Urteil im Poser-Prozess erwartet | WDR aktuell
WDR. 02:27 Min.. Verfügbar bis 07.05.2028.
Dem Angeklagten wird vorgeworfen, vor einem Jahr mit seinem Auto bei Vollgas und eingeschlagener Lenkung die 19-jährige Hanna und eine Freundin in Remscheid erfasst zu haben. Hanna starb dabei. Im Mord-Prozess vor dem Wuppertaler Landgericht fordert die Staatsanwaltschaft nun lebenslange Haft für den Angeklagten.
Klare Worte vom Staatsanwalt: Der Angeklagte habe heimtückisch und aus niederen Beweggründen gehandelt - einzig, um anzugeben. Der damals 24‑Jährige habe ohne Rücksicht auf Verluste beschleunigt und Zufallsopfer bewusst in Kauf genommen.
Staatsanwaltschaft fordert lebenslanges Fahrverbot
Die Richter könnten am Donnerstag ein Zeichen setzen
Zudem habe er zu keinem Zeitpunkt gebremst oder aktiv den Fuß vom Gaspedal genommen. Er dürfe Zeit seines Lebens keinen Führerschein mehr erhalten. Die Staatsanwaltschaft setzt voraus, dass man bei einer derart riskanten Fahrweise stets damit rechnen müsse, dass es zu tödlichen Unfällen wie dem vom 30.04.2025 kommen könne.
Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis eines der Fahrmanöver des Angeklagten zu einem tödlichen Unglück führe. Er wäre eine "tickende Zeitbombe", so der Staatsanwalt. Dies werde auch durch Videos auf dem Handy des Angeklagten belegt, auf denen er sich selbst beim Rasen gefilmt habe.
Verteidigung widerspricht Mordvorwurf
Angeklagter und Verteidiger beraten sich bei Prozess um tödliche Poserfahrt
Die Verteidigung zeichnete ein anderes Bild. Der Angeklagte habe zwar grob rücksichtslos gehandelt, jedoch nicht vorsätzlich getötet. Im Autoverkehr bestehe immer Gefahr - nicht erst durch riskante Fahrmanöver.
An einer Freiheitsstrafe gehe aus Sicht der Verteidiger dennoch kein Weg vorbei, eine Verurteilung wegen Mordes sei jedoch nicht gerechtfertigt.
Überlebende schildert lebenslange Folgen
Besonders emotional war die Erklärung der Überlebenden: "Heute stehe ich hier als Nebenklägerin, als jemand, der überlebt hat - meine Freundin Hanna hat das nicht", sagte sie vor Gericht. "Kein Urteil bringt Hanna zurück, aber ich wünsche mir, dass die Tragweite dessen ein Zeichen setzt."
Sie machte deutlich, dass ihr Leben nie wieder unbeschwert sein werde.
Hannas Mutter fordert klares Signal der Justiz
Auch Hannas Mutter wandte sich mit emotionalen Worten an das Gericht. Sie erklärte, sie lebe mit dem bleibenden Schmerz, ihr Kind nicht beschützt zu haben.
"Unsere Straßen dürfen kein Ort sein, an dem Rücksicht erst dann beginnt, wenn ein Mensch tot ist." Hannas Mutter
Der Angeklagte bat bei seinem letzten Wort um Verzeihung. Er äußerte sein Bedauern über die Tat und das Leid der Hinterbliebenen, jedoch ohne den Mordvorwurf anzuerkennen.
Das Urteil im Poser‑Prozess wird heute erwartet. Der Fall hat bundesweit Aufmerksamkeit erregt und könnte richtungsweisend für die rechtliche Bewertung extrem rücksichtsloser Raserdelikte sein.
Hinweis der Redaktion vom 05.05.2026, 13:27 Uhr
In einer früheren Version dieses Artikels haben wir berichtet, dass das Urteil für Mittwoch erwartet wird. Der letzte Prozesstag ist aber für Donnerstag festgelegt. Wir haben das an der entsprechenden Stelle korrigiert.
Unsere Quellen:
- Eindrücke der WDR-Reporter vor Gericht
Sendung: WDR.de, Staatsanwalt: Angeklagter wollte nur angeben, 05.05.2026, 12:58 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 05.05.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 07.05.2026, 12:45 Uhr
