Straßenschild zeigt Aufschrift "Waldfriedhof" in Monheim am Rhein Monheim

Waldfriedhof in Monheim

Muslimischer Friedhof Monheim: Streit um Waldfriedhofs-Deal

Stand:

Monheim verkauft einen Teil seines Waldfriedhofs an einen muslimischen Verein. Jetzt gibt es Streit über die Konditionen des Deals – der Bund der Steuerzahler empfiehlt, den Tatbestand der Untreue zu prüfen.

In Monheim am Rhein soll ein muslimischer Friedhof entstehen. Der Muslimische Friedhofsverein Monheim ist überzeugt: "Es ist der erste in Deutschland." Die Verträge sind unterschrieben. Vertragspartner sind die Stadt und der Verein. Was genau im Vertrag steht, ist nicht öffentlich. Auf Anfrage des WDR sagte die Stadt, man äußere sich derzeit nicht zu dem Themenkomplex.

Im Kaufvertrag steht angeblich etwas anderes als in der Ratsvorlage

Doch die Aufregung ist groß in Monheim, seit die Rheinische Post (RP) berichtete, dass der Deal für die Stadt deutlich teurer werden könnte, als dem Stadtrat bei seiner einstimmigen Zustimmung im vorigen Jahr mitgeteilt wurde. In einer Beschlussvorlage aus dem Juli 2025 steht ein Kaufpreis von 675.702 Euro für das 12.513 Quadratmeter große Grundstück. Laut der RP, die sich auf eine nicht-öffentliche Kämmerei-Vorlage vom Januar 2026 beruft, soll im tatsächlichen Kaufvertrag aber nur ein vorläufiger Preis von 450.468 Euro stehen.

Außerdem fließe von dem Kaufpreis jahrzehntelang kein Geld, weil die erste Rate erst in zehn Jahren fällig werde und dann nochmals zehn Jahre gestundet werde. Gleichzeitig soll die Stadt Kosten von insgesamt 2,43 Millionen Euro tragen — für Bodenaufbereitung, Baumfällung und Zaunbau. Auf Anfrage des WDR kommentiert die Stadt die genannten Zahlen nicht. Man äußere sich auch "derzeit nicht zu Spekulationen in der Öffentlichkeit", so ein Stadtsprecher.

Monheim war reich - jetzt höchste Pro-Kopf-Verschuldung in NRW

Das Problem: Nachdem Monheim am Rhein lange als eine der reichsten Städte in NRW galt, ist sie laut Bund der Steuerzahler "seit Ende 2024 zur Schuldenhochburg Deutschlands geworden" — mit 24.147 Euro Schulden je Einwohner lag Monheim Ende 2025 auf Platz eins in NRW. Kommt auf diesen Berg jetzt unerwartet noch etwas drauf, während die neue Bürgermeisterin Sonja Wienecke versucht, die Stadt wieder auf Kurs zu bringen?

Porträt: Monheims Bürgermeisterin Sonja Wienecke

Lokalzeit aus Düsseldorf 09.02.2026 20:44 Min. Verfügbar bis 09.02.2028 WDR Von Catrin Risch

Alexander Schumacher, Fraktionsvorsitzender der SPD Monheim, sagt, man wisse noch nicht, was genau los ist: "Deshalb haben wir am 10. Februar im Rat beschlossen, dass die Angelegenheit vom städtischen Rechnungsprüfungsamt geprüft werden soll – möglicherweise unter Hinzuziehung juristischer Beratung oder externer Wirtschaftsprüfer."

Im Mittelpunkt der Prüfung steht das Handeln des ehemaligen Bürgermeisters Daniel Zimmermann, der den Deal ausgehandelt hat. Ein erstes Ergebnis gebe es möglicherweise im Sommer, sagt der SPD-Politiker.

"Tatbestand der Untreue prüfen" und "strafrechtliche Maßnahmen prüfen"

Der Bund der Steuerzahler geht derweil noch weiter: Er empfiehlt, auch den Tatbestand der Untreue zu prüfen.

