Poser-Prozess: Videos zeigen den Wagen vor dem Aufprall

00:44 Min. Verfügbar bis 20.02.2028

Poser-Prozess: Videos erschüttern das Gericht

Stand:

Der Wuppertaler Mord-Prozess gegen einen 25-Jährigen führt erschütternde Handyvideos vor: extreme Raserei durch Remscheid und Solingen. Der Angeklagte soll tödliche Folgen billigend in Kauf genommen haben, so die Anklage.

Hanna (19) stirbt, ihre Freundin überlebt schwer verletzt, als beide das Auto des Angeklagten erfasst. Laut Anklage nahm der 25-Jährige das billigend in Kauf, als er mit seinem Auto "posen", also angeben wollte. Er gab zu, das Gaspedal durchgetreten und das Lenkrad herumgerissen zu haben, sodass sein hochmotorisierter Mercedes ausbrach - mit den fatalen Folgen.

Für ihn geht es um viel: Die Staatsanwaltschaft hält die Tat für Mord, er selbst hat gesagt: "Ich bin kein Mörder." Die Verteidiger dürften eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung anstreben.

Erschreckende Videos

Vor Gericht wurden heute einige Videos gezeigt, die den Angeklagten am Steuer seines 640 PS starken Mercedes zeigen. Sie stammen allesamt von dessen Handy. Zum Teil filmte er die vom Fahrersitz aus - für den Staatsanwalt nur ein weiterer Straftatbestand. Verwandte und Freunde der beiden Opfer schockierten die Videos: Mit Tempo 150 durch Remscheid oder Solingen, auf einer Autobahn zeigt der Tacho an die 300 km/h und mehr.

Waghalsige Landstraßenfahrt

Dann ein Video von einer Landstraße. Der Angeklagte verfolgt einen Motorradfahrer. Um dran zu bleiben unternimmt er ein sichtbar gefährliches Überholmannöver. "Das ist auf der B258 bei Ahrweiler", sagte Staatsanwalt Patrick Scheffels Penders, "da sind 100 erlaubt. Er fuhr 134 km/h und geriet in den Gegenverkehr." Ein entgegenkommendes Auto habe auf den Standstreifen ausweichen müssen.

Mord oder fahrlässige Tötung?

Totale aus dem Gerichtssaal. Angeklagter, Richter und Anwälte stehen an ihren Plätzen.

Im Prozess wurden heute Videos gezeigt.

Besonders schwer könnten auch Aufnahmen aus Remscheid-Lennep wiegen. Auf der dortigen Karlstraße, also direkt an der späteren Unfallstelle, wird der Angeklagte in seinem Mercedes gefilmt. Mit lauten Knallgeräuschen gibt er Gas und "driftet" mit quietschenden Reifen.

Für das Gericht könnte das in der späteren Bewertung heißen: Er kannte die Örtlichkeit und hätte sich der Risiken seiner Fahrweise bewusst sein müssen. Der Prozess wird mit drei Terminen in der kommenden Woche fortgesetzt.

Quellen:

  • Landgericht Wuppertal
  • Staatsanwaltschaft Wuppertal
  • WDR Reporter bei Gerichtsverhandlung

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land , 20.02.2026, 18:09 Uhr

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