Remscheiderin ist die beste Büchsenmacherin in NRW
04:07 Min.. Verfügbar bis 27.04.2028.
Frau in Männerdomäne : Remscheiderin ist die beste Büchsenmacherin in NRW
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Shirley Weber aus Remscheid hat einen ungewöhnlichen Beruf gelernt. Sie ist Büchsenmacherin, sogar die Beste in NRW. Die 21-Jährige entwickelt Schusswaffen - für die Jagd und für das Sportschießen. Bis sie ihren Traumberuf aber lernen konnte, war es ein schwieriger Weg. Davon abbringen ließ sie sich jedoch nie.
Shirley Weber sitzt an einer Werkbank. Vor ihr viel Werkzeug, vor allem Schraubendreher, die kleinen. Es geht um Feinmechanik. Auf der Arbeitsunterlage vor ihr ein Sammelsurium, das einmal eine Waffe war: Metall- und Kunststoffteile, eine Feder, ein Bolzen, viele Schrauben.
Die 21-Jährige hat die Waffe auseinandergenommen und setzt sie jetzt wieder zusammen. Nur so kann sie überprüfen, ob das funktioniert, was sie konstruiert hat.
Ein Beruf, den kaum jemand kennt
Eine Büchsenmacherin macht Waffen, keine Dosen. Das muss Shirley Weber immer noch meist als Erstes klarstellen, wenn sie anderen erzählt, was sie beruflich macht. Eine Büchse ist in ihrem Fall eben keine Konservendose, sondern eine Schusswaffe. Die Firma, in der sie ihre Ausbildung gemacht hat, fertigt Pistolen und Gewehre für die Jagd, fürs Sportschießen und im Auftrag anderer Waffenhersteller.
Ihre Faszination für die Jagd war der Start für Shirley Webers Weg
Ihr Beruf stößt nicht immer und überall auf Begeisterung, erzählt Weber. Viele finden es fraglich, sich am Bau von Schusswaffen zu beteiligen. Die junge Büchsenmacherin hält das für undifferenziert. Die Jagd zum Beispiel habe es immer schon gegeben und werde es immer geben. Aber sie wisse auch, dass sie niemals diejenigen überzeugen könne, die Waffen grundheraus ablehnen.
Mit dem Opa an der Werkbank, mit der Oma auf dem Ansitz
Beim Büchsenmachen ist Feinmotorik von Vorteil. Die Schrauben sind klein, die Mechanik und Bauteile der Waffen oft filigran. Weber hat schon als kleines Kind oft und viel mit ihrem Opa im Keller gebastelt und gewerkelt. Er hat ihr auch das Löten beigebracht. Es sei schon von Vorteil, zu wissen, was eine Feile ist und wie man sie benutzt, scherzt Weber.
Ausschlaggebend für ihre Berufswahl war aber vor allem ihre Faszination für die Jagd. Die hat sie von ihrer Oma. Die ist Jägerin, und mit ihr ist sie schon als Kind ins Revier mitgegangen. Früh hatte Shirley Weber den Entschluss gefasst, selbst Jägerin zu werden. Mit 16 hat sie den Jugendjagdschein gemacht, später die Jägerprüfung zum Jagdschein. So oft es geht, sind Oma und Enkelin immer noch gemeinsam im Revier unterwegs. Dass Weber Büchsenmacherin geworden ist, überrascht Oma Ilse Lipka überhaupt nicht.
Die größte Herausforderung: eine Lehrstelle finden
Shirley Weber wollte unbedingt ins Handwerk. Da erschien ihr die Ausbildung zur Büchsenmacherin die ideale Kombination aus Handwerk und Hobby. Einen Ausbildungsplatz zu finden, war aber schwierig. Die Remscheiderin hat viele Absagen erhalten, mit für sie nicht nachvollziehbaren Begründungen. Büchsenmachen sei nichts für Frauen, der Beruf habe keine Zukunft.
Weber wollte unbedingt ins Handwerk. Da erschien ihr die Ausbildung zur Büchsenmacherin die ideale Kombination aus Handwerk und Hobby. Einen Ausbildungsplatz zu finden, war aber schwierig. Die Remscheiderin hat viele Absagen erhalten, mit für sie nicht nachvollziehbaren Begründungen. Büchsenmachen sei nichts für Frauen, der Beruf habe keine Zukunft.
Dennoch ließ sich Weber von ihrem Vorhaben nicht abbringen. Eine Firma aus Arnsberg hat ihr schließlich eine Lehrstelle angeboten. Für ihre Gesellenprüfung hat sie einen besonderen Abzug gebaut. Der überzeugte auch die Jury der German Craft Skills, der Deutschen Meisterschaft im Handwerk. Sie hat Weber zur NRW-Landessiegerin im Büchsenmacherhandwerk gekürt.
Nächstes Ziel: Der Meistertitel
Shirley Weber fasziniert an ihrem Beruf vor allem die Feinmechanik, die Technik. Aber das Schießen gehört zum Job dazu. Manchmal verbringt sie ganze Tage auf dem Schießstand der Firma. Dort testen sie Waffen, die sie entwickeln. Und testen bedeutet Dauerfeuer. Erst wenn eine Waffe 15.000 Schuss abgegeben hat und keine Schäden aufweist, ist sie in Ordnung.
Shirley Weber hat aber längst ein neues Ziel im Visier. Sie geht zur Meisterschule in Süddeutschland. Läuft alles nach Plan, dann ist sie bald Büchsenmachermeisterin - und wer weiß, vielleicht ja wieder die beste im Land.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Shirley Weber
- Zentralverband des Deutschen Handwerks
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 27.04.2026, 15:02 Uhr.
