Gutachter im Prozess um Solingen-Anschlag: Täter voll schuldfähig
Lokalzeit Bergisches Land. 02.09.2025. 00:44 Min.. Verfügbar bis 02.09.2027. WDR.
Er sei zwar unterdurchschnittlich intelligent, aber er sei weder geistig behindert, noch leide er an psychischen Erkrankungen. Der heute 27-jährige Issa Al H. ist während seiner Untersuchungshaft mehrfach psychiatrisch untersucht worden. Die Ergebnisse sind am Dienstag vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf vorgestellt worden. Sie sind nicht nur wichtig für das Strafmaß.
Hallo, ich bin Issa. Ich habe drei Leute umgebracht und bekomme bestimmt 80 Jahre [Haft]. Ich warte eigentlich nur noch auf den Tod. Issa Al H., Angeklagter
Mit diesen Worten hat sich der Messerattentäter dem Psychiater drei Monate nach der Tat im Gefängnis vorgestellt. Während der Gespräche, so berichtet der Gutachter, sei Issa Al H. sehr redselig gewesen.
Er habe – ähnlich wie auch schon im Prozess – das Leid der Kinder in Gaza als Auslöser und Rechtfertigung für seine Tat genannt. Er habe Rache an Deutschland nehmen wollen, weil das Land Israel weiter mit Waffen unterstützt. Durch radikale Internet- und Chatinhalte sei er „gehirngewaschen“ worden.
Erkenntnisse zur Terrorprävention
Das Gutachten ist nicht nur wichtig für das Strafmaß gegen den Täter. Die Erkenntnisse sollen den Ermittlungsbehörden auch helfen, künftige Anschläge zu verhindern. Bei Issa Al H. gab es im Vorfeld keinerlei Hinweise auf eine Radikalisierung. Er war bei der Polizei nicht als Straftäter bekannt und auch sonst nicht durch radikale Äußerungen auf dem Schirm der Ermittlungsbehörden.
Der Sicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf von außen
Obwohl die Tat nicht wie Anschläge in Paris oder Nizza direkt vom sogenannten Islamischen Staat (IS) organisiert wurde, hat Issa Al H. den Anschlag eigenständig und unabhängig von der Terrororganisation geplant. Gleichzeitig ist er offenkundig durch Gewaltvideos und religiöse Internetinhalte, die durch den IS veröffentlicht wurden, zu der Tat motiviert worden und hat aktiv den Kontakt gesucht.
Gutachter sieht weitere Gefahr
Der Täter gilt als impulsiv und anfällig für dschihadistische Gedanken. Der Gutachter konnte in den Gesprächen mit Issa Al H. keine Reue für seine Tat erkennen. Obwohl der syrische Asylbewerber vorher nicht straffällig geworden ist, sieht der Psychiater auch in Zukunft ein erhöhtes Risiko für weitere Straftaten.
Die Beweisaufnahme vor dem Oberlandesgericht wird voraussichtlich am Dienstag geschlossen. Nach dem derzeitigen Plan, sollen am Mittwoch die Plädoyers gehalten werden und in der nächsten Woche könnte das Urteil fallen.
Issa Al. H. ist angeklagt wegen dreifachen Mordes, zehnfachen Mordversuchs und Mitgliedschaft in der Terroristischen Vereinigung Islamischer Staat. Er soll im August 2024 die Besucher eines Stadtfests mit einem Messer angegriffen haben.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort