Messerangriff in Solingen: Angeklagter äußert sich überraschend
01:29 Min.. Verfügbar bis 26.08.2027.
Messerangriff in Solingen: Angeklagter äußert sich überraschend
Stand:
Der Attentäter von Solingen hat sich heute überraschend zu den Motiven seines Messeranschlags geäußert. Vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf gab er in einem politisch und islamistisch geprägten Redeschwall dem Staat die Schuld für den Angriff.
Der 27 Jahre alte Syrer, der auf dem Solinger Stadtfest 2024 mutmaßlich drei Menschen erstochen hat, wollte sich ursprünglich nach Angaben seines Anwalt nicht weiter äußern. Doch dann platzte es doch aus ihm heraus.
"Der Staat hat Schuld"
Issa al.H. hielt gestikulierend einen mehrere Minuten langen Vortrag über die Angriffe der Amerikaner auf den Irak und über den Krieg, den Israel in Gaza führt. Weil Deutschland Waffen an Israel liefere, trage der Staat die Verantwortung für seine Tat, so die Begründung. Er habe es nicht ertragen können, dass Menschen in Deutschland tanzten, während in Palästina Kinder getötet würden.
Auf die Frage des Richters, wie er heute dazu stehe, sagte Issa al H.: "Ich will in den Knast und nicht mehr darüber sprechen."
Stadtfest in Solingen war zufällig
Auch zur Auswahl des Anschlagsortes äußerte sich der mutmaßliche Täter: Eigentlich habe er vor gehabt, aus Rache an den toten Kindern einen Molotow-Cocktail auf die israelische Botschaft in Berlin zu werfen.
Eher zufällig habe er dann den Aufbau des Stadtfestes in Solingen, seinem Wohnort, bemerkt. Die Vorbereitung des Anschlags und die Kontaktaufnahme zu Vertretern des ‚Islamischen Staat‘ habe er erst wenige Tage vor dem Anschlag begonnen.
Unerträglich für die Opfer
Simon Rampp und Carola Drewes, Anwälte der Nebenklage
Auf die Frage des Richters, ob denn aus seiner Sicht die Toten und verletzten Menschen vom Fronhof etwas an dem von ihm kritisierten Unrecht in Gaza ändern würde, antwortete der Anklagte: "Natürlich nicht", weil aber Deutschland Waffen an Israel liefert, sei der Staat schuld daran, dass er den Anschlag begangen habe.
Die Anwälte der Opfer bezeichneten die Aussagen als erschreckend und bedrückend. Simon Rampp sagt dazu: "Ich glaube wir werden niemals an den Punkt kommen, wo wir einen radikalisierten Attentäter auch nur ansatzweise begreifen können."
Für die Verletzten und Hinterbliebenen forderten die Nebenklagevertreter in einem sogenannten Adhäsionsantrag heute Schmerzengeld von bis zu 200.000 Euro pro Person. Allerdings wissen die Betroffenen, dass sie bei einem Schuldspruch wohl nichts bekommen, weil Issa al H. als mittellos gilt.
Unsere Quelle:
- WDR-Reporter im Gericht