So gehen Städte in NRW gegen Elterntaxis vor

03:09 Min. Verfügbar bis 10.06.2028

Chaos auf dem Schulweg So gehen Städte in NRW gegen Elterntaxis vor

Stand:

Städte, Polizei und Schulen suchen Wege aus dem Elterntaxi-Chaos. Velbert setzt auf Aufklärung, Sperrungen und Kontrollen, will aber auch Angebote schaffen. Wichtig ist, dass kein Kind auf seinem Schulweg durch zu viel Verkehr gefährdet wird.

Von Friederike Kämper

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In 15 Minuten beginnt der Unterricht am Gymnasium Langenberg in Velbert. Auf der Straße am Schulgebäude wird es jetzt hektisch. Schulbusse bringen Schülerinnen und Schüler an den nahegelegenen Busbahnhof, andere kommen zu Fuß. Dazu mischen sich immer mehr Autos, mit denen Eltern ihre Kinder bis kurz vor die Schultür bringen.

Diese sogenannten Elterntaxis sind ein Problem - zwischen Bussen und vielen Schülern haben private Pkw einfach keinen Platz. Es wird unübersichtlich. Eltern manövrieren ihre Fahrzeuge vor und zurück, blockieren den Wendeplatz der Busse und zwischendrin bahnen sich Schülerinnen und Schüler ihren Weg zum Schulgebäude.

Velbert setzt auf regelmäßige Kontrollen

"So geht das leider jeden Tag", sagt eine Mitarbeitern des städtischen Ordnungsamtes. Die Stadt Velbert geht schon seit einiger Zeit gegen Elterntaxis vor. "Wir kontrollieren mit der Verkehrsüberwachung regelmäßig an allen Schulen", sagt Christian Draeger. Der Dezernent der Stadt Velbert, zuständig für das Ordnungsamt, ist heute zum Gymnasium Langenberg gekommen und macht sich ein Bild von der Lage.

Ein Bild von Christian Draeger, Dezernent bei der Stadt Velbert.

Christian Draeger, Dezernent bei der Stadt Velbert, hat die Elterntaxis im Blick.

Die Probleme liegen laut Draeger auf der Hand: "Es werden Halteverbote nicht eingehalten und es kommt zu gefährlichen Situationen", sagt Draeger, während nur knapp hinter ihm ein SUV rückwärts zum Wendemanöver einschert.

Die Laufwege seien durch zu viele Autos und den Rückstau nicht mehr einsehbar, die Kinder schlängeln sich an den Autos vorbei - "das hat einfach richtig großes Unfallpotenzial", warnt der Dezernent. Problematisch seien hier immer die letzten Meter unmittelbar vor der Schule.

Eltern reagieren oft mit Unverständnis

Vor Schulbeginn spielten sich daher schon mal echte Dramen ab: "Es geht immer nur um die eigenen Kinder", so Draeger. Eltern sähen die Situation nur aus ihrer Perspektive. "Wenn aber 20 Eltern nur mal eben ihr Kind vor der Schule rauslassen wollen, dann summiert sich das auf." Auf Kontrollen reagierten manche Eltern daher oft mit Unverständnis, seien peinlich berührt oder auch schon mal wütend.

Elterntaxi: Zwischen Stigma und Sicherheit

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 28.05.2026 19:45 Min. Verfügbar bis 27.05.2027 WDR 5

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Schutz der Schulkinder

Dabei gehe es bei den Kontrollen um die schwächsten Verkehrsteilnehmer. "Wir wollen und müssen die Kinder hier auf den letzten hundert Metern ihres Schulweges schützen", betont Draeger. Dieses Anliegen hat auch die Polizei, die Kommunen beim Einsatz gegen Elterntaxis unterstützt.

Ein Bild von Diane Dulischewski, Pressesprecherin der Polizei Mettmann.

Diane Dulischewski, Pressesprecherin der Stadt Mettmann, möchte Kinder im Straßenverkehr schon früh stärken.

"Kinder sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer, deswegen ist es wichtig, sie stark zu machen", unterstreicht Diane Dulischewski, Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde Mettmann. Eltern sollten ihre Kinder beim Erlernen von Kompetenzen im Straßenverkehr unterstützen - beispielsweise auf dem gemeinsamen Schulweg zu Fuß.

