vor einer Jugendkammer angeklagt wird. Das bedeutet nicht nur den besonderen Schutz seiner Persönlichkeit, sondern im Fall einer Verurteilung wegen Mordes auch eine Höchststrafe von "nur" 10 Jahren Haft.
Mordfall neu aufgerollt
Die Polizei Bielefeld hat eine spezielle Abteilung, in der ungeklärte Altfälle, so genannte "Cold Cases" behandelt werden. Der Fall des ermordeten Kioskbetreibers gehört dazu. Im Januar 2025 nahmen sich Ermittler noch einmal die Spuren vor.
Sie konzentrierten sich auf einen Arbeitshandschuh, der damals am Tatort sichergestellt worden war. An der Außenseite klebte Blut des Opfers. Die Vermutung: Der Täter trug den Handschuh bei der Tat, zog ihn aber aus, um Geld aus der Kasse zu nehmen. Dann vergaß er ihn wohl am Tatort.
DNA-Treffer führte zum Verdächtigen
Auf diesen Arbeitshandschuh hatte vor mehr als 30 Jahren jemand die Initialen "M.T." geschrieben. Außerdem konnten damals Hautpartikel an der Innenseite gesichert werden. Doch erst jetzt gelang es beide Spuren zu einem Gesamtbild zusammenzufügen.
Mit modernen Analysetechniken konnte aus den Hautpartikeln die DNA des Spurenlegers entschlüsselt werden. Parallel führte eine Abfrage in der Einwohnermeldedatei von 1994 zu einer Person mit den Initialen "M.T.". Der genetische Fingerabdruck dieser Person passte zwar nicht zu 100 Prozent, die weiteren Ermittlungen führten aber zu einem engen Verwandten. Diesem Verwandten wird nun der Mord vorgeworfen.
Familie offenbar vollkommen überrascht
Mehr als 30 Jahre lebte der mutmaßliche Mörder unbehelligt weiter. Seine Festnahme hat sein persönliches Umfeld augenscheinlich vollkommen überrascht. Die Familie versucht nun, in der Öffentlichkeit unerkannt zu bleiben. Eine Interviewanfrage des WDR über einen der Verteidiger wurde abgelehnt.
Dieser ließ lediglich durchblicken, dass er im nicht öffentlichen Prozess eine schriftliche Erklärung für seinen Mandanten gegenüber der Jugendstrafkammer abgeben wolle. Das Landgericht Bielefeld hat für den Fall insgesamt vier Verhandlungstage angesetzt.
Unsere Quellen:
- Landgericht Bielefeld
- Polizei Bielefeld
- Gespräch mit dem Verteidiger des Angeklagten
Über dieses Thema berichten wir auch am 07.10.25 in der Lokalzeit OWL im WDR-Fernsehen um 19:30 Uhr, sowie im WDR Hörfunk.
