Prozess Poser Remscheid: Gutachter abgelehnt

02:16 Min. Verfügbar bis 06.02.2028

Gutachter in Remscheider Prozess um tödliche Alkoholfahrt abgelehnt

Stand:

Im Prozess um einen tödlichen Unfall in Remscheid muss der Unfall- Gutachter ausgetauscht werden.

Die 19 Jahre alte Hanna stirbt nach einem Unfall im Mai 2025 in Remscheid. Ein Auto erfasst sie und ihre Begleiterin nach einem Fest. Der 25 Jahre alte Fahrer muss sich dafür vor dem Wuppertaler Landgericht verantworten.

Gutachter gegen Angeklagten?

Die Verteidigung hatte schon am ersten Prozesstag einen Befangenheitsantrag gegen den unfallanalytischen Gutachter gestellt. Er sei nicht neutral dem Angeklagten gegenüber und habe "ganz klar zu erkennen gegeben, in welchem Lager er steht." Seine Pflicht sei aber sowohl belastende als auch entlastende Beweise festzutellen, so die Verteidiger. Dem folgte das Gericht am Freitag.

Bald neuer Gutachter

Denn bei einem Sachverständigen reicht schon "die Besorgnis" der Verteidigung, er könne nicht neutral sein. Die Schwurgerichtskammer muss jetzt einen anderen Unfall-Experten finden, der dann im weiteren Verlauf des Prozesses als Gutachter auftreten muss.

Unterschiedliche Erinnerungen

Zuvor hatten Mitfahrende des Angeklagten ausgesagt. Sie saßen bei dem 25-Jährigen im Auto, als der hochmotorisierte Mercedes Hanna und ihre Freundin erfasste. Sie sagten unter anderem, der Angeklagte sei nicht schnell gefahren. Die Lautstärke des Motors habe vielleicht diesen Eindruck erwecken können. Alle sagten den Richtern, an den Zusammenprall mit den jungen Frauen hätten sie keine Erinnerung. Anders die Augenzeugen, die am zweiten Prozesstag ausgesagt hatten:

Prozess Poser Remscheid: Zeugenaussagen

Lokalzeit Bergisches Land 02.02.2026 00:48 Min. Verfügbar bis 02.02.2028 WDR Von Wolfram Lumpe

Zum Teil unter Tränen schilderten sie Schock und Fassungslosigkeit. Sie mussten miterleben, wie zwei junge Frauen in der Nacht zum 01. Mai 2025 regelrecht durch die Luft flogen, als das Unfallauto sie erfasst hatte. Die 19-jährige Hanna erlag damals nach einigen Tagen ihren schweren Verletzungen, ihre Freundin überlebte schwer verletzt. "Ich erinnere mich ab da nicht an alles, weil ich eine Panikattacke bekommen habe," so eine 20 Jahre alte Zeugin.

Über das Verhalten des Angeklagten nach dem Zusammenprall sagte eine andere Zeugin: "Ich weiß nicht, ob er nicht realisiert hat, was er gemacht hat." Er sei einige Meter weitergefahren, dann aber zum Unfallort gekommen. Es hieß heute auch, dort habe er die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

Alkoholgenuss vor dem Unfall

Während des Prozesses wurde bereits klar, dass der 25-Jährige in Lennep kein Unbekannter ist, ebenso wenig wie sein mehr als 600 PS starkes Auto. So hatten mehrere Zeugen ihn auch auf dem Fest in den 1. Mai, am Abend vor dem Unfall-Geschehen, bemerkt. "Er war vorher immer nah an der Theke. Ich habe gesehen, dass er Bier getrunken hat." Eine andere Zeugin sagte aus, er habe "immer ein Bierglas in der Hand" gehabt.

Kranz der Freiwilligen Feuerwehr

Trauer um Hanna: Die Anteilnahme in Remscheid war groß

Laut Anklage ergab eine Blutprobe beim Unfall-Fahrer 1,46 Promille. Übereinstimmend auch die Schilderung mehrerer Zeugen der letzten Meter vor dem tragischen Ausbrechen des Fahrzeugs: Der Angeklagte sei "Zickzack" oder in "Schlangenlinien" gefahren. Das in Lennep bekannte Auto habe laute Geräusche gemacht, "Poser-Geräusche".

Detaillierte Nachfragen

Bei allen Zeugen gab es detaillierte Nachfragen: Was genau haben sie in den Sekunden und Minuten vor dem Zusammenprall gesehen? Das auch vom bisherigen unfallanalytischen Sachverständigen. Denn auf dem Weg zum Urteil ist eine Frage wichtig: Hatte der Angeklagte die Chance, das Fahrmanöver abzubrechen? Wenn das so war, wäre es Mord gewesen, so wie die Staatsanwaltschaft es sieht.

Oder konnte er das Ausbrechen des Hecks nicht verhindern? Dann wäre es fahrlässige Tötung - mit einer deutlich geringeren Straferwartung im Fall einer Verurteilung. Für die nächsten Verhandlungstage ist auch deswegen eine große Zahl weiterer Zeugen geladen.

Viel Hilfe am Unfallort

Trotz aller Tragik gab es am zweiten Verhandlungstag doch einen Lichtblick: Mehrere der Zeugen sagten, sie seien ohne zu Zögern zu den beiden Opfern gegangen, um Erste Hilfe zu leisten. Damit seien sie nicht alleine gewesen: Viele der Anwesenden hätten sich um die damals 17-Jährige und die später verstorbene Hanna gekümmert, bis die Rettungskräfte eintrafen.

"Ich bin kein Mörder": Prozess um tödliche Poser-Fahrt in Wuppertal

WDR Studios NRW 06.02.2026 00:55 Min. Verfügbar bis 06.02.2028 WDR Online

Quellen:

  • Landgericht Wuppertal
  • Staatsanwaltschaft Wuppertal
  • WDR Reporter bei Gerichtsverhandlung

Sendung: WDR 2 Rheinland, Lokalzeit Bergisches Land, 06.02.2026, 17.30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land , 06.02.2026, 19.30 Uhr

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