"Elterntaxis sind liebevolle Ansätze, aber sie sind falsch verstanden." Diane Dulischewski, Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde Mettmann

Verkehrspsychologe: Elterntaxis sind Teil des Problems

Das sieht auch der Frankfurter Verkehrspsychologe Patrick Grieser so. Zwar steige die Anzahl der Unfälle auf dem Schulweg - doch wer sein Kind vor allen Gefahren abschirme, tue ihm keinen Gefallen. Sondern hindere es daran, einen sicheren Umgang mit dem Straßenverkehr zu erlernen, sagt Grieser im WDR-Interview.

Bei der Stadt Velbert ist sich Christian Draeger bewusst: Wieder los wird man die Elterntaxis nicht mehr. "Das hat mit mehr Autos und zunehmender, teilweise überzogener Fürsorge seitens der Eltern in den vergangenen Jahren schon deutlich zugenommen." Und mit jedem neuen Schuljahr kämen wieder neue Eltern hinzu. Daher will die Stadt Velbert an einigen Schulen auch sichere Parkmöglichkeiten schaffen: "Wenn viele Eltern das Bedürfnis haben, ihre Kinder zur Schule zu bringen, dann müssen wir das auch ernst nehmen."

Dort, wo es richtig eng und brenzlig wird, schlägt die Stadt Velbert aber auch härtere Wege ein: Vor der Max-und-Moritz-Grundschule ist die deutlich verengte Straße ab sofort zu Schulzeiten zwischen 7:30 Uhr und 16:30 Uhr für den Verkehr gesperrt.

Stadt und Polizei setzen auf Kontrolle und Information

Stadt, Schulen und Polizei wollen aber nicht nur bei den Eltern wirken. Gezielte Aktionen wie Stempelkarten, gemeinsame Schulwege oder Walking-Bus-Projekte beziehen auch die Schülerinnen und Schüler direkt mit ein - los geht's bereits im Grundschulalter.

An einem Zaun hängt ein Banner mit der Aufschrift "Wir wollen gehen! Zu Fuß statt Elterntaxi. Kreis Mettmann".

An der Max und Moritz-Grundschule in Velbert nehmen Kinder am Wettbewerb „Wir wollen gehen! Zu Fuß statt Elterntaxi“ teil.

Ziel sollte sein, dass die Kinder den Schulweg als gemeinsames Erlebnis haben. "Das wird den Kindern an dieser Stelle genommen. Schulweg ist auch was Schönes", weiß Christian Draeger. Kinder müssten selbstbewusst werden, rät die Stadt Velbert daher Eltern und ermutigt immer wieder zum selbstständigen Schulweg. "Man muss auch lernen loszulassen."

Vorbild Dortmund: So kann ein sicherer Schulweg auch aussehen

Wie Kinder an den selbstständigen Schulweg gewöhnt werden könnten, macht ein Projekt aus Dortmund vor. Eva Fried ist Lehrerin und Mutter und hat die Aktion ins Leben gerufen: Dortmunds ersten Fahrradbus. Eine Demo, bei der auf Sicherheit im Straßenverkehr aufmerksam gemacht werden soll und die Kinder gemeinsam mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Ganz ohne Elterntaxis.

Morgens um halb acht klappert Fried mit einer Gruppe Kindern und Unterstütztern, Lehrern, Eltern, ADFC-Mitgliedern und Politikern die Bushaltestellen in ihrer Siedlung ab. Dort stoßen immer mehr Kinder auf ihren Fahrrädern dazu. An einem Termin im April erreichte der Fahrradbus seinen bisherigen Höhepunkt: Mehr als 80 Menschen fuhren mit.

Viele Kinder und Erwachsene fahren gemeinsam in einer Kollone Fahrrad, sie demonstrieren

Der Fahrradbus in Dortmund Brackel rollt seit knapp drei Monaten.

Eine ähnliche Aktion in den USA geht gerade durch die Decke. Der Lehrer Sam Balto organisiert den Fahrradbus in Portland und lädt regelmäßig Prominente ein, mitzufahren. Und die kommen. Stars wie Justin Timberlake oder Benson Boone sind schon mitgeradelt.

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"Viele verzichten gerne auf Komfort", sagt die Polizei Mettmann

Zurück nach Velbert: Selbstständig zur Schule wollen in den meisten Fällen die Kinder ohnehin, weiß Polizistin Diane Dulischewski aus ihrer Arbeit in den Schulen. Für die Kinder und Jugendlichen sei es eine schöne Erfahrung, mit ihren Freunden zusammen zur Schule gehen zu können, sich auszutauschen und auf die Schule vorzubereiten. Die soziale Komponente sei ein wesentlicher Faktor bei der Aufklärung gegen Elterntaxis. "Es tut Kindern wirklich gut und unsere Erfahrung zeigt, dass viele gern auf ein bisschen Komfort auf dem Schulweg verzichten."

