Eine Frau sitzt mit Kopf in den Händen einsam am Fenster

50 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben Angst.

Bielefelder Studie zur "Gen Alpha" Äußerlich cool - innerlich gestresst

Stand:

Sie wachsen mit Smartphones auf, kennen die Welt per Fingertippen und wirken oft erstaunlich selbstbewusst. Die Generation Alpha – also die Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 16 Jahren. Doch eine Studie der Universität Bielefeld enthüllt ein ganz anderes Bild. Hinter dem selbstbewussten Lächeln vieler Kinder verbergen sich Ängste, Selbstzweifel und der Druck, alles richtig machen zu müssen.

Die Zahlen der Studien wirken zunächst beeindruckend: 96 Prozent der Jugendlichen sind überzeugt, gute Eigenschaften zu besitzen, und 88 Prozent glauben, vieles mindestens genauso gut zu können wie ihre Mitmenschen. Doch auch die Kehrseite ist deutlich sichtbar: Jeder zweite Jugendliche gibt an, häufig Angst zu haben, etwas falsch zu machen. Mehr als die Hälfte fühlt sich zeitweise von den Erwartungen der Eltern überfordert.

„Die Ergebnisse widersprechen der einfachen Erzählung von einer selbstbewussten, digital souveränen Generation. Viele Jugendliche wirken nach außen stark, beschreiben innerlich aber Unsicherheit, Druck und Zweifel.“ Prof. Holger Ziegler, Studienleiter, Universität Bielefeld

Und - das alarmiert regelrecht: Rund ein Viertel der Jugendlichen berichtet, Schwierigkeiten beim Lösen von Problemen oder beim Umgang mit neuen Situationen zu haben. Ebenso viele fühlen sich zeitweise sogar nutzlos.

Social Media schluckt Selbstwert

Die Generation Alpha ist die erste Generation, die von Beginn an komplett digital aufwächst. Doch die steigenden Bildschirmzeiten gehen zu Lasten des Selbstwerts, das zeigt die Studie: Bei Jugendlichen mit sechs oder mehr Stunden Social-Media-Nutzung pro Schultag ist der Anteil mit geringem Selbstwert fast dreimal so hoch, wie bei Jugendlichen mit weniger als zwei Stunden Nutzung, heißt es.

Überraschung: Die wichtigsten "Influencer" sitzen am Küchentisch

Eine weitere Überraschung der Studie: Die größten Vorbilder der Generation Alpha sind nicht zwingend Stars, Influencer oder Millionäre. 76 Prozent der Kinder und 64 Prozent der Jugendlichen haben ein Vorbild im privaten Umfeld. Am häufigsten wurden hier Eltern genannt.

Ruhm, Schönheit oder Luxus spielen dabei kaum eine Rolle. Stattdessen bewundern junge Menschen tugendhafte Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Verständnis, Fürsorge und Verlässlichkeit.

"Selbstwert entsteht nicht dadurch, imaginierten Hochglanzwelten nachzuträumen. Er entsteht am Küchentisch, im Gespräch, im Alltag. Dort, wo ein Kind merkt: Jemand sieht mich. Jemand glaubt an mich. Jemand gibt mich nicht auf". Bernd Siggelkow, Gründer von „Die Arche“

Für die repräsentative Studie unter Leitung der Universität Bielefeld wurden deutschlandweit 1059 Kinder und Jugendliche befragt.

Selbstbewusst nach außen – unter Druck im Inneren

WDR 16.06.2026 00:22 Min. Verfügbar bis 15.06.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Sozialstudie "Selbstwert und Vorbilder" unter Leitung der Universität Bielefeld

Sendung: WDR 2 Ostwestfalen-Lippe, Lokalzeit, 16.06.2026, 12:31 Uhr

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