Jens Ammann vom Bund der Steuerzahler sagt im Gespräch mit dem WDR: "Es gab einen Ratsbeschluss, aber das, was umgesetzt worden ist, entspricht nicht dem bekannten Ratsbeschluss, sondern scheint eine individuelle Absprache zu sein, die zu Lasten der Steuerzahler geht. Es wird richtig teuer." Und weiter:

"Statt Einnahmen hat die Stadt letzten Endes Kosten in Millionenhöhe - und da stellt sich die Frage, ob hier der Straftatbestand der Untreue relevant ist oder nicht.“ Jens Ammann, Bund der Steuerzahler
Jens Ammann, Bund der Steuerzahler

Ammann fragt sich außerdem, "ob hier das falsche Grundstück verkauft wurde. Dieses Grundstück muss durchgesiebt werden, weil dort sterbliche Überreste von Menschen liegen könnten, die dort in der Vergangenheit begraben worden waren. Das ist teuer. Hätte die Stadt kein anderes Grundstück gehabt?

PETO und Zimmermann weisen die Vorwürfe zurück

Zimmermanns Partei PETO weist derweil alle Vorwürfe zurück. In einer Stellungnahme schreibt PETO: "Die erhobenen Vorwürfe sind absolut haltlos und unbegründet."

Wasserstelle und freie Grabfelder auf dem Waldfriedhof in Monheim

Freie Grabfelder auf dem Waldfriedhof in Monheim

Die Stadt werde langfristig sparen: Durch die frühere Übergabe der Verkehrssicherungspflicht an den Trägerverein spare Monheim sechs Jahre Wegeunterhalt - etwa 300.000 Euro. Die Kosten für die Bodenaufbereitung schätzt Zimmermann auf unter 300.000 Euro. Den Ratenerlass von 225.000 Euro räumt er in der Erklärung ein und bezeichnet ihn als Starthilfe, zu der er nach eigener Darstellung im Rahmen seiner Handlungsvollmacht berechtigt gewesen sei.

1,8 Millionen Euro für Bodenaufbereitung?

Der 2025 eigens gegründete Muslimische Friedhofsverein Monheim zweifelt an der Kostenschätzung für die Bodenaufbereitung: In einer Stellungnahme schreibt der Verein, die in der internen Vorlage genannte Summe von 1,8 Millionen Euro habe den Friedhofsarchitekten "sehr überrascht".

Vorsitzender Erdoğan Akpola sagt, man habe in der Angelegenheit einen Termin mit der Stadt – Bürgermeisterin Wienecke und die CDU-Fraktion hätten bereits das Gespräch gesucht. "Wir arbeiten konstruktiv mit der Stadt zusammen. Wir wollen für alle das Beste. Langfristig wird die Stadt mehrere Millionen Euro einsparen - etwa weil sie sich nicht mehr die Verkehrssicherung, Grünpflege, Grabpflege und so weiter kümmern muss."

Würdevolle Bestattungskultur für Muslime

Was bei der Diskussion um die Zahlen nicht vergessen werden darf: "Es geht darum muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern eine würdevolle Bestattungskultur in ihrer Heimatstadt zu ermöglichen", sagt Akpola.

Laut einer Studie der Deutschen Islam Konferenz leben in Deutschland über fünf Millionen Muslime. Im Todesfall gibt es hierzulande zwar muslimische Grabfelder, aber bisher keinen vollständig eigenständigen, selbstverwalteten muslimischen Friedhof. Der in Monheim am Rhein wäre der Erste seiner Art.

Muslimischer Friedhof Monheim: Streit um Waldfriedhofs-Deal

WDR Studios NRW 19.03.2026 00:57 Min. Verfügbar bis 18.03.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Beschlussvorlage X/1639, Stadt Monheim am Rhein, 09.07.2025
  • Interview mit Alexander Schumacher (SPD)
  • Interview mit Erdoğan Akpola
  • Stellungnahme des Muslimischen Friedhofs Monheim am Rhein e.V.
  • Interview mit Jens Ammann, Bund der Steuerzahler
  • Schriftliche Stellungnahme der Stadt Monheim am Rhein
  • Anfrage Staatanwaltschaft Düsseldorf (17.03.2026)
  • Statement PETO
  • RP-Bericht: "Verdacht der Untreue: Friedhofs-Deal wird zum Millionengrab"
  • Bundesministerium des Innern: Islam in Deutschland

Sendung: WDR.de, Muslimischer Friedhof Monheim: Streit um Waldfriedhofs-Deal 19.03.2026, 18:30 Uhr

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