Wie umgehen mit dem Elterntaxi?

WDR 10.06.2026 01:02 Min. Verfügbar bis 09.06.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Interview mit Christian Draeger, Dezernent der Stadt Velbert
  • Interview mit Diane Dulischewski, Pressesprecherin der KPB Mettmann
  • Interview mit Eva Fried, Organisatorin Fahrradbus Dortmund-Brackel
  • Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort in Velbert

Sendung: WDR.de, "Wie umgehen mit dem Elterntaxi?", 10.06.2026, 5:03 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 10.06.2026, 19:30 Uhr

Kommentare zum Thema

15 Kommentare

  • 15 Claudia 11.06.2026, 22:37 Uhr

    Absolut irre was vor den Schulen los ist. Denke wenn alle nicht auf den letzten Drücker vor den Schulen eintrudeln , wäre es gar nicht so dramatisch , aber was die meisten Muttis da morgens für ein Chaos vielerorts veranstalten ist unverantwortlich , rücksichtslos und egoistisch. Das fängt schon im Kindergarten an, das wir Pädagogen die Eltern ermahnen müssen …. Das wird sich nicht ändern , weil zu viele Faktoren aufeinander treffen . Weiterhin viel Glück den kleinen Menschen die unnötigerweise in Gefahr gebracht werden.

  • 14 Canasta Furie 11.06.2026, 14:03 Uhr

    Wenn die Städte Schulen mit Brennpunkt-Charakter entstehen lassen, müssen diese sich nicht wundern, wenn Eltern die Kinder mit dem Auto in andere Stadtteile fahren.

  • 13 Rufus 11.06.2026, 13:47 Uhr

    Viele Wege sind mit Fahrrädern mindestens genauso schnell zu bewältigen, wie mit Autos. Schöner Nebeneffekt: die Kinder lernen Selbstständigkeit und können eher auch auch Eltern ihre Wunschorte erreichen. Elterntaxi mir Pedalpower …

  • 12 Pomm 11.06.2026, 06:22 Uhr

    Vielleicht sollte man die Eltern auch mal fragen, warum sie die Kinder bringen. Bei uns muss unsere Tochter zu ihrer Grundschule einen großen Teil des Weges mit Klienten einer Hauptschule zusammen gehen. Was da morgens schon abgeht und gedealt wird, das möchte niemand einem 7 Jahre alten Kind zumuten. Ergo bringen wir sie zur Schule, weil sich niemand für das Problem zuständig fühlt.

  • 11 Wolf 10.06.2026, 17:54 Uhr

    Na ja unsere stad in platz zu sichere kurz parkplatze zumachen will spersonen machen damit luete auf ofenen strase steht ! In Holand vor schule werden kurtz parkzonnen gebaut langs strasen und das funktoinirt perfekt! Ja farad ist gut aber meine 7 jahrige tochter fährt noch nicht so lange und ich finde 5 km bissen zuviel und zweite problem das weg geht durch flüchtlingsheim da ist nicht sicher kleine mädschen aleine zufahren.

  • 10 Maximilian 10.06.2026, 16:51 Uhr

    Unter den Eltern-Taxis gibt es Autoposer. Soziale Unterschiede sollen hier herausgestellt werden und Kinder achten darauf, mit welchem Auto vorgefahren wird. Dieser Unsinn muss beendet werden. Kinder sollten zu Fuß zur Schule gehen und Autofahrer müssen gleichzeitig rücksichtsvoller und vorausschauender fahren. Die Impulsivität der Kinder müssen Autofahrer auch im stressigen Alltag berücksichtigen. Am besten erfolgt der Hinweis sogar auf dem Schreiben der Kfz-Versicherung. Für weitere Schulwege sollten Kinder Fahrräder oder den ÖPNV nutzen. So mancher Schulweg wird weiter, weil Eltern ihre Kinder in einem anderen sozialen Umfeld beschulen lassen wollen. Dieser Trend wird wahrscheinlich noch zunehmen. Aber auch hier ist das Eltern-Taxi nur in Ausnahmefällen der richtige Mobilitätsansatz.

