Bergische Fahrschulen haben Bedenken
WDR. 03:12 Min.. Verfügbar bis 08.06.2028.
Wenn Lisa Janzik mit ihren Fahranfängern unterwegs ist, bleibt ihr Puls unten. Es gibt kaum Situationen, die sie nicht kennt: Vorfahrt missachten, geschnitten und ausgebremst werden, nicht schnell genug beschleunigen - vor allem die Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr ist ihr mehr als vertraut. "Wenn man täglich stundenlang im Auto sitzt, bleibt das nicht aus“, sagt sie.
Eltern bleiben da in der Regel nicht so gelassen. Aber wenn jetzt tatsächlich ab 2027 die Praxisstunden mit den Fahrlehrkräften deutlich reduziert werden, dann könnte sich das im Straßenbild noch mal ganz anders auswirken. "Ich habe auf meiner Seite Kupplung und Bremse und wenn’s eng wird, kann ich eingreifen. Das können Eltern nicht."
Reform soll Kosten für den Führerschein reduzieren
Trotzdem will Verkehrsminister Patrick Schnieder enge Bezugspersonen oder Eltern für die Fahrpraxis von Anfängern einsetzen - um die Kosten für den Führerschein zu reduzieren. Es wird zwar weiterhin Sonderfahrten in der Nacht, über Land und auf der Autobahn geben, aber auch die Theoriestunden in Präsenz sollen wegfallen - genauso wie ein Drittel der Theoriefragen. Die praktische Fahrprüfung soll auch kürzer werden.
"Die Eltern wissen oft selbst nicht, wie es richtig geht. Der Prüfer aber schon. Und der Prüfer entscheidet." Lisa Janzik, Fahrlehrerin
Fahrlehrerin Lisa Hanzik sieht die Schulungen durch Eltern kritisch
Lisa Janzik sieht das kritisch. Der Straßenverkehr vor allem in den Großstädten sei komplex, Verkehrsregeln in die Praxis umzusetzen erfordere Übung. "Die Eltern wissen oft selbst nicht, wie es richtig geht." Außerdem sei nicht geregelt, wer im Fall eines Unfalls für den Schaden aufkomme.
Eltern könnten Verkehrsregeln falsch beibringen
Nele Kotysch hat ihren Führerschein schon eine Weile und hält auch nichts davon, bei den Eltern zu lernen. "Mein Vater hat den Führerschein vor 40 Jahren gemacht, der weiß doch nicht, was sich verändert hat und hätte mir das am Ende falsch beigebracht." Außerdem findet sie die Reform ungerecht, weil sie diejenigen ausklammert, die niemanden zur Unterstützung haben.
Fahranfängerin Nele Kotysch sieht die Reform kritisch
Ihre Mutter habe beispielsweise keinen Führerschein. "Und wenn beide Eltern keinen Führerschein oder kein Auto haben, muss man ja doch wieder zur Fahrschule." Richtig findet sie aber die Abschaffung der Präsenz im Theorieunterricht und die Reduzierung der Theoriefragen.
Führerschein-Kosten sind individuell
Auch Lisa Janzik findet die geplante Anpassung der Theoriefragen gut. In der Praxis erlebt sie aber immer wieder: Wie teuer ein Führerschein tatsächlich wird, ist ganz individuell. "Viele trödeln auch und fahren nicht kontinuierlich - und dann vergessen sie viel auch wieder."
Sie habe immer wieder Fahrschüler, die über den Sommer vor dem Ausbildungsbeginn sehr schnell den Führerschein machten - und deutlich weniger zahlten. "Das Lerntempo für den Führerschein ist ganz individuell".