  • 9 Regina Depta 10.06.2026, 15:11 Uhr

    Mehr Verkehrssicherheit an Schulen mit: 1. Eltern sensibilisieren dafür, dass sie ihre Kinder nicht mit dem Auto bis vor die Schule fahren 2. Schulstraßen einrichten 3. Tempo 10 km zu den Schulzeiten auf den Straßen an Schulen 4. Einsatz von Schülerlotsen an Kreuzungen in Schulnähe, wo kein Zebrastreifen und keine Fußgängerampel ist 5. Weiße Straßen Markierungen mit Tempo 10 km und die anderen Verkehrszeichen (Achtung Kinder)

  • 8 Susanne Böffgen 10.06.2026, 13:40 Uhr

    Ich bin Betroffene, da ich in einer kleinen Sackgasse wohne mit Zugang zu einer Förderschule, Grundschule und Kindergarten. Der Müll wird teilweise nicht mehr abgeholt, da die Müllabfuhr keine Chance hat die Straße zu befahren, Eltern parken auf dem Bürgersteig und zwingen die Kinder somit auf die Straße. Einfahrten von Anwohnern werden zugestellt. Es ist eine aggressive Stimmung, die Eltern, Taxen und Schulbusfahrer sind uneinsichtig. Ein Beispiel: ich habe einen Anruf aus dem Krankenhaus erhalten, daß ich dringend hinkommen soll, da es meiner Mutter sehr schlecht geht. Ich versuche aus meiner Ausfahrt herauszufahren und ein Schulbus hält mitten auf der einspurigen Strasse, da schon kein Platz mehr war und verläßt seinen Bus. Ich stand völlig verzweifelt in meiner Einfahrt. Schon mehrfach habe ich versucht, daß Gespräch mit Eltern, Schule und Ordnungsamt zu führen, leider völlig erfolglos. Ich bin wohnhaft in Köln Porz Grengel ...

  • 7 Marc S. 10.06.2026, 13:35 Uhr

    Elterntaxis, die in Einfahrten parken und dort wenden (und entsprechend die Gehwege blockieren)... Gestresste Mamas oder Papas, die mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit zur Schule fahren - und dann natürlich auch bis möglichst vor den Haupteingang... Und auch gerne mal Eltern, die mitten auf der Straße anhalten, um ihre Kinder "mal eben schnell" aussteigen zu lassen. Als Anwohner unmittelbar neben einer Grundschule ist das unser Alltag. Wir versuchen schon, zwischen 07:40 Uhr und 08:00 Uhr NICHT selbst losfahren zu müssen. Dass es sich bei unserer Straße um eine relativ enge Sackgasse handelt, erschwert die Situation zusätzlich. Fakt ist: Der Verkehr hat in den vergangenen Jahrzehnten massiv zugenommen, der Stress sowieso - und die Kinder sollen möglichst wenig zu Fuß gehen. Alles in allem eine sehr ungünstige Entwicklung. Es wird Zeit, dass hier konsequent gegengesteuert wird.

  • 6 Robert Baumeister 10.06.2026, 13:31 Uhr

    Viel schlimmer als alle SUV-Muttis zusammen sind die ganzen Lehrer, die morgens auf den letzten Drücker an der Schule erscheinen und dabei alles und jeden umrennen oder -fahren, der sich ebenfalls Richtung Schule bewegt - sei es zu Fuß, auf dem Rad, mit dem Auto oder auf dem Hexenbesen. Und dann parken sie natürlich auf zwei bis drei Parkplätzen gleichzeitig, weil sie keine Zeit mehr zum Rangieren in der Parklücke haben. Jeden Morgen ein Schauspiel vor dem Herrn. Die Eltern hingegen halten kurz an, lassen ihre Kinder rausspringen und sind dann auch schon wieder weg. Ich würde mal darüber nachdenken, Lehrer zur Anwesenheit ab 07.30 Uhr zu verpflichten. Dann wäre der Verkehr vor den Schulen wahrscheinlich schon um einiges sicherer.

  • 5 Heiko 2 10.06.2026, 13:29 Uhr

    Wenn der Zehnjährige bald nicht mehr in die lokale Schule zugelassen wird, müssen wir vom Rand von Ossendorf aus in die Innenstadt zur Schule fahren. Im ersten Halbjahr werden wir ihn erst einmal mit dem Auto dorthin bringen und wenn wir Urlaub haben, dann begleiten wir ihn mit der Bahn. Was ich bis dahin schon alles erlebt habe – von Junkies am Appelhofplatz bis zu aggressiven Jugendlichen am Dom – wird unsere Entscheidung vermutlich ändern und auch uns zu einem „Elterntaxi“ werden lassen. Aber nicht, weil wir zu faul oder gemütlich sind, sondern weil die Stadt es nicht schafft, genügend Schulplätze in den Stadtteilen zu schaffen, und weil wir beide arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen.

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